Arbeitsmaßnahmen und ihre Zukunft

Das bundesweite Modellprojekt "Bürgerarbeit" wird zum 31. Dezember 2014 stufenweise auslaufen und nicht verlängert. Sowohl das Bundesministerium für Arbeit als auch die KomBA-ABI konstatieren, dass das Ziel, Langzeitarbeitslose aus gemeinnütziger Arbeit heraus auf dem ersten Arbeitsmarkt zu etablieren, verfehlt wurde.

Allein in Anhalt-Bitterfeld werden bis Jahresende 684 Bürgerarbeiter in den Leistungsbezug zurückfallen.

Die KomBA-ABI reagiert darauf mit der Bildung einer internen Arbeitsgruppe. Sechs Wochen vor Ende einer Bürgerarbeitsstelle ergeht eine Information an die jeweils zuständigen Arbeitsvermittler. Diese laden die Bürgerarbeiter zu einem Erstgespräch ein, das rund vier Wochen vor Ende der Stelle stattfindet.

In diesem Gespräch sollen konkrete Perspektiven besprochen werden. In der Bürgerarbeit angeeignetes Wissen und Fähigkeiten sollen dabei berücksichtigt werden. Hauptziel bleibt die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Ältere Teilnehmer erhalten die Möglichkeit der Teilnahme am Beschäftigungspakt smart50plus. Seit 2011 wird in ABI diese Maßnahme bereits angeboten und durch die KomBA-ABI koordiniert. Über 50-Jährige sollen intensiv betreut sowie durch zusätzliche Qualifikationen in Beschäftigung vermittelt werden.

Bis Ende 2013 konnten mehr als 1400 Männer und Frauen zur Teilnahme gewonnen werden. 345 von ihnen sind bereits in Arbeit vermittelt worden. Smart50plus ist 2014 mit weiteren 450 Teilnehmern gestartet.

Im Bereich Zerbst werden die Teilnehmer der Bürgerarbeit und "Aktiv zur Rente" durch die B A-Strukturförderungsgesellschaft Zerbst betreut. Bei smart50plus handelt es sich um einen anderen Maßnahmenträger.

Zerbst l Christine Minz ist für den Heimatverein Zerbst ein echter Glücksgriff. Seit gut drei Jahren steht die Bürgerarbeiterin in Diensten des Vereins, hat es möglich gemacht, dass das Vereinsbüro werktags von 8 bis 15 Uhr geöffnet hat. "Sie ist in vielerlei Hinsicht eine Entlastung für den Verein und insbesondere den Vorstand", betont Vereinsvorsitzende Irene Stephan. Sie hat Material für Projekte und Veröffentlichungen gesichtet, zusammengetragen, wenn nötig eingescannt und aufgearbeitet. Hat bei der Organisation von Veranstaltungen geholfen, hat beispielsweise Bilder für die in der Entstehung befindlichen Roll-Ups des Vereins bearbeitet. Doch das ist bald vorbei.

"Wir versuchen, Stellen über das Programm ,Aktiv zur Rente` zu erhalten."
Bürgermeister Andreas Dittmann

"Ohne die Bürgerarbeit wird in den betroffenen Vereinen einiges im Argen liegen bleiben", meint Irene Stephan. Das wird auch auf den Heimatverein zutreffen. Fest steht, dass ohne Frau Minz, deren Bürgerarbeitsstelle im April ausläuft, der Verein seine Sprechzeiten ändern muss. Statt täglich unter der Woche erreichbar zu sein, wird ohne sie wohl nur noch am Dienstag das Büro abwechselnd durch die Vorstandsmitglieder besetzt werden können.

"Für uns als Verein sind solche Arbeitsmaßnahmen seit Jahren notwendig. Es handelt sich um eine Tätigkeit, die wir als Verein gar nicht tragen können", betont Schatzmeister Hans Schuch. Bislang sei die Erfahrung mit den Maßnahmeteilnehmern überwiegend positiv gewesen.

"Der Vorteil der Bürgerarbeit war aber auch, dass sie auf drei Jahre angelegt war", meint Irene Stephan. Viele Maßnahmen seien auf eine kürzere Dauer angelegt. "Das ist ein Problem. Bis die Teilnehmer eingearbeitet waren, war oft schon die Zeit rum."

Etwa 100 Bürgerarbeiter gibt es im gesamten Gebiet der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst. Und auch die Stadt ist vom Auslaufen der Maßnahme betroffen. Bei der Stadtverwaltung sind es 45 Stellen, die durch Bürgerarbeiter besetzt sind. Betroffen sind davon städtische Einrichtungen wie das Museum, die Stadthalle, Grundschulen, die Stadtbibliothek, Grünanlagen sowie die Kulturarbeit in den Ortschaften.

Das Ziel der Bürgerarbeit, Langzeitarbeitslosen die Chance zu bieten, aus gemeinnütziger Arbeit heraus den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen, ist gescheitert. Von der Stadt Zerbst konnte kein Bürgerarbeiter in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen werden. "Es handelte sich dabei jeweils um Aufgaben, die nicht zum Pflichtkatalog gehörten, sondern entweder zusätzliche freiwillige Leistungen waren oder zur befristeten Verstärkung vorhandener Kräfte eingesetzt wurden", erklärt Andreas Dittmann einen Grund.

Für die Stadt wie auch Vereine und Wohlfahrtsverbände heißt es nun, sich um neue Teilnehmer über andere Arbeitsgelegenheiten zu bemühen. "Wir versuchen, Stellen über das Programm ,Aktiv zur Rente` zu erhalten. Daneben wird es die Möglichkeiten der Stellen mit Mehraufwandsvergütung - die so genannten 1-Euro-Jobs - auch weiterhin geben. Jedoch haben die eine kürzere Laufzeit und sind für die Stelleninhaber natürlich weniger attraktiv", so Dittmann weiter.

Das Scheitern der Bürgerarbeit und deren Zielstellung überrascht den Zerbster Bürgermeister nicht. "Allein die Einsatzstellen und auch die Kriterien der Zusätzlichkeit führten dazu, dass es sich um Maßnahmen mit wenig Potential der Festanstellung handeln würde, solange die Finanzierung öffentlicher Haushalte nicht auskömmlich ist und die Mehrzahl der Kommunen unter einem so großen Konsolidierungszwang stehen."

"Durch das Ehrenamt können wir eine solche Tätigkeit nicht abdecken."
Dirk Herrmann, Schlossverein

Die Maßnahme "Aktiv zur Rente" wird im Frühjahr dieses Jahres in eine neue Runde gehen. "Darüber werden wir versuchen, einen Teil der durch die auslaufende Bürgerarbeit fehlenden Teilnehmer zu kompensieren", erklärt Katrin Strömer vom Jobcenter - Kommunale Anstalt des öffentlichen Rechts für Beschäftigung und Arbeit des Landkreis Anhalt-Bitterfeld (KomBA-ABI).

Die Fortsetzung dieser Maßnahme könnte dem Förderverein Schloss Zerbst helfen. Mit Maßnahmeteilnehmer Wolfgang Brademann war es möglich, das Schloss in der Saison werktags für Besucher offen zu halten. Dessen Maßnahme "Aktiv zur Rente" läuft nun aus. "Durch das Ehrenamt können wir eine solche Tätigkeit nicht abdecken", betont Dirk Herrmann, Vorsitzender des Schlossvereins. Auch der Schlossverein bemüht sich folglich, erneut in einer Arbeitsgelegenheitsmaßnahme berücksichtigt zu werden.

Für die Bürgerarbeiter gibt es keine Hoffnung auf eine Verlängerung. Das Auslaufen der Maßnahme ist beschlossen. Für Christine Minz sind die beruflichen Aussichten schwierig. "Ich habe diese Maßnahme mit 58 Jahren begonnen", erzählt sie. Im April, wenn ihre Maßnahme, endet feiert sie ihren 61. Geburtstag. Wolfgang Brademann hingegen hat das Rentenalter erreicht.