Heike Thieme gewährt am 9. März den Besuchern einen Blick in das Bar- leber Gemeindearchiv. Mehr als 3600 sogenannte Verzeichniseinheiten aus der jüngeren Vergangenheit sind hier unter- gebracht. Zu sehen ist auch das älteste erhaltene Buch aus dem Jahr 1654 - ein "Gemeinebuch".

Barleben l Staubtrocken in den vier Wänden, in den Regalen auch und der Arbeitsalltag im schummrigen Licht ohnehin. Ärmelschoner, ein Federkiel in der Hand, dicke Nickel- brille auf der Nase, leicht gebeugter Rücken und ab und an ein Besucher, der sich verläuft. So oder ähnlich stellt sich der Unbedarfte ein Archiv vor. Aber weit gefehlt.

Genau aus diesem Grund werden bereits zum siebten Mal in Deutschland Hunderte Archive dem Aufruf des Dachverbandes folgen und zum "Tag der Archive" in ihre Häuser einladen.

Erstmals beteiligt sich auch die Gemeinde Barleben und lädt für den 9. März zum Tag der offenen Tür ein. Von 10 bis 12 Uhr stellen sich das Gemeindearchiv und der Heimatverein vor. Gäste erfahren Informatives über die Einrichtung und die Barleber Geschichte, erhalten Einblicke in verschiedene alte Bestände und lernen auch die Arbeit eines Archivs kennen.

"Es sollen an diesem Tag mit dem Besuch Schwellenängste überwunden und gleichzeitig auch tiefere Einblicke in das vielfältige Berufsbild der Archivare als ,Detektive der Geschichte` gewährt werden", erläutert Gastgeberin und Archivarin Heike Thieme.

Mit von der Partie sind an diesem Vormittag die Mitglieder des Barleber Heimatvereins, die sich besonders gut in der mittlerweile 952-jährigen Geschichte der Ortschaft auskennen.

Wie Heike Thieme erklärt, gibt es zwar auch im Barleben Archiv historische Dokumente, "doch die Grundarchivierung, wir sprechen dabei von 3600 Verzeichniseinheiten, stammt aus der jüngsten Vergangenheit." Dennoch wird sie den Besuchern einen Blick in die Geschichte gewähren.

Am 9. März besteht die seltene Gelegenheit, das "Gemeinebuch" in Augenschein zu nehmen. Die alte Kladde spiegelt auf 200 handgeschriebenen Seiten beginnend mit dem Jahr 1654 den Weg Barleber Bauernschaft wider.

Wer Fotos oder ähnliche Bilddokumente im Gemeindearchiv erwartet, wird enttäuscht sein. Darum hofft Archivarin Heike Thieme nicht nur auf zahlreiche Besucher, sondern auch auf "Fund- stücke". Die Leiterin, die eine digitale Bildstrecke über die Geschichte und Entwicklung Barlebens aufbauen möchte, hat eine Bitte: "Wer alte Fotos - vor 1960 - aus dem Leben der Gemeinde besitzt, soll wissen: Im Archiv sind sie für nachkommende Generationen bestens aufgehoben."

Die Diplom-Bibliothekarin, die in Magdeburger Bibliotheken und Archiven tätig war, fiebert dem Tag der offenen Tür entgegen, nicht zuletzt, weil sie gespannt ist, mit welchen Erwartungen die Einwohner kommen.