Sie rollen wieder durch die Wernigeröder Innenstadt - die Laster aus dem Oberharz. Die Mitstreiter der Bürgerinitiative "B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr" setzen sich nach wie vor für ein Brummiverbot in der Innenstadt ein.

Wernigerode l Momentan ruhen die Bauarbeiten an der Nöschenröder Straße. Der Verkehr rollt wieder über die B 244 aus Richtung Oberharz in die Wernigeröder Innenstadt. Die Anwohner der Umleitungsstrecke atmen vorerst auf. Die Wernigeröder, die entlang der Nöschenröder Straße wohnen, haben wieder mit Lärm, Abgasen und Dreck der vielen Lkw auf der Strecke zu kämpfen.

Seit Jahren setzt sich die Bürgerinitiative "B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr" für ein Brummiverbot in der Innenstadt ein. Vor gut 14 Jahren wurde die Initiative gegründet. Unterschriftenaktionen, Vorsprechen beim damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, Diskussionsrunden, Kontakt zu den Behörden der Stadt, des Kreises und des Landes folgten. Viel geändert hat sich für die Anwohner seither nicht. Zwar waren zwischenzeitlich ein Feinstaubmessgerät und eine Tempoanzeigetafel in der Nöschenröder Straße installiert worden. Das Messgerät montierte man jedoch schon vor Jahren wieder ab. Die Tafel wurde während der Bauarbeiten im vergangenen Jahr auf den Lindenberg versetzt.

"Wir kämpfen nach wie vor für unser Ziel: eine Ortsumfahrung", sagt Brigitte Tannert von der Bürgerinitiative. Zuständig wäre der Bund. Die Chancen für eine Umsetzung waren bisher jedoch gleich Null. Im Bundesverkehrswegeplan war das Projekt lediglich im "weiteren Bedarf" eingeordnet.

Brigitte Tannert und ihre Mitstreiter setzen ihre Hoffnung nun in den neuen Verkehrswegeplan. "Es wird ernst. Jetzt müssen wir uns rühren, denn jetzt laufen die Zuarbeiten. Wer nichts tut, hat schon verloren. Vielleicht rücken wir in der Prioritätenliste nach oben."

Unterstützung erhält die Bürgerinitiative von Stadt und Kreis. So bekannten sich die Mitglieder des Kreistages im vergangenen Dezember zur Ortsumfahrung. Der Wernigeröder Stadtrat hatte bereits im Mai dafür gestimmt.

"Das Projekt Ortsumfahrung wird seit 1991 in enger Zusammenarbeit mit dem Landkreis vorangetrieben", informiert Wernigerodes Rathaussprecher Andreas Meling auf Volksstimme-Nachfrage. Das größte zu lösende Problem sei der Schwerlastverkehr der Gesteinstransporte aus den Oberharzer Abbaugebieten. "Die Streckenlänge durch die Stadt beträgt 7,8 Kilometer, allein 3,2 Kilometer davon durch die historische Innenstadt", so Meling. Insgesamt 162 denkmalgeschützte Gebäude würden an der Streckenführung liegen. Der Stadtratsbeschluss vom Mai sei den Bundes- und Landesministerien weitergeleitet worden.

Auf Bundesebene laufen derzeit die Arbeiten zur Aufstellung des neuen Bundesverkehrswegeplans. Alle angemeldeten Projekte werden durch das Bundesministerium mithilfe externer Gutachter einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. "Für Sachsen-Anhalt wurden alle bislang nicht realisierten Projekte des Bundesverkehrswegeplans von 2003 wieder angemeldet", erklärt Peter Mennicke, Pressereferent des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr. "Dies gilt auch für die Ortsumfahrung Wernigerode." Aufbauend auf den Bewertungsergebnissen der Prüfung werde die Dringlichkeitseinstufung der Projekte erarbeitet. "Im Hinblick auf die bestehende Belastung durch den Schwerlastverkehr in Wernigerode wird sich das Land für eine prioritäre Einordnung der Ortsumfahrung einsetzen", sagt Pressereferent Mennicke.

Übrigens: Brigitte Tannert wird am Montag beim Neujahrsempfang der Kreisverwaltung mit der Ehrenmedaille des Landkreises Harz ausgezeichnet. "Für ihre engagierte Arbeit in der Bürgerinitiative `B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr` und in der Kommunalpolitik", wie Pressesprecherin Ingelore Kamann auf Volksstimme-Nachfrage mitteilt.