Kiel/Zerbst l Am Freitagabend hieß Jörg Ulrich Stange, der Vorsitzende des Kieler Zarenvereins, anlässlich des Festaktes zur Enthüllung des Denkmals für Carl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf, zugleich Zar Peter III. von Russland, in Kiel neben seinen Mitstreitern im Zarenverein und Vertretern der Kieler Kommunalpolitik auch Gäste aus den Adelshäusern von Oldenburg und von Schleswig, von der russischen Botschaft in Berlin sowie aus der Residenzstadt Zerbst offiziell willkommen. Natürlich begrüßte er auch den russischen Bildhauer Alexander Taratynov mit dessen Gattin und zwei Töchtern, der das neue Kieler Denkmal geschaffen hat.

In seinem Grußwort ging Stange auf die in den letzten Jahren begonnene differenziertere Bewertung von Zar Peter III. ein, der im Februar 1728 im Kieler Schloss als Sohn des Herzogs Carl Friedrich und dessen Gattin Anna Petrowna, Tochter von Zar Peter I., das Licht der Welt erblickt hatte. Sehr früh zur Vollwaise geworden, wurde er vierzehnjährig auf Veranlassung seiner Tante, Zarin Elisabeth Petrowna, nach Petersburg geholt und zum Thronfolger Russlands erklärt. 1745 heiratete er Sophie Auguste Friederike von Anhalt- Zerbst, die ab dem Sommer 1762 als Katharina II. das Russische Reich regierte.

Während seiner 186-tägigen Regierungszeit brachte Zar Peter III. eine Reihe von durchaus fortschrittlichen Verordnungen und Gesetzen auf den Weg, die unter anderem Fragen der Bodenreform für die Kleinbauern, Auflösung der Geheimpolizei, Abschaffung der Folter, Kampf gegen Korruption und religiöse Toleranz berührten. Sein wohl wichtigstes Vermächtnis war die zeitweise Beendigung des Siebenjährigen Krieges, womit er einer großen Anzahl von Menschen das Leben rettete. Um diese jüngste Bewertung des Zaren aus Kiel hat sich vor allem die Autorin Elena Palmer mit ihrem Buch "Peter III. Der Prinz von Holstein" verdient gemacht.

Auch in den Grußworten des Generalkonsuls der Russischen Förderation in Hamburg, Ivan Khotulev, und des Kieler Stadtpräsidenten Hans-Werner Torvar wurde angesichts der Auswirkungen der politischen Krise in der Ukraine auf die deutsch-russischen Beziehungen der Verdienst von Zar Peter III. als Friedensstifter gewürdigt. Alle verwiesen auf die jahrhundertelangen besonderen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen. Bereits im 13. Jahrhundert gab es ein Handelskontor deutscher Kaufleute in Nowgorod.

Die Enthüllung des Denkmals nahm Bildhauer Alexander Taratynov gemeinsam mit seinen Töchtern vor. Bewusst hat er die lebensgroße Figur Peter III. etwas distanziert vom Thron platziert, denn so richtig konnte er diesen ja nicht besteigen. In der Hand hält der Zar eine Schriftrolle mit der Aufschrift Frieden, was seine friedensstiftende Rolle im Siebenjährigen Krieg unterstreichen solle.

Auch Zar Peter III. persönlich, dargestellt von Prof. Dr. Helmut Grieser, em. Professor für Neuere Geschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Experte für deutsch-russische Historie, erschien am Denkmal, wo er auf Russisch dem Bildhauer für dessen Werk dankte.

Seinen Abschluss fand dieser Abend, der ganz im Zeichen eines Willensbekenntnisses zur Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen der Deutschen zum russischen Volk stand, mit einem Carillonkonzert.

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