Wolmirstedt l In der Aula des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums war es mucksmäuschenstill. Fast zwei Stunden lang erzählte die argentinische Professorin Erika Rosenberg aus dem Leben der Emilie Schindler. Die 63-jährige Argentinierin hat die 2001 verstorbene Ehefrau Oskar Schindlers gekannt. "Sie war wie meine beste Freundin und auch ein wenig wie meine Großmutter. Und seit 24 Jahren treibt es mich um, die Geschichte dieser Frau zu erzählen."

Die Veranstaltung war von Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) initiiert worden. "Ich habe durch einen Freund von Erika Rosenberg gehört", sagte er, "und wollte gerne, dass junge Menschen erfahren, was sie zu erzählen weiß." Dass ausgerechnet die jungen Menschen des Wolmirstedter Gymnasiums Erika Rosenberg erleben durften, sei laut Stahlknecht seiner Verbundenheit mit Wolmirstedt geschuldet. "Und deshalb", sagt der Minister, "weil diese Schule den Titel `Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage` trägt."

Stahlknecht betont, ihm liege die Aufarbeitung der Nazi- vergangenheit am Herzen. "Es ist nach wie vor unbegreiflich, wie das damals passieren konnte", sagt er, "und es darf nie wieder passieren."

Die Schüler setzten nach Erika Rosenbergs Erzählungen schnell den Bezug zum Heute. "Wir kommt es, Herr Stahlknecht, dass Sie als Innenminister einerseits eine solche Veranstaltung organisieren und andererseits marschieren Nazis durch Magdeburg", wollte ein Schüler wissen. Holger Stahlknecht stimmte dem Schüler in seinem Unmut über die Aufmärsche zu, sprach über die eine Million Euro, die so ein Demonstrationstag kostet. "Wir haben die Demonstrationen schon verboten, aber die Gerichte heben die Verbote wieder auf. An die Urteile müssen wir uns halten."

Eine Schülerin wollte wissen, was Erika Rosenberg tun würde, sollte sie einem Rechtsradikalen begegnen. Die argentinische Professorin gab den Ball an die Gymnasiasten zurück. "Demokratie und Freiheit sind das Kostbarste, was ein Land haben kann. Deutschland ist in dieser Beziehung ein Paradies. Passt auf, dass es immer so weiter geht."

Erika Rosenberg hat Emilie Schindler in Argentinien kennengelernt, wo beide nach dem Krieg lebten. So erfuhr sie, dass Emilie Schindler während der Nazizeit für rund 1200 Juden gesorgt, Essen und Medikamente beschafft hatte. Die Juden hatte ihr Ehemann Oskar in seiner Krakauer Emaillefabrik beschäftigt und damit vor dem sicheren Tod bewahrt. Die Geschichte wurde von Steven Spielberg unter dem Titel "Schindlers Liste" verfilmt. "Emilie Schindler kommt im Film vielleicht dreimal vor", sagt Erika Rosenberg, "in der Öffentlichkeit blieb sie in Schindlers Schatten." So heißt auch das Buch, in dem Erika Rosenberg die Leistungen ihrer Freundin für die Nachwelt aufgearbeitet hat.

"Überlebende haben sie bei der Vorstellung des Filmprojektes in Israel erkannt und sich herzlich bedankt", hat Erika Rosenberg erlebt, "nur Steven Spielberg blieb in zehn Meter Entfernung stehen."