Bis zum 5. Oktober bietet sich im Zerbster Museum in der mit vielen lokalen Exponaten angereicherten Wanderausstellung "Heimat im Krieg" ein eindrucksvoller Blick auf den Ersten Weltkrieg. Auch in der russischen Partnerstadt Puschkin wird der europäischen Urkatastrophe gedacht.

Zerbst/Puschkin l Der Erste Weltkrieg (1914-18) spielte sich nicht allein an der Front ab. Bis weit hinter die Kriegsschauplätze, tief hinein in den Alltag reichten die Auswirkungen - anschaulich spiegelt dies die Wanderausstellung "Heimat im Krieg" wider, die seit 17. Juli im Museum der Stadt Zerbst Station macht. Angereichert mit privaten Leihgaben sowie Exponaten aus hiesigen Kirchgemeinden bietet die Schau einen unmittelbaren Einblick auf die Folgen dieser europäischen Urkatastrophe. Und noch immer bringen Leute Objekte vorbei. So ist erst am Wochenende eine Postkarte eingegangen, wie Agnes-Almuth Griesbach erzählt. "Die Ausstellung wächst weiter", lädt die Museumsleiterin ein vorbeizuschauen.

Zugleich berichtet sie vom gelungenen Start der Wanderausstellung, die bis zum 5. Oktober in Zerbst verbleibt. Danach wechselt sie nach Magdeburg. Die Schau sei "sehr gut angelaufen", sagt Agnes-Almuth Griesbach. Auch über das positive Feedback ihrer Kollegen aus anderen Museen und des Museumsverbandes freut sie sich. Und bereits jetzt liegen einige Anmeldungen für Gruppenführungen vor, beispielsweise von Schulklassen, aber auch des Polizeirevierkommissariats.

In Puschkin entsteht ein Museum zum "Großen Krieg"

Allerdings wird nicht nur bei uns des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges vor genau 100 Jahren gedacht. Immerhin ordnete dieses einschneidende Ereignis die bis dato in Europa herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse neu. So widmet sich auch die Zerbster Partnerstadt Puschkin/St. Petersburg diesem 17 Millionen Todesopfer fordernden Krieg, bei dem erstmals Maschinengewehre, Flammenwerfer, Panzer und Giftgas eingesetzt wurden. Anfang August findet ein zweitägiges Festival der Historie unter dem Titel "Krieg und Frieden 1914" statt.

Höhepunkt des Festivals wird die offizielle Eröffnung des Museums "Russland im Großen Krieg" im Gebäude der Staatlichen Kriegskammer sein. Bereits beim Eintritt Russlands in das Kriegsgeschehen beabsichtige damals Zar Nikolaus II. in der Kriegskammer, deren Grundsteinlegung 1913 in seinem Beisein erfolgte, ein Militärmuseum zu schaffen. Dieses von ihm angedachte Pantheon des Kriegsruhmes sollte zu Aufbewahrung von Kriegstrophäen und historischen Dokumenten dienen.

Die ersten Trophäen trafen dann auch schon 1914 von der Front in Puschkin ein. Eröffnet wurde solch eine Ausstellung erst nach der Februarrevolution 1917, schloss aber ihre Pforten bereits 1918. Nun erfolgt am 4. August die erneute Museumseröffnung, so Frau Olga Taratynova. Sie ist die Direktorin des Museumreservats "Zarskoje Selo" und maßgeblich beteiligt an der Einrichtung des neuen Museums.

Den Zerbstern ist Olga Taratynova keine Unbekannte, denn 2012 wohnte sie der Eröffnung der Katharina-Route bei. Außerdem unterstützte sie maßgeblich den Förderverein Schloss Zerbst bei der Organisation der momentan immer noch im Zerbster Schloss laufenden Fotoausstellung "Zarskoje Selo - die Sommerresidenz der Zaren Russlands". In ihrem auf gazeta.ru im Internet veröffentlichten Interview vom 20. Mai war zu lesen, dass es das einzige Museum Russlands sein werde, das dem Ersten Weltkrieg gewidmet sei. Somit ist Puschkin wieder um ein touristisches Angebot reicher.

Truppendarstellungen laden zur Interaktion ein

Am 24. Juli äußerte sich Olga Taratynova im Telefoninterview gegenüber dem Radiosender Stimme Russlands, dass das Thema des Ersten Weltkriegs in Russland noch wenig erforscht sei, da sich bisher nur ein kleiner Kreis von Historikern damit befasst habe. Jetzt sei es an der Zeit, diesen Teil der russischen Geschichte vor allem auch für die Schüler zu erschließen.

Während des Ersten Weltkrieges zählte man in Puschkin etwa 80 Lazarette, die in verschiedenen Palästen, Hospitälern und Privathäusern eingerichtet worden waren. Auch existiert ein Kriegsgräberfriedhof, auf dem die Gebeine der Angehörigen der Russischen Garde beigesetzt sind. Im Jahr 2008 erfolgte dort die Errichtung einer Gedenkstele.

Während des Puschkiner Festivals sind die Uniformen und Ausstattungen nicht nur der Soldaten der russischen Armee, sondern auch die der deutschen, französischen, englischen und österreichisch-ungarischen Soldaten zu sehen. Gezeigt werden ebenfalls verschiedene Kriegstechnik sowie die Automobile der Marken Ford und Studebaker jener Zeit. Bestaunt werden kann auch ein Modell eines der in den Vorkriegsjahren von den Gebrüdern Maurice und Henri Farman konstruierten Flugzeuge.

Des Weiteren planen die Organisatoren die Darstellung von Kriegslagern der Truppen der verschiedenen am Ersten Weltkrieg beteiligten Truppen, die zur Interaktion einladen sollen. Nicht zuletzt soll es historische Modenschauen sowie verschiedenen Musik- und Kulturprogramme geben.

Organisiert wird das Festival in Puschkin mit Unterstützung des Kulturministeriums der Russischen Förderation, der russischen militärhistorischen Gesellschaft sowie der Stadtverwaltung von Puschkin/St. Petersburg.