Während die Johannes-Gutenberg-Schule aus allen Nähten platzt, steht das Gebäude der Harnisch-Schule leer. Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht, muss aber her.

Wolmirstedt l Die Gutenberg-Grundschule braucht Platz, um ihr pädagogisches Konzept umzusetzen. Die Gutenberg-Gemeinschaftsschule kämpft ebenfalls mit Raumnot. In der Gemeinschaftsschule lernen Schüler ab der fünften Klasse und können alle Abschlüsse bis zum Abitur erwerben. Der Zulauf ist groß.

Noch sind beide Schulformen, Grundschule und Gemeinschaftsschule, in einem Haus untergebracht und darin wird es eng. Das Haus gehört der Stadt, trotzdem wollte und sollte die städtische Grundschule in das leerstehende Gebäude der ehemaligen Harnisch-Förderschule einziehen, das dem Landkreis gehört. Aber das scheint zu dauern. Helmut Thiel, dem Leiter der Gemeinschaftsschule, fehlt die Geduld. Er sagt: "Dann ziehen wir eben dort ein."

Das wäre verwaltungstechnisch logisch, weil damit die vom Landkreis getragene Gemeinschaftsschule im landkreiseigenen Gebäude der ehemaligen Harnisch-Schule unterkommen würde.

Doch dieser Umzug hätte herbe Konsequenzen. Schließlich sind in der ehemaligen Turnhalle der Gutenberg-Schule gerade erst für rund 3,5Millionen Euro die berufsbildenden Werkstätten entstanden. Es wäre irrsinnig, wenn die Gemeinschaftsschule von diesen Werkstätten weggehen würde, auch wenn die Luftlinie zwischen beiden Schulgebäuden nur wenige hundert Meter beträgt.

Die beste Lösung wäre also, wenn Landkreis und Stadt die Gebäude tauschen würden. Der Landkreis bekommt von der Stadt das Gebäude der Gutenberg-Schule und damit bleibt die Gemeinschaftsschule dort, wo sie jetzt ist. Die Stadt bekommt vom Landkreis die ehemalige Harnisch-Schule und setzt dort ihre Grundschule hinein.

Klingt einfach, ist es aber wohl nicht. Das größere Problem hat der Landkreis, weil "seine" Gemeinschaftsschule im städtischen Gebäude sitzt. Außerdem erfordert ein Gebäudetausch einen finanziellen Ausgleich, weil beide Häuser einen unterschiedlichen Wert haben. Lange Zeit herrschte Stille zwischen Landkreis und Stadt. Inzwischen laufen die Abstimmungen zwischen beiden Verwaltungen wieder.

"Ich rechne nicht damit, dass die Grundschule schon zum neuen Schuljahr in die Harnisch-Schule einziehen kann", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn. Sanierungsarbeiten seien nötig, es gibt sogar Überlegungen, die Harnisch-Schule mit Hilfe von Mitteln aus dem Stark-III-Programm zukunftsfähig herzurichten. Außerdem wollen Stadt und Landkreis für Wolmirstedt ein Schulstandortkonzept erarbeiten. Das soll am 20. Mai im Kultur- und Sozialausschuss des Landkreises thematisiert werden und am 3.Juli auf der Tagesordnung des Kreistages stehen.

Helmut Thiel sieht keinen Spielraum für langfristige Lösungen. Allein im nächsten Schuljahr rechnet er mit bis zu fünf neuen fünften Klassen. "Wir brauchen Platz und ich gehe davon aus, dass das Gebäudeproblem zu Beginn des neuen Schuljahres geregelt ist", sagt Thiel. Es sei schließlich lange bekannt und es gehe lediglich darum, dass sich zwei Verwaltungen einigen müssen.

Doreen Haensch, Leiterin der Grundschule, scheint sich im Gegensatz zu Helmut Thiel mit dem verzögerten Umzug abzufinden. "Dann müssen wir eben unsere Räumlichkeiten innerschulisch effektiver vergeben", sagt sie.

Allerdings hatte auch sie schon vor längerer Zeit vehement mehr Platzbedarf angemeldet. "Unser jahrgangsübergreifendes Lernstraßensystem braucht Raum", sagt Doreen Haensch und spricht von kleineren Lerngruppen und einer anregenden Umgebung, in der Kinder selbstständiges Arbeiten trainieren. Und sie spricht auch von Rückzugsgebieten für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Das alles sei schwer möglich, wenn 24 Kinder in einem Klassenraum sind.

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