Derenburg l Wer an Indianer in Deutschland denkt, hat sofort die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg und das Indianermuseum in Radebeul im Sinn. Wer aber im Internet über die Suchmaschine Google "Indianermuseum" eingibt, stößt auf eine Privatsammlung im badischen Bretten. Dessen Betreiber, Thomas Merbt, hat sein Tipi dort abgerissen und wird es im Harz wieder aufbauen: im beschaulichen Derenburg. In der vergangenen Woche hat er mit seiner Gattin den Kaufvertrag für eine Immobilie in der Harzstadt unterzeichnet. Die ersten Lastwagen mit Umzugskartons sind bereits unterwegs.

"Ich werde in Derenburg auf über 900 Quadratmetern mehr als 3000 Exponate ausstellen -von Südamerika bis zu den Inuit. Ich glaube, das schafft sonst kein Museum in Deutschland", ist Merbt überzeugt. "Zwischen den Vitrinen mit wertvollen Originalstücken werden nach und nach lebensechte Dioramen entstehen, um die verschiedenen indigenen Lebensformen zu zeigen", erläutert der begeisterte Sammler. Weitere Höhepunkte seien nachgebaute Indianerhütten, -häuser und -zelte mit Figuren, Tieren und Pflanzen, um die Besucher mitzunehmen auf eine Zeitreise durch die unterschiedlichen Kulturen in der sogenannten Neuen Welt.

Thomas Merbt ist in der Nähe von Leipzig geboren. "Im Sommer 1949 wurde ich im Kinderwagen bei Zorge über die Grenze geschoben", erzählt er. Seine Schulzeit verbrachte Merbt in Goslar, wo er auch konfirmiert wurde. In den 50er Jahren lernt er dann Patty Frank, den legendären Verwalter des Karl-May-Museums in Radebeul kennen. Eine Begegnung, die ihn ebenso prägte wie die erste Amerika-Reise 1963 - ohne Eltern. "Seitdem sammle ich alles zum Thema Indianer und amerikanische Geschichte", sagt Merbt.

Diese Leidenschaft bringt ihm 1997 einen Eintrag ins Guinnes-Buch der Rekorde ein: mit der einst größten Indianer-Sammlung. Es folgen weitere Auszeichnungen, darunter auch eine, die mit keinem Orden und keinem Preisgeld aufgewogen werden kann: Seit 1998 ist Merbt Ehren-Mitglied des Stammes der Creek aus Florida.

In 50 Jahren des Tauschens und Sammelns hat Thomas Merbt rund 4500 Stücke zusammengetragen. Ein Großteil davon hat er zuletzt zehn Jahre lang in einem gemieteten Gutshof zwischen Stuttgart und Heidelberg ausgestellt - teils in lebensgroßen Dioramen mit rund 60 Figuren, 50 Tieren vom Bison bis zum Biber, begehbarem Tipi und Blockhaus. Ergänzend wurde aber auch Nicht-Indianisches gezeigt: Gegenstände, Kleider und Uniformen, Werkzeuge und Waffen, Dokumente und Bilder der Auswanderer aus Europa, der Siedler, Fallensteller, Soldaten, Cowboys, Indianermissionare, Sklaven und Goldgräber.

Legendär sind die Feste des Museums, bei denen Gäste aus 15 verschiedenen Indianerstämmen ihre Kultur vorstellten, aber auch die lebendigen Führungen für Schulklassen sowie Workshops in traditionellen indianischen Handwerkstechniken für Kinder und Erwachsene. Daran will Thomas Merbt auch in seiner neuen Heimat anknüpfen. Im Frühjahr soll alles fertig sein.