Wernigerode. So charmant-liebenswert wie die Pressekonferenz zum 2. Internationalen Klavierwettbewerb "Neue Sterne" war lange kein ähnliches Ereignis. Am Flügel im Festsaal des Wernigeröder Rathauses gratulierte Prof. Albert Mamriev (Israel) der kleinen Journalistenschar mit einem feinen, exquisiten Stück "zum Valentinstag". Der künstlerische Leiter des Festivals spielte die Wilhelm-Tell-Ouvertüre von Rossini in der Bearbeitung durch Franz Liszt im Lisztjahr.

Vom 24. bis 27. März wird der 2. Wettbewerb im Harzer Kultur- & Kongresszentrum stattfinden. "Der Veranstaltungsort bietet ideale Bedingungen", so Mamriev. 36 Teilnehmer aus 20 Ländern haben sich schon angemeldet.

1500 Klavierwettbewerbe weltweit gibt es bereits. Was sichert ausgerechnet diesem jungen Festival die nachhaltige Wirkung? Der Pianist Mamriev, in 15 Jahren auf den bedeutendsten Wettbewerben gereift und seit 2003 in Deutschland tätig, "wollte immer wissen, wie sie organisiert sind". Seine "Neuen Sterne" wollte er anders und besser ausrichten. "Also nicht eine Liszt- oder Prokofjew-Sonate als Pflichtstück für alle. Das hält kein Publikum der Welt durch, ein Stück 30 oder 40 Mal zu hören!"

Vor Oberbürgermeister Peter Gaffert, seinem Stellvertreter Andreas Heinrich und den Journalisten entwickelte Prof. Mamriev seine Überlegungen für einen zukunftsweisenden Wettbewerb. "Warum sollen die Teilnehmer nicht spielen, was sie wollen und am besten können?" Also keine Pflichtstücke! "Und warum meist ein Alterslimit von maximal 30 Jahren? Ältere Pianisten hätten damit keine Chance mehr! Für sie wird der Markt sehr klein. Im Grunde genommen sind sie bei solcher Sicht schon Rentner. Also muss ein Wettbewerb ohne Altersbegrenzung her! Damit helfen wir den Teilnehmern", argumentierte Mamriev.

26 Teilnehmer aus 20 Ländern angemeldet

Ein solcher Wettbewerb wie der Wernigeröder ermöglicht den Teilnehmer auch nahezu unbegrenzte Probenzeit. Dafür bietet die Villa Russo fantastische Probenbedingungen. Vier Flügel sind hier vorhanden, weitere Möglichkeiten gibt es im Kunst- und Kulturverein.

"Und warum muss sich eine Jury eigentlich immer ausschließlich aus Pianisten zusammensetzen?", fragte Mamriev. Seine Jury besteht selbstverständlich auch aus hochkarätigen Solisten, aber gleichfalls aus anderen Musikspezialisten. Aus Komponisten, aus Liedbegleitern, aus Dirigenten.

Überlegungen hatte er auch zum Publikum. Meist war es in anderen Wettbewerben nur zu Beginn der ersten Runde anwesend, dann leerten sich die Säle, bis es wieder in der Finalrunde auftauchte. In Wernigerode besteht die Möglichkeit, Tagestickets zu erwerben und 30, 40 ganz verschiedene Werke zu hören. Die erste Runde am 24. und 25. März ist kostenfrei, lediglich die zweite Runde am 26. März und die dritte Runde (mit dem Philharmonischen Kammerorchester) und die anschließende Preisverleihung am 27. März kosten Eintritt.

"Dass es ein solch qualitativ gutes Orchester in Wernigerode gibt, werte ich als weiteren Glücksfall, den Wettbewerb hier auszutragen", betonte Prof. Albert Mamriev. Das Kammerorchester unter Leitung von MD Christian Fitzner wird in der Finalrunde vier bis fünf Klavierkonzerte von Mozart, Beethoven, Chopin, Mendelssohn Bartholdy und Schostakowitsch begleiten – und zwar nicht nur einzelne Sätze, sondern das gesamte Werk! Auch das ist nur selten zu erleben.

Dabei muss der Klavierwettbewerb mit kleinstem Etat klarkommen. In der Jury sind europäische Spitzenleute, doch ihre Gage ist minimal. "Sie fragen nicht nach Geld." Sie kommen aus Freundschaft zu Mamriev. Wie der Italiener Vincenzo Balzani, wie Manana Doidjashvili aus Georgien, wie Wladimir Krainev aus der Ukraine oder aus Deutschland Bernd Goetzke. Eine gute Freundin ist ihm die argentinische Starpianistin Martha Argerich. Sein Weltrang als Klaviervirtuose und die menschliche Wärme des großen Romantikers am Piano ziehen sie an.

Die Teilnehmer reisen auf eigene Kosten an. "Es wäre aber schon schön, wenn wir noch einige Privatleute oder Firmen als Unterstützer gewönnen", sagt der Künstler. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Der Verein der Freunde jüdischer Kunst und Kultur Hannover, die Stadt Wernigerode, der Pianohersteller Schimmel in Braunschweig, der Henle-Musikverlag in München, die Alink-Argerich Stiftung und zwei namhafte Getränkehersteller in Blankenburg und Wernigerode sind einige der Förderer des Wettbewerbs.

Vom Wernigeröder Rathaus verzaubert

Warum eigentlich ging Mamriev mit seinen "Neuen Sternen" nicht nach Bremen, Hannover oder Leipzig, sondern ausgerechnet in die "Bunte Kleinstadt", zumal die ausländischen Teilnehmer noch nie etwas von einem solchen Ort Wernigerode gehört hatten? "Wernigerode ist Heimat. Es erinnert mich an meine Geburtsstadt in Dagestan. Wir haben gute Partner hier. In der Stadtverwaltung, bei Menschen wie dem Ehepaar Toppel, in Christian Fitzner, in Peter Gaffert." Und dann erzählt er, wie er mit Teilnehmern des ersten Wettbewerbs vor einem Jahr durch die Stadt ging, sie an der Ecke vor dem Marktplatz die Augen schließen und erst nach ein paar Schritten wieder öffnen ließ. Sie erblickten die Pracht des mittelalterlichen Rathauses und waren verzaubert! "Und sie verstanden mit dem Herzen, warum die Wahl auf Wernigerode gefallen war." Den Ort der Vielfalt ...