Rübeland l Bei den meisten der rund 170 000 Höhlenbesucher pro Jahr dürfte sich die Aufregung über das Geschlecht der Grottenolme in Grenzen halten. Selbst jene, die in der Hermannshöhle die gelblich-weißen, meist regungslos im flachen Wasser dahindösenden Lurche sahen, werden sich über die neueste Entdeckung etwas wundern: Die Olme sind männlich oder weiblich. Aber genau das gilt als Sensation.

Denn noch bei der letzten genauen Zählung im Jahr 1985 hieß es niederschmetternd für die Wissenschaftler und viele Harzer, dass Rübelands Grottenolme eine reine Männergesellschaft und vom Aussterben bedroht sind. Eine große deutsche Tageszeitung schrieb von "alten Knackern in Rübeland". Aus Frankreich sollte gar ein Olmenweibchen eingeflogen werden, um die Population der einzigartigen Lurche zu retten. Das ist gar nicht nötig, wie sich jetzt zeigt.

"Wir haben fünf Weibchen unter den insgesamt neun Tieren, und sie tragen sogar Eier", so Höhlenchefin und Leiterin des Tourismusbetriebs Oberharz, Cathleen Hensel, am Mittwoch gegenüber Volksstimme. Herausgefunden haben diese Sensation der französische Grottenolmexperte Olivier Guillaume gemeinsam mit der Höhlenbiologin Dr. Anne Ipsen vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, mit Dr. Wolf Rüdiger Große von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Friedhart Knolle von der AG Karstkunde Harz.

"Das bedeutet, dass die Zucht möglich scheint." - Cathleen Hensel

Der kleine Wissenschaftlertrupp begutachtete dieser Tage auf Anregung des Tourismusbetriebes Oberharz den Olmensee und die Olme im Kernbereich der Höhle. Die Lurche wurden vorsichtig gefangen, gezählt und das Geschlecht bestimmt. Mit dem überraschenden Ergebnis, dass es eine gemischten Gruppe gibt. 1985 wurden die Mann-Frau-Unterschiede bei den Olmen wahrscheinlich übersehen heißt es, weil die Weibchen nur alle 10 bis 15 Jahre Eier tragen, so wie derzeit. Die aktuelle Zählung sei ein Glücksfall. "Das Ergebnis bedeutet, dass eine Zucht der Tiere in Rübeland grundsätzlich möglich scheint", so Hensel. Eine Vermehrung wird sogar bereits angestrebt.

Dazu hat die Höhlenverwaltung mehr Platz für die Tiere und kleine Versteckplätze geschaffen, an denen die Eier ungestört abgelegt werden und sich entwickeln können. Darauf wird gehofft, war zu erfahren. Und gut sei, dass die Hermannshöhle derzeit geschlossen ist. So haben die Olme bis zum Start der Hauptsaison im Mai Ruhe vor Besuchern mit Taschenlampen.

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