Mark Twains 1884 veröffentlichter Roman "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" diente Rosemarie Vogtenhuber als Vorlage für ein Puppentheaterschauspiel, das sie selbst inszenierte und das jetzt im Dessauer Puppentheater Premiere hatte.

Dessau-Roßlau l Ein die gesamte Bühnenrückwand des Puppentheaters im Alten Theater Dessau füllendes Scherenschnittbild, inspiriert von der amerikanischen Künstlerin Kara Walker, und die Melodie des bekannten Songs "Old man river" nehmen den Besucher mit in die Zeit, als im aufbrechenden Amerika teils noch die Sklaverei herrschte.

Aus dem 35 spannende Kapitel umfassenden Original wurde ein 70-minütiges Non-Stop-Stück. Die konzentrierte Geschichte wird in Dialogen erzählt, teils von menschlichen Schauspielern (Helmut Parthier und Oliver Seidel), teils mit kopfskulpturähnlichen Masken, im rasanten Mit- und Gegeneinander kurzweilig präsentiert. Vielseitig verwendete Bühnenbildelemente sind scheinbar vom Mississippi arg in Mitleidenschaft gezogenes Treibgut, das einmal Paletten gewesen sein könnten.

Huckleberry Finn, kurz Huck genannt, flieht vor seinem gewalttätigen Vater. Auf der menschenleeren Insel "Jackson Island" trifft er den entlaufenen Sklaven Jim, Huck nennt ihn einen "Nigger", der sich nach Freiheit für sich und seine Angehörigen sehnt. Dieses Schwarzsein bringt Huck oft in Gewissenskonflikte zu dem, wie er erzogen wurde.

Die Zuschauer ab empfohlenen zwölf Jahren erleben neben den spannungsgeladenen Szenen bedrückende Auseinandersetzungen mit Rassismus und Freundschaft, mit Moral und Toleranz. Dabei werden diese oft überraschenden Ereignisse durchaus unterhaltsam und mit einem guten Schuss Humor erzählt. So ist es köstlich, wie die Lebensumstände bei der Witwe Douglas oder das Auftreten des Vaters kolportiert werden. Die beiden Protagonisten präsentieren Dialoge mit Stimmenimitationen, flotten Aktionen und eben auch "Puppeneinsatz".

Es gibt die stürmische Bootsfahrt auf einem Floß, später den Zusammenstoß mit einem monströsen Raddampfer, der nicht nur das Floß selbst, sondern auch die beiden Freunde trennt. Gaunereien werden aufgedeckt, Sklavenhändler verfolgen die beiden ... Bei insgesamt etwa zehn Erlebnisstationen haben die Gäste Anteil an der auch berührenden Geschichte der beiden zunächst ungleichen Freunde, deren sich entwickelndes Miteinander unter anderem durch gegenseitigen Respekt möglich wird.

Am Ende ist Jim fort. Hat sich sein Traum von Freiheit erfüllt? Das bleibt offen.

Mark Twains Roman und dieses auch nachdenkliche Puppenschauspiel spiegeln die Geschichte der Sklaverei in Amerika wider, die 1669 erstmals gesetzlich verankert wurde. 1865 wurde sie in den USA abgeschafft - offiziell jedenfalls. Noch 1896 wurden getrennte Bereiche für Schwarze und Weiße in öffentlichen Einrichtungen ("separate but equal") gesetzlich verfügt. Erst 1964 wurde diese Diskriminierung aufgehoben - wiederum nur offiziell.

Wer eine Moral der Geschichte sucht, stellt fest, dass Probleme um Toleranz, Respekt und Völkerverständigung heute noch aktuell sind. Martin Luther Kings Botschaft im Jahre 1963 "I have a Dream" vom Ende des Rassismus ist heute zum Teil leider immer noch nur ein Traum.