Das Ohre-Wehr zwischen Jersleben und Samswegen ist flussaufwärts für Fische unüberwindbar. Dem wollen Master-Studenten der Hochschule Magdeburg-Stendal Abhilfe schaffen. Im Rahmen einer Projektarbeit fertigen sie eine Planung an, um das Wehr ökologisch durchgängig zu gestalten.

Jersleben l Langsam waten drei Studenten am Freitagmorgen zwischen Jersleben und Samswegen durch die Ohre und fangen Fische. Dicht dahinter folgt ihnen Professor Volker Lüderitz. In einer Kiste sammelt er die Tiere vorübergehend. Darunter sind viele Quappen, aber unter anderem auch Plötze, Gründlinge, Güster und Schleie. Nach etwa 200 Metern flussaufwärts, kurz vor dem Ohre-Wehr, steigen die Vier aus dem Wasser. Am Ufer dokumentieren sie gemeinsam mit weiteren Helfern ihren Fang, zählen und vermessen die Fische, bevor sie sie wieder zurück ins Wasser werfen.

Das Ganze ist Teil einer Projektarbeit, die 15 Master-Studenten der Ingenieurökologie mithilfe ihrer Professoren Volker Lüderitz und Bernd Ettmer von der Hochschule Magdeburg-Stendal anfertigen. "Es geht darum, eine Planung zu erstellen, um das Wehr ökologisch durchgängig zu gestalten", erläutert Volker Lüderitz. Fische und Insekten unterhalb des Ohre-Wehrs haben keine Möglichkeit, das Wehr flussaufwärts zu passieren. Die Aufgabe der Studenten sei es nun, die optimale Lösung zu finden, um dies zu ändern, erklärt der Professor für Hydrobiologie und Gewässerökologie.

Eine Variante wäre es, eine Fischtreppe zu bauen. "Dabei werden verschiedene Becken um das Wehr herumgebaut", erläutert Michael Seidel. Durch diese Becken könnten die Fische dann auf die andere Seite gelangen. Eine andere Möglichkeit sieht vor, eine Umgehungsrinne zu bauen. "Das würde sich hier anbieten", sagt der Student, da die Voraussetzungen dafür wegen einer ehemaligen Wassermühle in der Nähe bereits geschaffen seien. Eine dritte Option wäre der Rückbau des Wehres. "Das wäre das Beste für das Gewässer", sagt Michael Seidel.

Nachdem die Studenten den Fischbestand dokumentiert haben, untersuchen sie auch die Morphologie des Flusses sowie die Insekten, die sich in Ufernähe tummeln. Beispielsweise drehen dort Köcherfliegen, Libellen und Käfer ihre Runden. Während die einen die Biologie unter die Lupe nehmen, vermessen andere zusammen mit Bernd Ettmer, Professor für Wasserbau und wasserbauliches Versuchswesen, das Wehr und Teile des Flusses. "Das Bauwerk an sich wird aufgenommen - mit den Pfeilern und durchflossenen Flächen dazwischen - und Querprofile des Flusses ober- und unterhalb des Wehres", erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Franciska Orth.

Ein viertel Jahr lang wollen sich die Studenten nun in ihrer Projektarbeit mit dem Ohre-Wehr beschäftigen, um ökologisch, wasserbaulich und kostenbezogen die beste Lösung zu finden. Das Ergebnis soll schließlich dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft vorgelegt werden.

Im Sommer, wenn weitere Pflanzen und Tiere in der Natur zu finden sind, will das Team die Untersuchung vor Ort noch einmal wiederholen.

 

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