Sebastian Kestner kann jetzt endlich wieder Volleyball und Fußball spielen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hatte sich der Elbeuer diese Sportarten verboten. Zu groß war das Risiko, dass er sich dabei verletzt und seinen Traum riskiert – den Start beim " Challenge Roth ", einem Iron-Man-Rennen in der Nähe von Nürnberg, das er am 12. Juli in zehn Stunden, 33 Minuten und 26 Sekunden erfolgreich absolvierte.

Elbeu. Wenn Sebastian Kestner auf seine Urkunde schaut, erfüllt ihn der Anblick immer noch mit Stolz. Anfang Juli startete der Elbeuer beim " Challenge Roth ", einem Iron-Man-Rennen in der Nähe von Nürnberg. Und Iron-Man, das heißt 3, 8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen.

Angefangen hat alles im Jahr 2003. Bis dahin ist Sebastian immer nur mit dem Fahrrad oder als Teil der Laufgruppe " Sonnenblick Elbeu " sportlich unterwegs gewesen. " Mein Lehrer an der Berufsschule hat mir vom Triathlon am Barleber See vorgeschwärmt und mich dann zu einem Triathlon nach Stendal mitgenommen. Dort musste ich 700 Meter Schwimmen, 15 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen ", erinnert sich der 24-J ährige. " Ich kam zwar erst mit dem hinteren Drittel ins Ziel – aber meine Leidenschaft für diese abwechslungsreiche Sportart war geweckt. "

Kestner startet in den nächsten Jahren mehrfach bei kleineren Rennen. Erst 2007 reift bei ihm der Entschluss, dass er einmal einen Iron-Man laufen will. Neben dem Haupt-Triathlon in Hawaii gibt es eine solche Veranstaltung auch in Frankfurt am Main – und eben in Roth bei Nürnberg. " Das Rennen heißt zwar nicht Iron-Man, man muss aber die gleichen Distanzen absolvieren ", erklärt der Elbeuer, der mittlerweile seit vier Jahren bei der Bundeswehr in Celle arbeitet. Dort räumt man ihm die Möglichkeit ein, auch während der Arbeitszeit für diesen Traum zu trainieren.

Und das tut Sebastian. Zweieinhalb Jahre lang, ohne Sponsoren oder professionellen Trainer. Im Internet informiert er sich über Lauftechniken und die beste Ausrüstung, zieht endlose Bahnen in der Elbe-Schwimmhalle Magdeburg oder fährt mit dem Rad eine " Hausrunde " von 120 Kilometern. Am 12. Juli 2009 ist es soweit – mit 2500 anderen Sportlern geht er in Roth an den Start. Unter den tausenden Zuschauern auch seine Eltern und Freunde aus der Laufgruppe.

" Bevor der Startschuss für das Schwimmen im Main-Donau-Kanal fiel, bin ich im Kopf nochmal durchgegangen, wie lange und hart ich für diesen Tag trainiert habe ", erinnert sich der junge Mann.

Das Schwimmen, beim Triathlon immer die erste der drei Disziplinen, liegt ihm nach eigener Aussage am wenigsten. " Bis 2006 konnte ich auch gar nicht so gut kraulen. Ein Bekannter hat mir dann die richtige Technik gezeigt. Dass ich in Roth 3, 8 Kilometer durchgängig gekrault bin, das hat mich richtig Stolz gemacht. "

Der Tag des Rennens war für Sebastian Kestner ein guter Tag. " Ich habe mich richtig fi t und gut vorbereitet gefühlt. Am Start dachte ich noch, dass ich so um die 14 Stunden brauchen werde, deswegen habe ich mir auch bei den Wechseln, beispielsweise vom Schwimmen aufs Rad, Zeit gelassen ", resümiert der 24-J ährige. Auf dem Rennrad schafft er einen Schnitt von gut 33 Kilometern pro Stunde. " Auf der Strecke hat mich Norman Stadler überholt, der schon zweimal den Iron-Man in Hawaii gewonnen hat. Das fand ich ziemlich beeindruckend. Ich hätte ihn gern um ein Autogramm gebeten, aber das ging ja schlecht ", erzählt er schmunzelnd.

Gut sechseinhalb Stunden körperlicher Anstrengung hat Sebastian schon hinter sich, als der Wechsel vom Rad zum Laufen ansteht. " Ich habe mit der Kraft hausgehalten, weil ich wusste, dass ich ja noch einen kompletten Marathon laufen muss. Und vor dieser letzten Disziplin hatte ich nochmal großen Respekt. " Dann, nach gut 30 Kilometern, erwischt ihn erstmals ein toter Punkt.

" Am Rand der Strecke saßen Zuschauer auf ihren Picknickdecken und genossen den Tag. Da habe ich mich schon gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. Der Jubel der Zuschauer motiviert einen aber in solchen Momenten. Außerdem habe ich mir gesagt, dass ich so kurz vor dem Ziel einfach nicht aufgeben kann. "

Nach zehn Stunden, 33 Minuten und 26 Sekunden ist es dann soweit – Sebastian hat sich seinen Lebenstraum erfüllt. Im Ziel angekommen warten schon die Eltern und seine Freunde, um ihren Iron-Man in Empfang zu nehmen. " Ich habe mich dann erstmal hingesetzt und versucht, das alles zu realisieren. Vor allem, dass ich viel schneller war, als ich gedacht hatte ", so Kestner nicht ohne Stolz.

In den zwei Monaten, die seit dem Rennen in Roth vergangen sind, hat er nicht auf der faulen Haut gelegen. Nach einer kurzen Trainingspause standen Spaß-Sportarten wie Volleyball und Fußball mit Freunden auf dem Programm. Quasi als Saisonabschluss nahm der Elbeuer am Triathlon in Arendsee und Celle teil.

In der Altmark siegt er in der Klasse der Nicht-Profis, in Celle wird Sebastian Kestner 35. von 500 Teilnehmern. Nun überlegt er, sich in einem Verein anzumelden. " Dort werden ja richtige Leistungstests gemacht. Wenn dabei rauskommt, dass ich es schaffen könnte, nochmal eine Stunde schneller zu werden, dann würde ich über einen Start in Frankfurt und die Qualifikation für Hawaii nachdenken. "

In Roth sind nach Angaben des Veranstalters Starter aus über 50 Nationen vor Ort, nehmen auch Profis teil, die jedes Jahr den original Iron-Man absolvieren. " Für mich ein Lebenstraum, war Roth für die Profi s nur ein Formtest für Hawaii. "