Zehn Menschen verloren 2013 auf Anhalt-Bitterfelder Straßen ihr Leben, 224 erlitten schwere und 444 Personen leichte Verletzungen. Das geht aus der Statistik hervor, die jetzt das Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld veröffentlicht hat. Die Zahl der Schwerverletzten nahm zu.

Zerbst l Zwar ist die Unfallzahl im Landkreis Anhalt-Bitterfeld 2013 von 5085 auf 5045 im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen, aber von einer Verbesserung der Situation kann laut Verkehrsunfallkommission im Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld noch nicht gesprochen werden.

Viele Unfälle wären vermeidbar. So lautet die Kernaussage der Verkehrsunfallkommission im Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld. Trotz der so genannten Blitzermeldungen im Radio und etwas weniger Einsatzstunden der Polizei wurden bei Geschwindigkeitskontrollen im zurückliegenden Jahr 16 300 Fahrzeuge gemessen, die zu schnell unterwegs waren.

"Dabei nimmt die Zahl der erheblichen Verstöße zu", geht aus dem Bericht der Unfallkommission hervor. Fahrzeuge, die innerorts mit 80 km/h oder mehr auf dem Tacho geblitzt werden, sind keine Seltenheit mehr. Auch unübersichtliche Verkehrslagen schrecken nicht ab, auf hohe Geschwindigkeiten zu beschleunigen. Als Beispiel nennt die Polizei einen Autofahrer, der vor Kurzem auf der B 185 am "Scheuderschen Gasthof" (Osternienburger Land) statt 70 km/h mit 145 km/h unterwegs war - trotz Kreuzung, Kurven und Fußgängern, die vom Parkplatz zum Gasthof über die Straße müssen.

Aus Sicht der Verkehrsunfallkommission könnten auch viele Unfälle mit Blechschäden an Kreuzungen und Einmündungen vermieden werden, "wenn die Verkehrszeichen beachtet würden". Ein Stoppschild bedeute "Halt - Vorfahrt gewähren", erinnert die Polizei in ihrem Jahresbericht, weil sie weiß, in der Praxis sieht es häufig anders aus. An Ampeln, so kritisiert die Verkehrsunfallkommission weiter, scheine "rot" für etliche Verkehrsteilnehmer nicht zwangsläufig, sondern "plötzlich und unerwartet" zu kommen. "Die Zahl der Ausreden nach einem Unfall ist unerschöpflich."

Radler im Fokus: Kein Licht an, auf der falschen Straßenseite

Eine "dramatische Wende" stellt die Polizei seit einigen Jahren beim Drogeneinfluss im Straßenverkehr fest. 2011 wurden bei 446 Feststellungen 415 Mal Alkohol und 31 Mal Drogen im Blut festgestellt. Im vorigen Jahr verdreifachte sich der Drogeneinfluss. Bei 449 Feststellungen waren 324 auf Alkohol und 125 auf Drogen zurückzuführen. Die Zahl der Unfälle unter Alkohol oder Drogen ist mit 103 nach Einschätzung der Verkehrsunfallkommission "relativ konstant".

Neben den Kraftfahrern geraten Radler zunehmend in den Fokus. Zwar beträgt die Zahl der Unfälle (219) nur 4,3 Prozent des Gesamtunfallgeschehens, aber bei den Getöteten (drei Fahrradfahrer) sind es 30 Prozent, bei den Schwerverletzten über 20 Prozent und bei den Leichtverletzten über 25 Prozent. 103 Unfälle haben die Radler selbst verursacht, in drei Fällen waren nur Fahrradfahrer verwickelt.

Die Unfallursachen sind vielfältig. Die Polizei zählt das eigene Fehlverhalten der Radler auf und das motorisierter Fahrzeugführer: "Kraftfahrer missachten den Vorrang von Radfahrern beim Abbiegen oder bei Vorfahrtsituationen." Zugleich nutzten aber auch Fahrradfahrer unterwegs das Handy oder einen MP3-Player, dessen Musik vom Verkehr ablenke. "Trotz moderner Lichttechnik fahren viele Radfahrer ohne Licht und benutzen verbotenerweise Gehwege oder linke Radwege", heißt es im Bericht der Verkehrsunfallkommission weiter.

Die Polizei wünscht sich, dass sich Radler verstärkt passiv schützen: "Der Fahrradhelm ist in unserer Gegend noch kaum verbreitet, er kann jedoch den Kopf bei einem Zusammenprall vor schweren Verletzungen bewahren."

Wildunfälle sind die häufigste Unfallursache

Mit 993 gehören Wildunfälle zu den häufigsten Unfallursachen, dicht gefolgt von zu wenig Abstand (810). Bei Radlern löst die falsche Benutzung der Fahrbahn mit 381 Fällen besonders häufig Unfälle aus.

Bei den Unfallschwerpunkten zieht die Verkehrsunfallkommission eine zweigeteilte Bilanz. An einigen Schwerpunkten zeigten die Maßnahmen Wirkung und die Unfallzahlen gingen zurück. An anderen Stellen blieb der erhoffte Erfolg aus, hier wird nach neuen Möglichkeiten gesucht.

Dann gibt es aber noch die dritte Variante: der Gewöhnungseffekt. Diesen schildert der Bericht beispielhaft für die Kreuzung B 183a/K 2060 bei Brehna. Zwei übergroße Zeichen "Halt! Vorfahrt gewähren", wie sie eigentlich nur für Autobahnen vorgesehen sind, Fahrbahnmarkierung in Heißplastik, so dass es beim Überfahren rumpelt, haben die Unfallzahlen nur vorübergehend sinken lassen. Aus Sicht der Kommission zeigt dieses Beispiel eindeutig, dass nicht die Straße oder Kreuzung gefährlich sei, "vielmehr ist es das Versagen der Fahrzeugführer beziehungsweise das bewusste Missachten der Regelungen der Straßenverkehrsordnung".