Im Bildungs- und Freizeitzentrum (BFZ) haben sich Schüler im Rahmen eines Miteinandertages mit gelebter Inklusion beschäftigt. Ihren Ergebnisse haben auch Kommunalpolitikern Denkanstöße gegeben.

Wolmirstedt l Wie weit Inklusion im eigenen Denken und im Alltag einer Stadt angekommen ist, haben Schüler aus Sekundarschulen, Förderschulen, der evangelischen Fachschule und dem Gymnasium beim Miteinandertag erprobt. Für den Praxistest benutzten sie einen "Appel und ´n Ei". Diese beiden Nahrungsmittel versuchten sie, in der Wolmirstedter Innenstadt gegen andere Dinge einzutauschen. Das galt als eine Art Mutprobe, weil sie auf fremde Menschen zugehen und sich auf deren Reaktionen einlassen mussten.

In den Gruppen agierten Schüler aller Schulformen gemeinsam, dazu gehörten auch Mädchen und Jungen mit besonderem Förderbedarf. "Manche Schüler haben mit Fremden schlechte Erfahrungen gemacht, weil sie beispielsweise ausgelacht wurden", hat Ida Schmidt von der Fachschule für Sozialpädagogik erfahren, "und es war schön zu erleben, dass sie sich trotzdem getraut haben, Menschen auf der Straße anzusprechen und neue Erfahrungen entgegenzusetzen."

Doch nicht alle Angesprochenen zeigten sich freundlich. "In einigen Läden wurden wir mit bösen Blicken bedacht", erzählt Laura Ann Krause, die ebenfalls an der Fachschule für Sozialpädagogik lernt. Sie war mit der zweiten Gruppe unterwegs und hatte das Gefühl, dass es manche Menschen überfordert hatte, zum zweiten Mal eigenen Besitz gegen "Appel und Ei" einzutauschen.

Dennoch resümierte Renate Kriegel, der Tag habe viel Erfolg gebracht. Die BFZ-Pädagogin hat den Miteinandertag wesentlich organisiert und sieht den Erfolg vor allem darin, "dass Schüler, die sich vorher gar nicht kannten, zusammengefunden haben und am Ende mutig gemeinsam durch die Stadt gegangen sind."

Die Dinge, die sie für Apfel und Ei bekommen haben, versuchten sie weiter zu tauschen und so bekamen sie im Laufe des Tages eine Gardinenstange, einen Blumenstrauß, einen Gummiball, ein Handy und ein Portemonnaie.

Zur Abschlusspräsentation des Miteinandertages waren auch Politiker, Sozialarbeiter, Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes und Lehrer geladen. Ernst Romoser, Schatzmeister der Piraten im Kreisverband Börde, forderte einen Lehrerschlüssel für kleinere Klassen. "Nur dann kann in der Schule direkt inkludiert werden", betonte Parteikollege Thomas Pfeffer.

Franziska Starke ist Schulsozialarbeiterin der Leibniz-schule und sieht die Inklusion an ihrer Schule gut umgesetzt. "Für den gemeinsamen Unterricht gibt es Förderlehrer", sagt sie, "denn natürlich gibt es Unterschiede im Lernen, aber nicht in den Pausen."

Heike Spillker, Lehrerin am Gymnasium, gesteht: "Wir betreten mit der Inklusion Neuland." Zwar sei die Schule baulich vorbereitet und mit einem Fahrstuhl versehen, aber es mangele am Personal. "Wir haben Schüler, die Probleme mit dem Hören haben", erzählt sie, "und zwei Stunden pro Woche ist ein Förderlehrer im Haus. Das ist nichts." Sie forderte, Sonderschullehrer müssten fester Bestandteil in Schulen sein, erst dann sei Inklusion wirklich möglich.

Katrin Gensecke vom SPD-Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft "Selbst aktiv - Menschen mit Behinderungen" lebt mit Multipler Sklerose und weiß, es ist schwer, Projekte wie den Miteinandertag zu finanzieren. Sie plädiert für Schulsozialarbeiter und dafür, Inklusion im Alltag zu leben. Ihr Leitspruch lautet: "Jeder ist anders normal."