Politiker sind auch nur Menschen - mit allen Stärken und Schwächen. Die Volksstimme traf sich mit den Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters an ihrem Lieblingsplatz in der Stadt und sprach mit ihnen über alles - außer Politik.

Wernigerode l Michael Miede sitzt auf einer Bank neben dem Hermann-Löns-Denkmal - hoch über der Stadt. "Für mich ist das der schönste Platz in Wernigerode", sagt der 29-Jährige. Er komme oft her - zum Abschalten und um in Ruhe nachzudenken. "Von hier hat man einen wunderbaren Blick. Hier ist es zu jeder Jahreszeit schön. Und man sieht, wo sich etwas in Wernigerode tut."

Seine Wahlheimatstadt voranzubringen, das ist das Ziel des gebürtigen Quedlinburgers. "Ich bin interessiert daran, die Dinge anzupacken." Deshalb habe für ihn bereits vor anderthalb Jahren festgestanden, sich für die Piratenpartei als Oberbürgermeisterkandidat zur Wahl zu stellen. Sein Alter sehe er nicht als Nachteil. "Sicherlich denken viele: Was will dieser junge Bengel? Für mich ist das eher Ansporn. Und wo steht geschrieben, dass man mit 29 Jahren nicht Oberbürgermeister werden darf?" Er liebe Herausforderungen - wie seine Kandidatur. "Ich bin kein Spaßkandidat", versichert er. "Ich nehme die Sache ernst."

Michael Miede schlägt den Kragen seines Mantels hoch. Es ist frisch geworden auf der kleinen Anhöhe über Wernigerode. "So gern ich diesen Blick von oben genieße - ich weiß woher ich komme", sagt er nachdenklich. "Nämlich von ganz unten." In einfachen Verhältnissen sei er in Schwanebeck aufgewachsen. "Harte Arbeit wie Kohleschleppen und Ackerbau bin ich gewöhnt." Und dass man im Leben nichts geschenkt bekommt, sondern Erfolge erkämpfen muss. Realschule, Ausbildung im Einzelhandel, schließlich die Facharbeiterprüfung in Maschinenanlagenbedienung, für die er sich in nur 32 Werktagen vorbereitet habe, wie er mit Stolz berichtet. "Meinen Urlaub habe ich dafür geopfert. Aber ich habe etwas erreicht, auf das ich aufbauen kann." Denn Miede hat höhere Ziele: Die Meisterprüfung, vielleicht eine eigene Firma - falls es mit dem Oberbürgermeister-Amt nicht klappt.

In Wernigerode habe er sich schon während seiner Ausbildungszeit verliebt. Dennoch verließ er die Stadt wieder, um in Norwegen Fuß zu fassen. Das Land habe ihn fasziniert, die Leute und ihre Lebenseinstellung haben ihn beeindruckt. Doch er kehrte nach einem dreiviertel Jahr in den Harz zurück. "Ich hatte Heimweh nach Familie und Freunden, musste mich entscheiden und habe Wernigerode gewählt." Die Lebensqualität hier sei "unglaublich gut", sagt er. Dazu die vielen Sehenswürdigkeiten, die Vielfalt an Veranstaltungen.

Doch es müsse einiges getan werden, damit die Stadt weiter attraktiv bleibt - nicht nur für Touristen, sondern auch für die Bewohner. "Bezahlbarer Wohnraum, Bürgersprechstunden, die Wirtschaft vorantreiben, nachhaltige Bebauung, den Breitbandausbau verstärken", zählt er auf.

Er habe einen starken Sinn für Gerechtigkeit: "Deshalb sehe ich es nicht ein, dass einige Wenige ihre Pläne für Schierke durchboxen wollen, ohne Rücksicht auf Verluste, und viele andere dafür büßen müssen." Sollten sich Seilbahn und Skipiste nicht rentieren, müsse man in der Stadt an freiwilligen Aufgaben sparen. "Das ist für mich ein rotes Tuch. Da verstehe ich keinen Spaß mehr."

Der 29-Jährige hat sich ein wenig in Rage geredet beim Thema Schierke. Genauso schnell beruhigt er sich wieder - beschreibt er sich selbst doch als harmoniesüchtig, freundlich, hilfsbereit und sympathisch. Und negative Eigenschaften? "Ich kann mich so richtig in ein Thema verbeißen. Aber das ist ja nicht negativ." Wo er sich in zehn Jahren sieht? Bei dieser Frage gerät er ins Grübeln. "Ich weiß nicht. Ich mache keine Pläne. Das bringt nichts." Träume habe er dagegen schon. Was sein Privatleben betrifft, wünscht er sich Frau und Kinder. "Wollte ich eigentlich schon mit 25 Jahren haben. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben." Und einmal im Leben nach Tibet reisen. "Das wär`s", sagt er und lässt seinen Blick in die Ferne schweifen.