Bei der Umweltbühne Chemnitz liefert die Wissenschaft die Ideen für unterhaltsame Inszenierungen. Mit dem vergnüglichen Puppenspiel "Das geheime Labor" gastierte die umherreisende Theatercrew jetzt in Zerbst.

Zerbst l Ein Knall, Rauch steigt auf. Sofort sind alle Kinderaugen auf Justl gerichtet. Sein Versuch, Feuerwerkskörper für den Abschlussball herzustellen, ist tüchtig schief gegangen. Jetzt droht dem experimentierfreudigen Alchimistenschüler der Rauswurf aus der Schule. Verhindern kann der aufgeweckte Bursche dies nur, wenn er "so etwas Wertvolles wie Gold herstellt". Bevor sich Justl dieser Herausforderung stellen kann, benötigen allerdings der alte, etwas schusselige Apotheker Schildplatt, Geburtstagsbär Bruno und das magere Schweinchen Rudi, das nur winzige Kartoffeln erntet, seine Hilfe. So zieht sich der clevere Plüschcharakter in das wiederentdeckte geheime Labor seines Großvaters zurück und nimmt die Mädchen und Jungen mit...

Vom ersten Moment an verfolgen die Erst- bis Viertklässler der Grundschule "Astrid Lindgren" gespannt das vergnügliche Puppentheater der Umweltbühne Chemnitz. Immer wieder werden sie in die Handlung des Stückes eingebunden, das sie auf unterhaltsame Weise in die Welt der Chemie entführt. Genau das ist das Anliegen der seit 1992 umherreisenden Wanderbühne, die von Dr. Jochen Pohl, einem Geologen, gegründet wurde. Wissenschaftliche Themen werden kindgerecht aufbereitet und in eine zauberhafte Geschichte verpackt, die mit liebevoll gestalteten Plüschpuppen inszeniert wird.

Hauptzielgruppe sind Kinder zwischen fünf und zehn Jahren, wie Ivonne Fischer erklärt. Sie ist Leiterin und Koordinatorin der Wanderbühne und zugleich eine von insgesamt vier Puppenspielern. Deutschlandweit reisen sie umher, 2014 stehen 110 Auftritte im Kalender - "mit steigender Tendenz", erzählt die studierte Soziologin, dass sie auch Theaterstücke auf Wunsch entwickeln. Neben der eigenen Recherche dient die Zusammenarbeit mit Fachleuten als Basis für die Umwandlung wissenschaftlicher Fakten in ein interaktives Stück, das den jungen Zuschauern in spielerisch-verständlicher Form interessante Zusammenhänge und Kenntnisse vermittelt. Da geht es um den Wasserkreislauf, Einsteins Relativitätstheorie oder eben wie in Zerbst um den deutschen Chemiker Justus Liebig (1803-1973).

Die passende Kulisse für "Das geheime Labor" bildet die nun abgedunkelte Fabrikhalle der einstigen Essenzen-Fabrik, die als Veranstaltungsraum von Vereinen und Einrichtungen genutzt werden kann. Hier hat Ivonne Fischer gemeinsam mit Kay Haberkorn eine Doppelbühne aufgebaut, in der die Geschichte um Justl ihren amüsant-lehrreichen Verlauf nimmt. Da erleben die Grundschüler, wie der sympathische Alchimistennachwuchs Backpulver erfindet und entdeckt, wie sich das Pflanzenwachstum durch Stickstoff steigern lässt. Auch dass sich Säuren und Basen mit einem Lackmustest bestimmen lassen, erfahren die Mädchen und Jungen. Zwischendurch erinnern sie Justl immer wieder lautstark daran, Gold herzustellen. Letztlich schafft er es nicht rechtzeitig. Doch das sollte der gutherzige Bursche im Grunde auch gar nicht, wie Schuldirektorin Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Eulalia richtigstellt. Indem er seinen Freunden geholfen hat, hat Justl die Aufgabe ganz unbewusst erfüllt.

 

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