Wernigerode und die umliegenden Dörfer können mit leistungsstarkem Internet versorgt werden. Möglich auch deshalb, weil der historische Bergfried des Wernigeröder Schlosses als moderner Funkturm ausgerüstet worden ist.

Wernigerode l Verwundert haben dieser Tage einige Wernigeröder auf unerwarteten Besuch reagiert. Zwei Teams zu je zwei Mitarbeitern, sie erklärten im Auftrag der Deutschen Telekom zu handeln, wollten von den verdutzten Harzern wissen, wie sehr sie mit ihrer Internetversorgung zufrieden seien.

Dieses Interesse des Bonner Konzerns kommt nicht von ungefähr. In Wernigerode kann nämlich unabhängig von der Telekom Internet mit einer Bandbreite von mindestens zwei MegaBit empfangen werden. Die heimische Firma Heuer und Sack hatte nach einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten, die Stadt und ihre Dörfer mit heute zeitgemäßem Internet zu versorgen. Wie Andreas Sack gestern im Volksstimme-Gespräch informierte, sind die technischen Vorbereitungen dafür abgeschlossen. Mitarbeiter des Harzer Breitband-Zentrums haben an verschiedenen Stellen gemessen, mit welcher Geschwindigkeit ab sofort das Internet genutzt werden könne. Tests, so Sack, habe es auch bei einzelnen Kunden gegeben.

Mit welchem Ergebnis? "Wir liegen mit unserer Versorgung weit über der geforderten Bandbreite von zwei MegaBit", berichtete der Projektverantwortliche. Oft seien Datenraten von mindestens acht MegaBit nutzbar, an vielen Stellen sogar die doppelte.

Dabei musste das Funknetz-Konzept der Wernigeröder Firma wegen technischer Probleme eines Herstellers im Sommer noch einmal überarbeitet werden. Plötzlich bot sich laut Andreas Sack die Möglichkeit, den höchsten Turm des Wernigeröder Schlosses nutzen zu können. Ursprünglich sollte von einem Turm in der Hornstraße das Internet-angebot gesendet werden. "Der Bergfried ist für unsere Ansprüche natürlich weitaus geeigneter. Von dort können wir sehr viele Bereiche Wernigerodes und der umliegenden Orte versorgen", erklärte Sack. Allerdings galt es zunächst, Schlossherrn Christian Juranek, die Verantwortlichen in der Wernigeröder Stadtverwaltung und von der Schlossstiftung zu überzeugen - erfolgreich. Und nicht zuletzt gaben auch die Denkmalschützer grünes Licht.

Das war die Voraussetzung dafür, um unter dem Turmdach die fünf Antennen überhaupt installieren zu können. Wie Sack berichtete, empfange eine Antenne per Richtfunk das Internetsignal, während die vier anderen diese "über die Fläche verteilt an die Kunden weitergeben".

Damit die Antennen ihre Informationen abstrahlen können, musste an vier Stellen die "Schiefermütze" des historischen Bergfrieds etwas gelüftet werden. Die je rund 2,4 Quadratmeter großen Öffnungen werden jetzt von glasfaserverstärkten Kunststoffplatten verschlossen, die dem Schiefer täuschend ähnlich sehen.

Sack: "Für alle Wernigeröder mit Schlossblick ist nach der Montage einer kleinen Antenne jetzt schnelles Internet-Surfen möglich." Seine Firma nutzt zum Versenden der Internetsignale auch Antennenmaste an der Jugendherberge in Hasserode, im Gemeindezentrum "Arche" und den firmeneigenen Funkmast am Lönsweg. Zum Wernigeröder Internet-Projekt gehören außerdem Antennen in Benzingerode, Silstedt und Reddeber sowie dem jüngst errichteten in Minsleben.

Wie Sack betonte, wurden damit mehr als die ursprünglich vorgesehenen Funkmasten-Standorte erbaut, ohne zusätzliche Fördergelder zu beanspruchen.

Inzwischen nutzten 250 Wernigeröder das gefunkte Internet, und die Schar der Interessenten daran wachse stetig. Darum erklärte der Projektverantwortliche, künftige Kunden müssten sich noch etwas gedulden. "Auch wir können nicht alle auf einmal anschließen."