Wolmirstedt l Eine Uferpromenade, die zum Spazieren einlädt, ist der Jungfernstieg in Wolmirstedt. Direkt an der Ohre gelegen, konnte keinem entgehen, wie reizvoll dieser sonnenvolle Weg ist. Das glaubt auch der Wolmirstedter Otto Zeitke, der ein Kapitel seines Buches "Straßengesichter meiner Stadt" dem Jungfernstieg gewidmet hat.

Im siebten Teil der Serie "Wolmirstedter Straßennamen" wird ein Blick auf die Entstehung dieser Promenade geworfen. Wer hier sein Häuschen gebaut hat, hat einen unvergleichbaren Ausblick auf den Fluss direkt vor der Tür und dem Land dahinter. Einmal aus dem Fenster geschaut, sieht man viele Spaziergänger, die diesen Weg gerne nutzen, um ein paar Sonnenstrahlen einzufangen.

Im Jahr 1824 fand sich in den Akten des Magistrats ein Hinweis zum Jungfernstieg: In diesem Jahr wurde die Promenade angelegt, indem ein Wall von "80 Schritt Länge" aufgeworfen wurde, neben der Ohre und den unterhalb des Schlossamtes liegenden Gärten. 1825 wurde die Promenade mit Pappeln bepflanzt, die es in der heutigen Zeit schon gar nicht mehr gibt. Zeitke glaubt, es sei nicht auszuschließen, dass die Stadt Wolmirstedt die Promenade anlegte, um sein Image aufzubessern, nachdem sie 1816 Kreisstadt geworden war. Aus diesem Grund wurde auch 1821 ein neues Landratsamt gebaut.

Kann es vielleicht sogar sein, dass noch vor dieser Zeit auch einstige Schlossherren den Reiz des Flusses erkannten? Und entlang der Ohre spazierten, immer neben dem sich aufragenden Schloss Wolmirstedt? Der heutige Jungfernstieg wird schon damals von Bedeutung gewesen sein, als direkte Verbindung zum schiffbaren Fluss unweit von der Burg entfernt. Otto Zeitke geht sogar soweit, zu sagen, dass es einen kleinen Hafen am Jungfernstieg gegeben haben könnte.

Einen Jungfernstieg findet man in so manchem deutschen Städtchen. Der bekannteste unter ihnen ist wohl der Hamburger Jungfernstieg, der auch zum Promenieren und Einkaufen an der Binnenalster, einem Nebenfluss der Elbe, geeignet ist. Seine Bekanntheit hat dieser Jungfernstieg erlangt, da er 1838 die erste asphaltierte Straße Deutschlands war. Allerdings ist der Wolmirstedter Jungfernstieg ein weitaus romantischeres Stück Weg. Den Namen haben die Jungfernstiege Deutschlands aus dem gleichen Grund: Da man so schön auf diesen Promenaden spazieren kann, entwickelte sich ein bürgerlicher Brauch. Familien führten hier an Sonntagen ihre unverheirateten Töchter, also Jungfern, entlang, um sie zu zeigen und vielleicht sogar einen passenden Partner und Ehemann zu finden. In romantischer Atmosphäre des Wolmirstedter Jungfernstieges sollte das kein Problem gewesen sein.

Heute wird er wieder als Ohre-Ufer-Promenade genutzt, auf der häufig Mütter mit ihren Kinderwagen zu sehen sind.