Sie haben sich sprichwörtlich gesucht und in Blankenburg gefunden: die Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz (SUNK) und der Arbeitskreis Fledermausschutz Sachsen-Anhalt. Mit weiteren Partnern haben sie einen alten Bergbau-stollen geöffnet und fledermausfreundlich verwahrt.

Blankenburg l Mit Superlativen ist Bernd Ohlendorf gemeinhin sehr vorsichtig. Umso überraschender ist es, wenn Sachsen-Anhalts oberster Fledermausschützer das Wort Sensation in den Mund nimmt. Doch was er mit seinen Mitstreitern vom Arbeitskreis Fledermäuse (Stolberg) bei 19 Netzfängen zwischen August und Dezember am sogenannten Mühlwegstollen erlebt hat, hat selbst ihn überrascht. "Es ist schon eine kleine Sensation, wieviele Tiere sich unter den ungünstigen Zugangsbedingungen in dieser Grube aufhalten", erklärt Ohlendorf. Insgesamt wurden 1070 Tiere gefangen, markiert und wieder gefangen. "Dabei konnten wir neun Fledermausarten nachweisen", so der Experte. Darunter vor allem Bechstein- und Fransenfledermaus, aber auch Mopsfledermaus und zu aller Überraschung das Mausohr. Denn die größte Fledermausart hierzulande hat es bislang recht schwer gehabt, durch eine knapp 20 Zentimeter große Stollenöffnung einzufliegen.

Seit wenigen Tagen haben sich die Bedingungen für die geschützten Tiere deutlich verbessert. In einer Gemeinschaftsaktion der Fleder-mausschützer, des Berg- und Naturschutzvereins, des VHS Bildungswerks, der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH und der SUNK als Waldbesitzer war der in den 70-er Jahren gesprengte Eingang zum Silberbornstollen wieder freigelegt worden. Die dafür notwendige Technik stellte die Mitteldeutsche Baustoffe GmbH, die sich solche Arbeiten als Ausgleich für deren Rohstoffgewinnung anrechnen kann. Neben dem Öffnen des Stollens wurde auf rund 60 Metern ein Bachbett aufgeschachtet, um das Oberflächenwasser aufzunehmen, das ansonsten in den Stollen geflossen ist.

Wie Ralf Selle vom Berg- und Naturschutzverein Blankenburg erläuterte, wurde danach der Zugang zum Stollen mit einer speziellen Stahlbetontür und modernster Überwachungstechnik gesichert. Sie verhindere das Eindringen von ungebetenen Eindringlingen. Über eine Öffnung oberhalb der Tür ist es dagegen nunmehr möglich, dass Fledermäuse barrierefrei ein- und ausfliegen können. Ein zweiter positiver Nebeneffekt: Durch die neue Öffnung gelangt frische Luft in die Grube, in der sich somit das Mikroklima deutlich verbessert.

Bei einem Pressetermin betonte SUNK-Geschäftsführerin Ursula Strübing, dass solch ein Gemeinschaftsprojekt zu ihrem Stiftungsauftrag passe. Der Naturschutz, so sagte sie, habe absoluten Vorrang. Auch Bernd Ohlendorf ist begeistert: "Dieses Gebiet wird erheblich aufgewertet. Es wird zu einer Bestandszunahme der Fledermäuse kommen", ist er überzeugt. Braunesumpf, wie das gesamte Grubengebiet genannt wird, könne mehrere tausend Tiere aufnehmen: "Schon jetzt gehört die Grube Braunesumpf zu den bedeutendsten Felsquartieren für Fledermäuse in Sachsen-Anhalt."