Immer wieder rücken die Ortswehren der Einheitsgemeinde Zerbst umsonst aus. Über die in den vergangenen Wochen vermehrt aufgetretenen Fehl-alarme durch automatische Brandmeldeanlagen sprach Daniela Apel mit Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut.

Wie viele Fehlalarme gab es in diesem Jahr bereits?

Jürgen Dornblut: 2014 gab es in Zerbst bislang 13 Fehlalarme durch automatische Brandmeldeanlagen (BMA). Viermal rückte die Ortswehr Zerbst allein aus, in den übrigen Fällen wurden weitere Ortswehren aus dem Umland mit alarmiert. Das hängt mit der begrenzten Einsatzbereitschaft am Tage zusammen. Um die geforderte Einsatzstärke zu erreichen, werden deshalb meist vier bis fünf Feuerwehren gleichzeitig alarmiert.

Was sind die Ursachen für die Fehlalarme?

Viele Fehlalarme sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. In mehreren Fällen wurde die BMA ausgelöst, weil Handwerker im Haus waren und durch deren Arbeiten Rauch und Staub erzeugt wurde. Um Alarmierungen zu vermeiden, könnten in solchen Fällen die Melder mit Staubkappen abgedeckt bzw. eine bestimmte Melderlinie befristet abgeschaltet werden. Zum Teil sind auch fehlerhafte Konzepte schuld, wie zum Beispiel ein Rauchmelder direkt hinter der Küchentür. Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht und Küchendämpfe heraus kommen, gibt es logischerweise Brandalarm. Hier wäre ein Thermomelder oder ein Mehrkomponentenmelder erforderlich. Technische Störungen sind weniger die Ursache.

Wie können Fehlalarme verhindert werden?

Fehlalarme können durch regelmäßige Wartung, vor allem aber durch das Einhalten der jeweiligen Brandschutzordnung erreicht werden. Es beginnt aber schon bei der Planung solch einer Anlage durch Hinzuziehen der entsprechenden Fachbehörden und der Feuerwehr.

Welche finanziellen Auswirkungen hatten die bisherigen Fehlalarme für die Stadt?

Aufgerechnet wurden 45 Feuerwehren mit insgesamt 483 Kameraden eingesetzt. Da die Kameraden je Einsatz eine Aufwandspauschale von 7 Euro bekommen, entstanden der Stadt 3 381,00 Euro Personalkosten. Kosten für die Technik nicht mitgerechnet, auch nicht die Lohnausfallkosten, die der Arbeitgeber in Rechnung stellt.

Kann die Stadt Fehlalarme ihrerseits in Rechnung stellen?

Laut gültiger Feuerwehrkostensatzung werden dem Betreiber/Eigentümer 850 Euro nach einer erfolgten Anhörung pauschal in Rechnung gestellt.

Wie gehen die Kameraden mit Fehlalarmen um?

Die Kameraden sind natürlich oft frustriert, wenn sie auf halber Strecke umdrehen müssen, und das meist zu ziemlich unchristlichen Zeiten. Mindestens ein Fahrzeug muss aus versicherungsrechtlichen Gründen auch nach der Mitteilung "Fehlalarm" das Objekt anfahren und die Anlage zurückstellen und eine Überprüfung des aufgelaufenen Melders und des Feuerwehrschlüsselkastens durchführen.

Gab es vielleicht auch einen eher kuriosen Fehlalarm?

Natürlich gibt es auch Kuriositäten, wie zum Beispiel einen Kollegen, der, natürlich mit Genehmigung, seinen runden Geburtstag in einem Versammlungsraum eines öffentlichen Gebäudes feierte. Seine Verwandten zündeten ihm zu Ehren um Mitternacht gemeinsam Wunderkerzen an. Acht Minuten später stand die Feuerwehr vor der Tür und konnte auch gratulieren.