Seit zehn Jahren stehen Verkehrshelfer auf der Kreuzung zwischen Geschwister-Scholl-Straße und Schwimmbadstraße. Dieses Jubiläum muss gefeiert werden. Am Donnerstag, 11. September, ist es soweit.

Wolmirstedt l Dieter Frinken kann getrost als "Vater" der Verkehrshelfer bezeichnet werden. Als die Ampel an der Kreuzung abgebaut wurde, ergriff der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht die Initiative. Frinken wollte sichergehen, dass Schüler der Leibniz-Schule, der Gutenberg-Schule und des Gymnasiums sicher die Straße passieren können. Bis heute hat es keinen Unfall gegeben.

Am 2. August 2004 stand Dieter Frinken das erste Mal mit Schülern an der Kreuzung. Damals war auch Thomas Webel (CDU) dabei, der als Landrat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hatte. Inzwischen ist er Verkehrsminister, immer noch Schirmherr und wird auf alle Fälle bei der Geburtstagsfeier dabeisein, ebenso Innenminister Holger Stahlknecht (CDU).

Festort ist der Verkehrsgarten in der Samsweger Straße. Ab 14 Uhr werden die Gäste begrüßt. "Dieses Fest steht jedem offen", lädt Dieter Frinken die Bevölkerung ein. Es wird nicht nur nette Worte geben, sondern auch die Möglichkeit, Gefahren im Überschlagssimulator, Gurtschlitten, Motorradsimulator oder beim Reaktionstest besser einschätzen zu können. Außerdem werden bewährte Kraftfahrer ausgezeichnet. Dieter Frinken hofft, dass viele der ehemaligen Verkehrshelfer den Weg zum Jubiläumsfest finden.

Dieter Frinken hat mit zwölf Schülern begonnen. Als Lehrer der Leibniz-Schule fiel es ihm leicht, Interessierte zu finden. Die findet er immer noch, auch wenn er den aktiven Schuldienst verlassen hat und nun Rentner ist. Zurzeit arbeitet er mit 19 Schülern, einige davon besuchen die Gutenberg-Schule.

Fünf Theorieeinheiten und eine praktische Prüfung müssen Verkehrshelfer absolvieren, bevor sie Andere beim Überqueren der Straße unterstützen dürfen. Sie lernen das Straßenverkehrsrecht und müssen Geschwindigkeiten von Fahrzeugen einschätzen können. Ab 13 Jahren dürften sie allein an der Kreuzung stehen, aber das will Dieter Frinken nicht. Jeden Morgen fährt er seine Runde von Farsleben über Mose nach Glindenberg und sammelt die diensthabenden Verkehrshelfer ein. Das hat er als Lehrer getan und das macht er als Rentner noch immer.

Die Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße hat es in sich. Dort fährt nicht nur der Berufsverkehr, auch die großen Busse, die die Schüler aus den Dörfern nach Wolmirstedt bringen, biegen zu dieser Zeit im Minutentakt in die Schwimmbadstraße ein und wieder heraus.

Immer dann, wenn sich Schüler und hilfsbedürftige Personen am Straßenrand eingefunden haben, sperren die vier anwesenden Verkehrshelfer die Straße. Autofahrer haben sich längst an die Wartezeiten gewöhnt. Kaum jemand grummelt. Im Gegenteil. "Mir hat gerade jemand gesagt, dass es nach sechs Wochen Ferien Zeit wird, dass wir wieder dort stehen", erzählt Dieter Frinken, "er meinte, wir gehören zum Stadtbild."

Andere drücken ihre Wertschätzung sogar durch kleine Geschenke aus. "Gerade in der Weihnachtszeit wird öfter mal eine Autoscheibe heruntergekurbelt und ein Beutel mit Süßigkeiten herausgereicht", sagt Frinken, "besonders von den Busfahrern."

In Sachsen-Anhalt gibt es rund 70 Schüler, die als Verkehrshelfer arbeiten, bundesweit sind es rund 42000. Seit 1953 gibt es diese Initiativen. Verkehrshelfer messen sich auch regelmäßig in Wettbewerben. 2011 wurde Nico Knackmuß aus Wolmirstedt Bundessieger. Inzwischen hat er die Schule verlassen und lässt sich zum Polizisten ausbilden. Im vergangenen Jahr errang Aaron Schumann den dritten Platz im Bundeswettbewerb, Lars Reichardt wurde 2012 und 2013 Landessieger. Die Landesmeisterschaften werden seit 2009 in Wolmirstedt ausgetragen.

Verkehrshelfer stehen nicht nur an besagter Kreuzung, sondern auch an der Diesterweg-Schule. Dorthin schickt Dieter Frinken zwei seiner Helfer allein. "Durch Funkgeräte sind wir ständig miteinander verbunden."

Die Verkehrshelfer sichern auch Feste mit ab, beispielsweise den Sachsen-Anhalt-Tag in Gardelgen oder das Haldensleber Altstadtfest. Da sind dann oft diejenigen im Einsatz, die die Schule und sogar Wolmirstedt längst verlassen haben, aber am Wochenende immer noch gerne mitarbeiten. Zu diesem Pool gehören weitere 15 Jungen und Mädchen. Das Engagement hat sich sogar bis zum Ministerpräsidenten herumgesprochen. Rainer Haseloff hatte die Truppe 2013 eingeladen.

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