Wolmirstedt l Der Weg hinauf zur bronzenen Glocke der katholischen St.-Josefkirche führt über Leitern. Der Dachstuhl ist eng, der Platz für eine schwingende Glocke begrenzt. "Wir möchten trotzdem gern eine größere Glocke haben", sagt Kirchenortsrat Jürgen Wolniczak. Sie soll voller klingen als die jetzige, weithin zu hören sein. Ein passende wurde jetzt in Stendal gefunden.

Glockenbauer Rolf Klietz und Sohn Ralph haben am Sonnabend die alte Glocke vom Turm geholt. Mit einer Leine wurde sie heruntergelassen, verladen und in die Werkstatt im altmärkischen Berkau gebracht. "Wir werden sie aufbereiten, abbürsten", sagt Rolf Klietz, "sodass die Umschrift wieder erkennbar ist."

Die St.-Josef-Glocke soll aus den 30er Jahren stammen und damit birgt sie für Rolf Klietz ein Geheimnis. "Damals hatten die Nazis das Glockengießen eigentlich verboten", weiß der Glockenbauer. Woher sie stammt, soll nach dem Säubern die Umschrift verraten. Die Glocke hängt seit 1936 im Turm, bis 1992 wurde sie per Hand mit einem Seil geläutet. Erst danach wurde ein elektrisches Läutwerk eingebaut.

Die neue Glocke ist eigentlich gar nicht neu. Sie stammt aus der katholischen Kirche in Goldbeck. Die ist stillgelegt worden, deren bronzene Glocken ausgemustert und in der St. Annenkirche in Stendal gelagert. Die Kleinere soll künftig in Wolmirstedt läuten. "Die größere passt nicht in unseren Glockenturm", sagt Jürgen Wolniczak, "der Dachreiter ist zu eng." Die Kleinere misst mit rund 43 Zentimetern elf Zentimeter mehr im Durchmesser, als die Wolmirstedter und ist mit rund 45 Kilogramm 15 Kilogramm schwerer.

Bevor sie in den Wolmirstedter St.-Josefs-Turm gehängt wird, erneuert Rolf Klietz den Klöppel und das Joch. Das Joch ist der Holzbalken, an dem die Glocke oben im Turm befestigt wird, mit dem sie beim Läuten bewegt wird. "Wir werden dafür Bongossiholz benutzen", sagt Rolf Klietz. Das ist ein besonders haltbares Tropenholz.

"Die Anpassung der Glocke an den Wolmirstedter Turm erfolgt in Handarbeit", erklärt der Glockenbauer. Alles muss passen, die Proportionen müssen stimmen, Glocke und Läutetechnik miteinander harmonieren. "Die Glocke ist die Stimme der Kirche", sagt Rolf Klietz, "ihr Klang berührt nicht nur die Ohren, sondern auch die Seele."

Anfang März sollen die Arbeiten fertig sein. Bevor die neue Glocke in den Kirchturm gehängt wird, wird sie geweiht. Die alte Glocke kehrt ebenfalls wieder nach Wolmirstedt zurück. Sie wird im Kirchenraum für jedermann sichtbar aufbewahrt. Für den neuen Klöppel, das Joch, die Anpassung der neuen Glocke an die St.-Josefs-Kirche werden rund 7700 Euro benötigt. Davon muss die St.-Josefs-Gemeinde rund 2000 Euro aufbringen. Den Rest finanziert die übergeordnete Pfarrei St. Christopherus Haldensleben.

Unter "Glocke WMS" können Bürger auf das Konto von St. Christopherus Haldensleben unter IBAN E24810550003080000934 und BIC NOLADE21HDL spenden.