In diesem Jahr wird das Wernigeröder Harzmuseum am Klint 60 Jahre alt. Die Volksstimme hat Museumsleiterin Silvia Lisowski und Mitarbeiterin Andrea Jäger bei einem Rundgang durch das Haus begleitet und dabei sogar einen Schatz entdeckt.

Wernigerode l Eine versteckte Treppe führt auf den Dachboden des Wernigeröder Harzmuseums. Mitarbeiterin Andrea Jäger schließt die Tür zum Allerheiligsten des Hauses auf. Hier werden alle diejenigen Objekte aufbewahrt, die nicht in der Dauerausstellung des Museums gezeigt werden. Obwohl sich hier unzählige Helme, Bügeleisen, Werkzeuge und Fahnen türmen, wirken die Magazinräume geradezu aufgeräumt.

Die einfachen, grüngestrichenen Holzregale reichen bis an die niedrige Decke. Jeder noch so kleine Winkel ist mit historischen, teils vergessenen Objekten belegt. Bilderrahmen lehnen an den Wänden. In einer Ecke liegt eine beschlagene Messingkugel, die einst die Spitze von einem der Rathaustürme zierte. Daneben steht ein Sprachrohr aus längst vergangenen Zeiten, als es noch keine Lautsprecher gab. "Es ist schon interessant, was sich hier alles versteckt", sagt Andrea Jäger. Hin und wieder würde sogar sie etwas Neues auf dem Dachboden entdecken. "Und das, obwohl ich schon sehr oft hier oben war."

So spannend wie eine Stippvisite auf dem Dachboden auch ist - diese Räume sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Anders als das Museum selbst, das jährlich von gut 10 000 Gästen besichtigt wird. In der Dauerausstellung sei nur ein kleiner Teil aus dem Bestand des Hauses zu sehen, so Museumsleiterin Silvia Lisowski. Viele Artefakte werden im Schaudepot über dem Stadtarchiv aufbewahrt, eine Reihe von Tierbälgern und Mineralien in zwei weiteren Außenmagazinen.

"Ich nenne Museen gern das Objektgedächtnis der Menschheit", sagt sie. Deshalb sei die wichtigste Aufgabe für sie und ihre Mitarbeiter das Sammeln und Bewahren für zukünftige Generationen. Dann folge das Forschen. "Die Präsentation kommt eigentlich erst ganz zum Schluss."

Seit genau 60 Jahren beherbergt das Gebäude am Klint das Harzmuseum. Das 1821 als Wohnhaus errichtete Haus befand sich bis 1918 in Privatbesitz und wurde danach von städtischen Behörden wie der Polizei und der Bauverwaltung genutzt. Heute befinden sich unter seinem Dach zudem die Stadtbibliothek und die Kinderbücherei.

Nach umfangreichen Rekonstruktions- und Sanierungsarbeiten wurde am 15. Mai 2001 die aktuelle Dauerausstellung eröffnet. Themenschwerpunkte sind neben Bergbau und Naturkunde vor allem die Kapitel der Wernigeröder Stadtgeschichte. Die ausgestellten Exponate reichen von Werkzeugen aus der Steinzeit über historische Gewehre bis zu gegenständlichen Zeitzeugen der Wernigeröder Brauereigeschichte.

Sogar ein Schatz wird in den Räumen des Harzmuseums aufbewahrt - der sogenannte Rathausschatz, der aus wertvollen Glashumpen und einem Kokosnusspokal und einer Kriegskasse aus dem 16. Jahrhundert besteht. Besonders interessant: Fällt der Deckel der Kasse zu, werden zehn Verriegelungen aktiviert. "Die Kiste lässt sich dann nur mit dem richtigen Schlüssel wieder öffnen. Den haben wir aber", verrät Silvia Lisowski.

Besonders beliebt bei den Besuchern ist der ausgestopfte Luchs - das vorletzte Tier seiner Art, das am 24. März 1817 im Harz geschossen wurde, weiß die Museumsleiterin zu berichten. Zwar seien sein Fell im Laufe der Jahre verblichen, die Wangen und der Körper des Tieres eingefallen, "aber nach wie vor bilden sich Trauben von Neugierigen um die Raubkatze, vor allem wenn wir Besuch von Schulklassen haben."

Konzipiert wurde die Schau nach Vorgaben der Museumsmitarbeiter von einer externen Firma. "Wir sind immer noch zufrieden damit, die Ausstellung ist nach wie vor aktuell. Aber in den nächsten fünf Jahren werden wir uns Gedanken machen müssen, ob und wie wir die Räume umgestalten."

In regelmäßiger Häufigkeit lassen sich die Museumsmitarbeiter dagegen Themen für die Sonderschauen einfallen. "Wir zeigen vier Sonderausstellungen im Jahr", sagt Silvia Lisowski. "Eine kunstgeschichtliche, eine historische, eine naturkundliche und die Familienausstellung zur Weihnachtszeit." Inspiration bieten dafür historische Daten und Jubiläen. Einige Male seien Ideen von Besuchern aufgegriffen worden. "Oder wir haben Themen umgesetzt, die wir persönlich interessant fanden." Die meisten Ausstellungen sind selbstgestaltet. "Das erfordert eine enorme Recherchearbeit." Sie und ihre fünf Mitarbeiterinnen kostet das viel Zeit, die sie aber gerne aufwenden.

Schon jetzt freut sich Silvia Lisowski auf die neue Exposition. Die Wanderausstellung "Heimat im Krieg - Zeugnisse und Spuren des Ersten Weltkrieges inmitten Deutschlands" wurde von Schülern des Wernigeröder Stadtfeld-Gymnasiums und Geschichtsstudenten zusammengestellt. Eröffnet wird die Schau am 26. Februar.

 

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