Zerbst l Bereits im Juli 2010, als Vertreter des im Jahr 2008 gegründeten Kieler Zarenvereins der Weihe des Katharina-Denkmals in Zerbst beiwohnten, erfuhren die Zerbster von der Idee, dem Ehegatten von Zarin Katharina II., also Zar Peter III., in seiner Geburtsstadt Kiel ein Denkmal zu setzen. Im Herbst 2012 (die Volksstimme berichtete am 5. Oktober 2012) wurde über die bis dato erreichten Fortschritte bezüglich der Realisierung dieses Denkmals berichtet. Knapp 16 Monate später steht das Projekt nun kurz vor seinem Abschluss.

Kieler Zarenverein kümmerte sich um die Finanzierung

Der namhafte Bildhauer Alexander Taratynov, der auch das 2005 in den Niederlanden aufgestellte Denkmal für die Königin Anna Paulowna, einer Enkelin Katharinas II. gefertigt hatte und dessen Skulpturen im Park des Katharina-Palastes unserer Partnerstadt Puschkin zu bewundern sind, schuf das Denkmal für Zar Peter III. in seinem Atelier in Maastricht, wo auch der Bronzeguss erfolgte. Das Denkmal besteht aus einer Skulptur, die den Zaren etwas größer als Lebensgröße zeigt, und einem leeren Thron. Das ist beabsichtigt, der leere Thron symbolisiert die unvollkommene Herrschaft Peters III. und lädt den Betrachter zur Interaktion ein: Er soll darauf Platz nehmen. Die Skulptur des Zaren und der Thron werden zu ebener Erde neben dem Kieler Stadtschloss aufgestellt werden.

Schon im September 2012 konnte der Kieler Stadtpräsidentin Caty Kietzer und dem dortigen Ältestenrat ein Modell des Denkmals überreicht werden und kurz darauf erfolgte die Zustimmung des Kieler Ältestenrates. Der Kieler Zarenverein kümmerte sich indessen um die Finanzierung und leistete Überzeugungsarbeit, indem er eine mobile Ausstellung "250 Jahre Zar Peter III. zugleich Herzog von Holstein-Gottorf - Der Kieler Prinz auf dem Zarenthron - 1762-2012" unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Justiz, Bildung und Europa in Schleswig-Holstein Anke Spoorendonk initiierte, die inzwischen schon erfolgreich an zahlreichen Orten gezeigt wurde.

In Kiel bewertet man das Wirken von Zar Peter III. stärker aus dem Blickwinkel des Herzogs von Holstein-Gottorp und auch die heutigen Historiker, die sich intensiv mit dem Studium der historischen Quellen um Peter III. befassen, kommen allmählich zur Erkenntnis, dass das bisherige Bild von ihm, nämlich das des verspielten, naiven, übermäßig deutschfreundlichen Zaren, der vor allem Exerzierübungen und das Violinenspiel liebte, der historischen Wirklichkeit nicht mehr gerecht wird. Während seiner Regierungszeit vom Januar bis Juni 1762 hatte Peter III., dessen Arbeitstag um 7 Uhr morgens mit der Berichterstattung seiner Beamten begann, zahlreiche Inspektionen in seinen Ämtern und staatlichen Manufakturen durchgeführt und etwa 200 Anordnungen und Gesetze unterzeichnet, die unter anderem darauf abzielten, die Zuständigkeit der verschiedensten Abteilungen der zentralen und regionalen Verwaltungsapparate eindeutig zu regeln. Zwar blieben die meisten Reformbemühungen Peters III. in den Kinderschuhen stecken und seine wohl wenig ausgeprägte Empathiebegabung verzerrte jahrelang das Bild, das die Nachwelt von ihm hatte. Doch auch Zar Peter III. ist ein Mosaikstein in der Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, der sicher noch einer differenzierteren Aufarbeitung bedarf und dies hat sich der Kieler Zarenverein mit auf die Fahne beziehungsweise in sein Statut geschrieben.

Offizielle Einladung auch an den Zerbster Bürgermeister

Im Telefongespräch mit Jörg Ulrich Stange, dem Vorsitzenden des Kieler Zarenvereins, erfuhr ich, dass das von Alexander Taratynov geschaffene Denkmal bereits am 21. Februar diesen Jahres, genau am 286. Geburtstag von Zar Peter III. in Kiel eintraf. Zurzeit laufen dort die Vorbereitungen für seine Aufstellung auf Hochtouren. Der feierliche Akt soll mit der Durchführung der Exposition Nordartkultur einhergehen, da im Fokus dieser Ausstellung in diesem Jahr Bildhauer aus Russland stehen.

Um der Denkmalaufstellung, die am 13. Juni diesen Jahres stattfindet, einen würdigen Rahmen zu geben, haben die Initiatoren Kontakt zur Russischen Botschaft in Berlin aufgenommen und vom Kultusminister der Russischen Förderation wurde Interesse signalisiert, nach Kiel zu kommen. Laut Aussage des Vereinsvorsitzenden Stange werde auch eine offizielle Einladung an den Zerbster Bürgermeister ergehen.

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