Einer der rund 75 Ostermärsche Deutschlands wird durch Wolmirstedt führen. Er geht zusammen mit dem 250. Friedensweg der Bürgerinitiative "Offene Heide". Auf der Schlossdomäne gibt es eine Kundgebung sowie ein Unterhaltungsprogramm.

Wolmirstedt l "Ziehe niemals in den Krieg!" heißt das Motto des Ostermarsches, der am Ostermontag durch Wolmirstedt führt. Dazu laden die Mitglieder der Bürgerinitiative "Offene Heide" ein. Sie verbinden diesen Marsch mit ihrem 250. Friedensweg.

Die Bürgerinitiative gibt es seit 20 Jahren und kämpft seither mit allmonatlichen Friedenswegen für die friedliche Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide. "Fast alle Soldaten, die im dortigen Gefechtsübungszentrum ausgebildet werden, gehen anschließend in den Auslandseinsatz", sagt Bernd Luge von der Bürgerinitiative. Das Motto "Ziehe niemals in den Krieg" soll auf diesen Umstand aufmerksam machen und gleichzeitig an den Beginn des ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnern. "Durch die Ereignisse in der Ukraine hat unser Motto noch eine besondere aktuelle Bedeutung bekommen", sagt Bernd Luge, "ich hoffe dass sich viele Wolmirstedter in den Zug einreihen und die Aktionen auf der Schlossdomäne besuchen.

Neben den Bürgern aus der Region erwartet die Bürgerinitiative am Montag rund 300 Teilnehmer aus ganz Deutschland. "Erfahrungsgemäß beteiligen sich Mitglieder von Kirchenkreisen, Angehörige des linken Spektrums, des Friedenskreises Halle sowie Bewohner des Wendlandes", sagt Bernd Luge. Einige kommen innerhalb eines Auto- oder Fahrradcorsos von Magdeburg.

Verkehrsbeeinträchtigungen in der Innenstadt

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) begrüßt die Besucher um 11.30 Uhr auf der Schlossdomäne. Superintendent Uwe Jauch gibt Segensworte mit auf den Weg. Dann startet der Ostermarsch durch Wolmirstedt. "Während des Marsches und der Ankunft von Auto- und Fahrradcorso ist mit Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen", sagt Polizeioberkommissar René Klimek.

Der Ostermarsch endet auf der Schlossdomäne am "Markt der Möglichkeiten". Dort präsentieren sich Lehmofenbauer, Holzspielzeughersteller, Hollerhofmitarbeiter und Vereine, die das Leben am Fluss nahe bringen. "Mitmachaktionen, vor allem für Kinder, sind geplant", sagt Bernd Luge. Auf die Jüngsten wartet außerdem ab 13.30 Uhr der Circus Knopf und das Gauklertheater "Baldovino, der Wolkenfänger". Der politische Liedermacher Klaus von Wrochem alias "Klaus der Geiger" gibt ab 14 Uhr ein Konzert. Der Kölner bezeichnet sich selbst als Straßenmusiker. "Ich singe seit 40 Jahren gegen Krieg und Atomkraft", sagt er auf Volksstimme-Nachfrage. Das Programm moderiert Kabarettist Lars Johansen.

Die Kundgebung beginnt um 14.30 Uhr. Gudrun Tiedge, Landtagsabgeordnete der Linken, wird sprechen. Weiterhin werden Mitglieder der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" ihre Geschichte erzählen. "Das sind Flüchtlinge, die es geschafft haben, in einer Hamburger Kirche Asyl zu finden", erklärt Bernd Luge. Er verweist weiterhin auf die ergreifende Rede einer Wendländerin, die zur Aktion "Zugabe" gehört. "Zugabe" hat sich den zivilen Ungehorsam auf die Fahnen geschrieben, sei es durch Sitzblockaden vor dem Castortransport oder bei der zivilen Erkundung von Militäranlagen.

Den Schlusspunkt der gemeinsamen Aktion von Friedensweg und Ostermarsch setzt der Nachwuchs des OK-Live-Ensembles Barleben-Wolmirstedt mit seiner Show. "Wir legen Wert darauf, gerade den Jüngsten des Ensembles eine Bühne zu geben", sagt Mitorganisator und Linken-Stadtrat Detlef Horstmann.

Die ersten Ostermärsche wurden in den 50er Jahren von britischen Atomwaffengegnern organisiert. Rund zehn Jahre später schwappte die Bewegung in die Bundesrepublik über. Höhepunkt war zu Beginn der 80er Jahre der Widerstand gegen die Neutronenbombe und die im Nato-Doppelbeschluss festgesetzte Aufrüstung mit Mittelstreckenraketen.