Nach 20 Jahren Dienstzeit öffentlich von der Gestapo abgeführt - dieses Schicksal ereilte den damaligen Direktor der Mädchenschule " Fürstin Anna " in Wernigerode - Dr. Paul Regensburger. 1933 musste er wegen seiner jüdischen Wurzeln die Schule verlassen. In der Aula des Landesgymnasiums für Musik wurde ihm zu Ehren eine Gedenkfeier veranstaltet.

Wernigerode. Während des ersten Weltkrieges diente der 1877 geborene Paul Regensburger noch auf deutscher Seite. Zur Machtergreifung Hitlers 1933, durfte er wegen seiner jüdischen Wurzeln nicht einmal mehr seinen Beruf als Schuldirektor an der Mädchenschule " Fürstin Anna ", dem heutigen Landesgymnasium für Musik, in Wernigerode ausüben. 20 Jahre unterrichtete er dort unter anderem Mathematik, bis die Gestapo ihn öffentlich vor den Augen seiner Schüler über den Hof abführte. In der Zeit danach wurde er regelmäßig zu Verhören abgeholt und gefoltert, woran er schließlich zerbrach und 1942 starb.

Um des Wernigeröders zu gedenken, fanden sich am Montagmorgen die Schüler der Klassenstufen 9 bis 12 in der Aula des Landesgymnasiums für Musik ein. Die Erinnerungsfeier wurde von der Stadträtin Renate Goetz und dem Geschichtslehrer Ralf Czubatinsky initiiert. Als Ehrengäste wurden ein Enkel des ehemaligen Schulkdirektors, Helmut Regensburger, und eine damalige Schülerin, Regina Winkelmann, als Zeitzeugin eingeladen.

" Ich bin sehr bewegt, dass sie alle heute meines Großvaters gedenken ", beginnt Helmut Regensburger seine Rede. Er selbst habe ihn kaum kennengelernt, da er noch zu jung gewesen sei. Aus den Erzählungen seiner Verwandten habe er jedoch viel erfahren. " Als meine Cousine mir alte Reden meines Großvaters zum Lesen gab, war ich begeistert, wieviel Wärme und Freundlichkeit darin lagen. " Auch das Engagement Paul Regensburgers für sozial Schwache sei außerordentlich gewesen. Unter anderem habe dieser weniger Schulgeld und kostenlose Kindergartenplätze für Mittellose gefordert.

" Er war ein sehr strenger, aber guter Mathe-Lehrer ", erinnert sich Regina Winkelmann an ihre Schulzeit. Sie habe schon so viel erlebt und auch schon vieles vergessen, aber eines werde ihr immer in Erinnerung bleiben, " wie die Gestapo Herrn Regensburger an uns vorbei vom Schulgelände geführt hat. "

Die Schilderungen der beiden Besucher sorgten für Neugier unter den Schülern, und so stellten diese am Ende noch eine ganze Menge Fragen.

Danach enthüllten Ralf Czubatynski und Helmut Regensburger im Geografieraum ein Gemälde mit Dr. Paul Regensburger und den wichtigsten Eckdaten seines Lebens darauf. " Das Bild spiegelt einen wichtigen Teil der Historie der Bildungsstätte wider ", so der Geschichtslehrer.