Der Holocaust ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und gleichzeitig Mahnung an alle, dieser menschenverachtenden Ideologie in unserer Gesellschaft keinen Platz zu geben. Eine Möglichkeit daran zu erinnern, war gestern der nationale Gedenkttag der Holocaust-Opfer. Aber auch die 34 Stolpersteine in Zerbst mahnen täglich gegen das Vergessen.

Zerbst. Gestern vor 66 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz, in dem zuvor hunderttauschende Juden, Roma und Sinti, aber auch politische Gegner der Nationalsozialisten, Behinderte und Homosexuelle ihren Tod fanden.

53 Opfer aus Zerbst

Seit 1996 ist der 27. Januar der nationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust, der auch in Zerbst Spuren hinterließ. "53 Juden sind aus Zerbst nachweislich deportiert worden", sagt Bürgermeister Helmut Behrendt während seiner Ansprache vor der Kranzniederlegung. 53 Männer und Frauen, deren Namen jedes Jahr am 10. November im Gedenken an die Reichspogromnacht verlesen werden. Zahlreiche Bürger aus Zerbst, Stadträte, aber auch Schulklassen vom Francisceum, der Ciervisti-Ganztagsschule und der Förderschule Güterglück wohnten der Zeremonie bei.

"Wer seine Augen vor der Vergangenheit verschließt, wird blind für die Gegenwart", zitierte Behrendt Richard von Weizsäcker. Er appellierte eindringlich, auch in Richtung der anwesenden Schüler, dass es unablässlich sei, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu beschäftigen. "Auch wenn es heute keinen unmittelbaren Bezug zum Holocaust gibt, können noch heute alte Probleme in einem neuen Gewand auftreten", mahnte Behrendt. Und so ist dieser Gedenktag nicht dem bloßen Gedenken gewidmet, sondern auch als Möglichkeit zu verstehen, dem Thema Holocaust zu begegnen und das Gedenken lebendig zu erhalten.

Dies ist auch der Ansatz hinter den so genannten Stolpersteinen, von denen bereits 34 Stück an sechs verschiedenen Orten in der Rolandstadt zu finden sind. Goldene, in den Boden eingelassene Steine erinnern an Zerbster Juden, die dem Holocaust nicht entkommen konnten. An deren ehemaligen Wohnstätten mahnen sie nun leise, doch stetig, die Vergangenheit nicht zu vergessen.

Die Förderschule Güterglück initiierte in Kooperation mit dem Albert-Schweitzer-Familienwerk Sachsen-Anhalt das Sammeln von Spenden für die Verlegung der Steine. "Im Moment ist es um uns etwas ruhig geworden", sagt Norbert Krampitz, pädagogischer Mitarbeiter an der Förderschule und Ciervisti-Ganztagsschule. "Aber wir haben bereits Gelder für weitere Steine zusammen und warten auf einen Verlegetermin", erzählt er. Diese Termine sind mit dem Projektbüro des Kölner Künstlers Gunter Demnig abzustimmen, der das Projekt "Stolpersteine" bundesweit ins Leben rief.

Paten gesucht

Die Verlegung ist jedoch nur das eine. Die Bedeutung dessen, was vor über 66 Jahren hier geschah, etwas anderes. "Wir erfüllen dieses Projekt mit Leben, in dem Einzelpersonen oder Gruppen Patenschaft für Stolpersteine übernehmen können", sagt Krampitz. Elf Patenschaften gibt es bereits.Zum Beispiel ist die Streitschlichtergruppe der Ciervisti-Schule ein Pate. "Wir haben den Holocaust beispielsweise gemeinsam besprochen, haben auch den Stein vor Ort gepflegt", erzählt Krampitz.

Dennoch bleibt es nicht aus, dass das Gedenken ständig wiederbelebt werden muss. "Es ist wichtig, an diesem Thema dranzubleiben", betont Krampitz. Und es sei wichtig, den Jugendlichen Orientierung zu geben. "Es macht Freude zu sehen, dass sich die Kinder auch gegenseitig erziehen, wenn es zum Beispiel um bestimmte Bekleidung geht."

Rund 50 Steine sollen später einmal in Zerbst ihren festen Platz finden. Und auch neue Paten sind für sie gern gesehen.