Kinder sollen in Kitas noch besser betreut werden. Aber die neuen Qualitätsstandards kosten Geld. Die Stadt Wolmirstedt muss deshalb mehr an die freien Träger von Kitas überweisen, derzeit wird mit zusätzlichen 800000 Euro jährlich gerechnet. Das ist einer der Faktoren für das 1,9-Millionen-Loch im Stadthaushalt.

Wolmirstedt l Mandy Blume arbeitet in der Entengruppe der Kita "Pusteblume". Dort werden Kinder unter drei Jahren betreut. Nach dem jetzigen Betreuungsschlüssel kümmert sie sich um etwa sechs Kinder. Ab dem 1. August muss sie ihre Fürsorge nur noch auf etwa fünf Kinder verteilen. Damit bleibt mehr Zeit für jedes einzelne Kind.

Dass diese Kinderzahlen pro Erzieherin nur Ungefähr-Zahlen sind, ist der Berechnungsgrundlage geschuldet, die den Betreuungsschlüssel nicht nach der Kinderzahl, sondern der aufgewendeten Zeit festsetzt. Die schreibt derzeit im Krippenbereich 0,15 Stunden einer Fachkraft pro Kind vor, ab dem 1. August sollen es 0,18Stunden pro Kind sein. Damit tritt eine weitere Stufe des bereits zum 1. August 2013 eingeführten Kinderförderungsgesetzes (Kifög) in Kraft.

Auch die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung der Kinder ist in der nächsten Stufe des neuen Kinderförderungsgesetz festgeschrieben. Grundlage ist das Programm "Bildung elementar". Spielmaterial soll Kinder zum Experimentieren und Ausprobieren anregen und die Eigenaktivität fördern. Naturmaterial wird favorisiert. Weiterhin soll das Personal noch stärker qualifiziert werden.

Das alles kostet mehr Geld als bisher, vor allem steigen durch den neuen Betreuungsschlüssel die Personalkosten. In der Stadt Wolmirstedt wird damit gerechnet, dass 800000Euro zusätzlich an die freien Träger überwiesen werden müssen. Das ist einer der drei Hauptgründe für das 1,9-Millionen-Haushaltsloch. Die beiden anderen sind die steigende Kreisumlage und die verminderten Landeszuweisungen.

Noch sind die 800000 Euro allerdings eine geschätzte Zahl. Die Verhandlungen über die finanzielle Ausstattung der Kitas sollen erst im April geführt werden und bei diesen Verhandlungen ist die Stadt außen vor. Allein der Landkreis und die freien Träger sitzen am Tisch. Die Stadt darf ihr Einvernehmen geben oder versagen. Auf jeden Fall muss sie das Defizit zahlen, das zwischen den Zuweisungen von Land und Landkreis und Elternbeiträgen entsteht. Ob dieses Defizit die erwarteten 800000 Euro sind, mehr oder weniger, werden die Verhandlungen zeigen. Für das ehrgeizige Ziel der Stadt Wolmirstedt, demnächst einen Haushalt samt Konsolidierungskonzept aufzustellen, ist diese Unsicherheit Gift.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn, die mit diesem Problem vertraut ist, ärgert noch etwas anderes. Sie bemängelt vor allem das Prinzip, dass am Ende eines Haushaltszeitraums nicht mehr nach den tatsächlich entstandenen Zahlen zwischen Stadt und Trägern verrechnet wird. Das kann für die Stadt oder die freien Träger böse Folgen haben.

Ein Beispiel: Der freie Träger meldet einen Finanzbedarf für 100 Kinder an. Dafür muss die Stadt zahlen. Tatsächlich kommen aber nur 80 Kinder in die Kita. Nach dem bisherigen Modell hätte die Stadt das zuviel gezahlte Geld für die nicht erschienenen 20 Kinder zurückbekommen. Nach dem neuen Modell geschieht das nicht mehr. Kommen andererseits statt der angenommenen 100 Kinder gar 120, so muss der freie Träger die zusätzlichen Kosten übernehmen. "Ich würde lieber weiter die tatsächlich angefallenen Kosten verrechnen", sagt Marlies Cassuhn.

Ob und wie sich die ab August geforderten höheren Standards und das Wolmirstedter Finanzloch auf die Elternbeiträge auswirken, ist ebenfalls unklar. Die Stadt ist verpflichtet, mindestens 50 Prozent der Kosten zu übernehmen, die ein Kitaplatz abzüglich der Landes- und Landkreiszuweisungen kostet. Als das neue Kifög 2013 in Kraft trat, wurde errechnet, dass für einen Krippenplatz rund 800 Euro im Monat gebraucht werden. 200 Euro werden durch Zuweisungen von Land und Landkreis gedeckt. Die verbliebenen 600 Euro können sich Eltern und Kommunen zur Hälfte teilen. Aufgrund eines Stadtratsbeschlusses müssen Eltern aber statt 300 Euro nur 209 Euro für den Krippenplatz zahlen. Die Stadt übernimmt statt der geforderten 50 also sogar 65 Prozent, die Eltern 35 Prozent.

Im Kindergartenbereich ist das anders. Dort werden Eltern mit 50 Prozent zur Kasse gebeten. Dort kostet ein Platz 420Euro, nach Abzug der Landeszuweisungen bleiben 265Euro. Eltern bezahlen 130Euro.

Trotz der zu erwartenden höheren Kosten wurde eine Veränderung von Elternbeiträgen im Stadtrat noch nicht thematisiert.