Zerbst l Mit einem anspruchsvollen Konzert begeistert das Akademische Orchester der Martin-Luther-Universität halle-Wittenberg am Sonnabend gut 80 Besucher in der St. Trinitatis-Kirche. Zum dritten Mal gestaltet das Ensemble eine gefühlvolle Sommerserenade in Zerbst. "Da kann man vom Beginn einer Tradition sprechen", findet Matthias Erben und garantiert, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Vielleicht bildet 2015 auch wieder die Ruine von St. Nicolai die Kulisse für das klangvolle Angebot. Aufgrund des windig-kühlen Wetters müssen die Musiker diesmal ihren Auftritt in das benachbarte Gotteshaus verlegen. "Die Akustik hier in der Trinitatiskirche ist wunderbar", meint Erben, den es immer wieder nach Zerbst zieht.

"Ich bin Anhalter aus Leidenschaft", erklärt der gebürtige Raghuner. Schon als Kind entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik und spielte im Posaunenchor, mit dem er damals bestimmt auch mal in die Rolandstadt gekommen ist, vermutet er. Auf alle Fälle führte ihn der einstige Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch 1981 nach Zerbst. "Es ist einfach schön hier", sagt Erben. Er erzählt von der vor zwei Jahren entstandenen Idee, zum Sommeranfang, dem 21. Juni, ein Orchesterkonzert zu veranstalten - Partner vor Ost ist der Förderkreis St. Nicolai. Möglicherweise wird der Termin im nächsten Jahr etwas anders gelegt, stattfinden aber wird die Serenade. "Wir bleiben dran", formuliert es Erben.

Seine Freude auf den Auftritt am Sonnabend ist deutlich spürbar. Anfang der Woche habe er vor gut 200 000 Menschen in Budapest gestanden, erzählt er. Nun sind es deutlich weniger Zuhörer. "Das ist ganz unterschiedlich", macht dieser Kontrast für Erben den Reiz seiner Tätigkeit aus. Bei der Serenade in St. Trinitatis teilt er sich das Dirigat mit Johannes Reiche. Zugleich moderiert er das gut 80-minütige Konzert, plaudert über Stücke und Komponisten.

Neben der Ouvertüre zum Schauspiel "Karlstein" von Zdenek Fibich (1850-1900) zum Auftakt erklingen unter anderem die Böhmische Suite von Antonin Dvorak (1841-1904) und die Serenata notturna D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Die Vielfalt der Kompositionen spiegelt sich im stetigen Wechsel der Zusammensetzung des Orchesters wider. So überzeugen die zwölf Bläser mit einer Serenade von Max Reger (1873-1916), während Tony Schultz - unterstützt von den Streichern - seinem Saxophon gekonnt die Töne entlockt. Auch die übrigen Solisten beeindrucken die Besucher mit ihrem virtuosen Spiel genauso wie das harmonisch agierende Ensembles als Ganzes. Zarte Melodien steigern sich mitunter kraftvoll, romantischen Klängen stehen dramatische Sequenzen gegenüber...

Viel zu rasch geht die wunderbare Abendmusik zu Ende und das seit 1984 von Matthias Erben geleitete Orchester verabschiedet sich. Seine Wurzeln reichen übrigens bis ins 18. Jahrhundert zurück. Bereits 1779 begründete Kapellmeister Türk die Reihe der "Akademischen Konzerte" an der Friedrichs Universität in Halle. Heute gehören dem Ensemble musikbegeisterte Studenten verschiedener Fachbereiche der Alma mater halensis sowie ehemalige Studenten an.