Wäre sie nicht 1992 aufgelöst worden, würde die Agraringenieurschule (AIS) Wernigerode jetzt 90 Jahre bestehen. Gefeiert wird dieses Jubiläum aber dennoch. Am 28. Mai mit einem großen Absolvententreffen im Bürgerpark. Zu den Organisatoren gehört Werner Kropf, selbst einst Student an der Einrichtung und Buchautor.

Wernigerode. Werner Kropf wollte eigentlich Rundfunkmechaniker in Staßfurt lernen. Doch dann hatte ein Mitschüler auf seine Bewerbung hin "einen netten, informativen Antwortbrief" von der damaligen Fachschule für Landwirtschaft erhalten. Deshalb landete Kropf 1958 "direkt von der zehnten Klasse" in Wernigerode.

"Die vier Jahre Ausbildung waren außerordentlich prägend", beschreibt der ehemalige Diplom-Agraringenieur und heutige Ruheständler diese Zeit. Er selbst stammte aus einem christlich geprägten Elternhaus. Sein Schulleiter aber war jemand, "der Revolution mit drei R schrieb". Die dadurch entflammten Konflikte trieben ihn in eine direkte Konfrontation. Das war bereits nach einem Jahr Studium. "Sonst höre ich auf", hatte er sich damals geschworen.

"Da spielt für uns viel Herzblut mit"

Aber er blieb. Mit einem neuen Direktor wurde es für ihn erträglicher. Dann der Abschluss und ein langes Berufsleben. Werner Kropf hat darüber inzwischen vier Bücher geschrieben. Mit Erinnerungen an seinen Werdegang "Von Hakeborn bis Ägypten - Wege eines Landwirts" ist der 1942 geborene Wahl-Wernigeröder längst ein gefragter Gast bei Lesungen in der Region.

Geschrieben hat er auch die Chronik "Die Entwicklung der Landwirtschaftsschule Wernigerode zur Agraringenieurschule im Zeitraum von 1921 bis 1992". Das war 2009 für seine Prüfung zur Aufnahme in die hiesige Stadtführergilde. Auf 21 Seiten wird die Geschichte der Einrichtung reflektiert. Fast zum Schluss nennt Kropf auch zwei mögliche Gründe dafür, warum die AIS im Juli 1992 ihren Schulbetrieb beenden musste. Zum einen hatte sie wohl wegen ihrer Zugehörigkeit zum Volkseigenen Kombinat Tierzucht nur geringe Verbindungen zu Stadt, Kreis und Bezirk, somit also keine Lobby. Andererseits könnte die zu große Staatsnähe zur untergegangenen DDR eine Rolle gespielt haben.

"Wir könnten sagen, lasst die Toten ruhen", gibt Kropf zu. Doch dagegen sprechen die vielen "außerordentlich engagierten Dozentinnen und Dozenten". Ebenso wie die mehr als 4500 in Wernigerode ausgebildeten Staatlich geprüften Landwirte und Agraringenieure. Viele von ihnen hatten und haben die erfolgreiche Entwicklung der deutschen Landwirtschaft entscheidend mitgeprägt.

Nach wie vor gibt es unter den Ehemaligen starke Verbindungen. Werner Kropf und seine einstigen Mitstudenten organisieren zum Beispiel seit 1999 regelmäßig Klassentreffen. Vier sind es bisher.

Für die Jubiläumsfeier am Sonnabend, 28. Mai, rechnen die Organisatoren mit bis zu 500 Teilnehmern, meist aus den neuen Bundesländern. Zum Programm werden Harzkühe, Traktoren vom Museumshof in Silstedt und eine Kollektion mit Modellen von Gespannen gehören. Auch eine Ausstellung mit hunderten von Fotos ist in Vorbereitung. Ebenso wird es Folklore und Volkstanz geben.

Von 10 bis 14 Uhr soll Zeit für Gespräche in und um das Festzelt am einstigen Schafstall im Bürgerpark sein. Danach findet eine maximal einstündige Festveranstaltung statt. Werner Kropf: "Mit Ansprache des letzten Direktors und einer Würdigung besonders verdienstvoller Persönlichkeiten."

Ihm und seinen Mitstreitern bleibt dafür nur ein Wunsch: "Unser größter Lohn wäre es, wenn es ein tolles Treffen gibt." Und: "Da spielt für uns viel Herzblut mit."