Die in den vergangenen Jahr spürbar gestiegenen Zahlen an Asylbewerbern zwingen die Landkreise zum Handeln. Das gilt auch für Anhalt-Bitterfeld. Hier wird ein Unterbringungskonzept erarbeitet.

Zerbst/Köthen l Ende des Jahres rechnete der Landkreis Anhalt-Bitterfeld noch mit 250 Asylbewerbern, die ihm 2014 zugewiesen werden. Mittlerweile steht fest: Diese Zahl wird wohl noch nach oben korrigiert werden müssen.

"Die große Herausforderung für das Land und die Kommunen besteht darin, auf die jeweiligen Bedarfe flexibel zu reagieren. Das ist nicht so ohne weiteres zu handhaben. Denn nachdem die Zahlen vor zehn Jahren stark zurückgegangen waren und viele Kommunen mit Schließungen oder verschiedenen Anpassungsmaßnahmen reagiert hatten, müssen wir uns nun wieder auf den erhöhten Bedarf einstellen", erklärt Thomas Pleye, Präsident des Landesverwaltungsamtes.

Das Landesverwaltungsamt ist zuständig für die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Sachsen-Anhalt. Zudem hat es die quotengenaue Unterbringung der Asylbewerber in den einzelnen Landkreisen in seiner Verantwortung.

Die Bürgerkriege in Syrien und anderen arabischen Länder haben die Asylbewerberzahlen nach oben schnellen lassen. Allein in Anhalt-Bitterfeld sind im vergangenen Jahr 246 Asylbewerber aufgenommen worden, 2012 waren es noch 137, 2011 lediglich 38.

"Die Situation ist für uns schwierig, da wir überlegen müssen, wie wir neu mit der Situation umgehen", sagt Bernhard Böddeker auf Nachfrage der Volksstimme. 3600 Ausländer leben derzeit im Landkreis, erklärt der zuständige Kreisdezernent. Davon befinden sich etwa 500 in einem Asylbewerberverfahren. "Kommen nun noch 300 bis 350 neue Bewerber hinzu, ist das in der Menge zwar nicht so viel, aber die Anforderungen sind andere geworden."

Man wolle den Asylbewerbern eine zufriedenstellende, aber eben auch für die Kommune kostengünstige Unterbringung ermöglichen. Schon immer seien Asylbewerber teils in Wohnungen untergebracht worden. "Dies werden wir massiv verstärken. Nicht nur für Familien, aber auch." Damit soll einer Ghettoisierung vorgebeugt werden. "Es schafft nur Probleme, 100 oder 150 Asylbewerber auf einen Fleck irgendwo am Rand der Gesellschaft unterzubringen", erklärt Böddeker. Dies führe zum einen zur Flucht der einheimischen Anwohner, zum anderen zu "besonderen Problemen".

Man wolle die Einwohner bei diesem Prozess mitnehmen. "Es sind Menschen, die eine Bereicherung sein können", betont Böddeker.

Diese Überlegungen sind auch in das derzeit in Arbeit befindliche Unterbringungskonzept des Landkreises eingeflossen. Im Zuge dessen fand auch die Überprüfung kreiseigener Objekte statt, um dort eine neue Gemeinschaftsunterkunft einzurichten. "Diese Prüfung ist abgeschlossen", erklärt Böddeker. "Eine neue Gemeinschaftsunterkunft im Kreis wird es nicht geben." Stattdessen werden alle Neuankömmlinge dezentral in Wohnungen untergebracht. Dazu hat der Landkreis unter anderem auch bei der Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst nach Wohnraum angefragt. Dabei handelte es sich um einzelne Wohnungen.

Das Konzept wird Bernhard Böddeker umfassend am 20. Februar im Sozialausschuss des Kreistages vorstellen. Zuvor soll es in einer Arbeitsgruppe, der Vertreter aller Fraktionen des Kreistages angehören werden, weiter erörtert werden.

Von Seiten des Landesverwaltungsamtes ernte das Vorgehen der Landkreisverwaltung bereits Lob: "Der Landkreis hat sich inzwischen auf den Bedarf eingestellt und ein Unterbringungskonzept erarbeitet, welches den anhaltenden und weiter steigenden Asylbewerberzahlen Rechnung trägt. Hier wurde professionell reagiert, sodass es zu keinen Engpässen bei der Unterbringung kam. Dafür meinen Dank und Anerkennung", so Pleye.