In der Gemeinde Erxleben gibt es derzeit eine winterliche Besonderheit. Ein Weißstorch überwintert auf dem Schornstein hinter der Sporthalle. Im Winter sind nicht die eisigen Temperaturen, sondern eine geschlossene Schneedecke das größte Problem für den Storch. Den ersten Schnee hat er jedoch gut überstanden.

Erxleben. Ein eher seltenes Bild bietet sich derzeit den Einwohnern von Erxleben. Morgens und abends steht ein Weißstorch auf dem Schornstein hinter der Sporthalle. "Störche, die nicht in den Süden fliegen und bei uns überwintern, sind eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist der Erxleber Winterstorch der Einzige, der uns im Landkreis Börde bekannt ist", sagt Peter Loskarn, Artenschutzbeauftragter des Landkreises Börde.

Bereits im vergangenen Winter war der Storch in Erxleben geblieben. Da er nicht beringt ist, kann seine Herkunft allerdings nicht geklärt werden. Die zum Teil eisigen Wintertemperaturen von Minus 15 Grad Celsius stellten für den Weißstorch indes kein Problem dar. "Wenn er nicht geschwächt oder krank ist, machen ihm niedrige Temperaturen überhaupt nichts aus. Nur eine geschlossene Schneedecke ist problematisch, denn das macht es ihm schwer, Futter zu finden. Nachdem die Schneemassen jetzt größtenteils geschmolzen sind, hat er es auf jeden Fall leichter, an Nahrung zu kommen", so Loskarn. Frösche bilden dabei, anders als im Volksglauben verbreitet, nur einen Teil seiner Nahrung. Der Weißstorch ernährt sich unter anderem auch von Fischen, Eidechsen, Wühlmäusen und Maulwürfen.

Tagsüber hält sich der "Erxleber Storch" oft in der Nähe der Kompostieranlage an der "Weißen Chaussee" auf. Auch auf verschiedenen Hausdächern wurde er schon gesichtet. "Wenn er in menschlicher Nähe gesehen wird, kann er jederzeit gefüttert werden. Wichtig ist, dass man ihm keine gewürzten oder gefrorenen Speisen gibt, und er es sieht, wenn ihm etwas zu fressen hingelegt wird. Am Besten eignen sich Fisch, Geflügel oder Mäuse", meint Loskarn. Auch Eintagsküken oder Hundefutter aus Dosen sind eine gute Nahrung.

Der Zug der Weißstörche ist in ganz Europa bekannt. Dabei können sie bis zu 20 000 Kilometer zurücklegen, um im Herbst ihr afrikanisches Winterquartier zu erreichen und im Frühling zu ihren europäischen Brutplätzen zurückzukehren. Mittlerweile bleiben einige Störche allerdings auch in Spanien und Portugal, weil das Nahrungsangebot auf Mülldeponien und Kompostieranlagen es ihnen möglich macht, auf den Zug nach Afrika zu verzichten.

Bei den Störchen, die in unseren Breiten überwintern, handelt es sich oftmals um von Menschen aufgezogene und später ausgewilderte Tiere. Diese können ein gestörtes Zugverhalten aufweisen. Da der Storch in Erxleben allerdings nicht beringt ist, wird er wohl einen anderen Grund haben, den Winter bei uns zu verbringen.

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