Zwölfmal pro Jahr befährt die Zerbster Bauverwaltung die Innenstadt-Straßen, um Schäden aufzunehmen und Maßnahmen zu veranlassen, damit sie verkehrssicher bleiben. Eine gute Gelegenheit, auch nach Winterschäden zu schauen.

Zerbst. Der Schnee ist weg. Der Monat Abstand zur letzten Kontrollfahrt schon lange. "Normalerweise sind wir innerhalb der Stadtmauer einmal im Monat auf Kontrollfahrt. Die äußeren kommunalen Straßen befahren wir einmal im Quartal, und zweimal jährlich wird jede Gemeindestraße in den Ortsteilen abgefahren." Bernd Köhler und Dietmar Habelmann, Amtsleiter und Sachbearbeiter, zwängen sich ins Dienstauto an diesem letzten Freitag im Januar. "Immer dieselbe Strecke, alles wird protokolliert." Aha. Im Kriechgang geht es über den Wächtergang. "Verkehrszeichen Ecke Wächtergang/Badergasse richten. Auftrag an Bauhof." Das Teil steht windschief im Park- und Wendebereich des Mehrgeschossers – und braucht tatsächlich wieder eine ordentliche Richtung. Bernd Köhler erzählt seine Schlussfolgerungen einem Diktiergerät, denn ordentlich schreiben kann man beim Fahren nicht.

Unfällen vorbeugen

Die kontinuierlichen Kontrollfahrten über die Zerbster Gemeindestraßen sind wichtig. Um Unfällen vorzubeugen, zugleich aber auch, um nicht in Haftung genommen werden zu können. Neben Straßenbeschaffenheit und -zustand sind vor allem auch ordnungsgemäße Verkehrszeichen wichtig. Also werden sie kontrolliert. "Wir bekommen Hinweise von den kommunalen Mitarbeitern, die immer auch ein Auge auf die Verkehrsinfrastruktur haben sollen. Und natürlich wenden sich auch Bürger mit Hinweisen an uns. Dazu kommen unsere Kontrollfahrten. So wissen wir eigentlich immer recht ordentlich Bescheid, wenn es Schäden gibt." Der Leiter Bauverwaltung hat so manchen Mangel jedoch auch bereits zum x-ten Mal diktiert. Im Weinberg beispielsweise: "Grundhafter Ausbau nötig." Dasselbe Prädikat erhielten auch die Klosterhöfe.

Im Auge behalten

<6>90 Kilometer Gemeindestraßen befinden sich allein in der Kernstadt Zerbst. Rund 1800 Straßenlampen sind installiert, rund 36 Kilometer der Gemeindestraßen haben einen Regenkanal. Und: Die Stadt hat 47 Brücken und noch mehr Durchlässe. All dies will im Auge behalten werden, denn ständige Benutzung sorgt für ständigen Verschleiß. "Wäre wirklich schön, wenn wir beim grundhaften Ausbau unserer Straßen noch mehr tun könnten." Bernd Köhler seufzt. "Viele Bürger meinen ja, wir hätten überhaupt noch keine ausgebauten Straßen. Das ärgert einen dann schon, denn beispielsweise die Breite oder die Heide haben sich nicht von selbst ausgebaut."

Wächtergang oder Schlossfreiheit übrigens auch nicht. Letztere hat wie viele andere Pflasterflächen auch im Winter ganz spezielle Angewohnheiten: Einzelne Pflastersteine stehen plötzlich knöchelhoch aus der Fläche heraus. "Die Plätze wurden nach dem Köthener Modell befestigt. Unter den Pflastersteinen ist eine feste Schicht eingebaut. Wie Beton", erklärt Dietmar Habelmann. Im Winter, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, sickert Wasser durch die Fugen unter die Steine, um dann dort zu gefrieren. Das treibt den Stein nach oben. Zurück kommt er schlecht, denn wie im Schuh findet sich stets ein störendes Stückchen Split, das den Stein verkeilt.

Direkt vor der Volksbank, auf dem vielfrequentierten Parkplatz, waren genau während der Kontrollfahrt Mitarbeiter der Firma "Zetieba" damit beschäftigt, die Steine gänzlich zu ziehen, um sie dann in richtiger Tiefe wieder einzulassen. "Aaah, Neckmanns Truppen. Na das flutscht ja." Der Auftrag an die "Zetieba" war wohl noch ganz frisch, und schon wird repariert. "Die Stadt hat einen Allgemeinvertrag mit der Zetieba. Sobald sich eine gefährliche Situation ergibt, muss repariert werden. Da kann man doch keine Ausschreibung veranstalten", erklärt Köhler.

Krater im Fußweg

Ganz anders die Schäden im nördlicheren Zerbst. Abgesehen von überall beschmierten oder verbogenen Verkehrszeichen zeichnen sich beispielsweise die Fußwege der Brüderstraße durch ihre Senkungsgebiete aus. "Hier halten sich die Ratten. Und dann kommt es vor, dass ein halber Quadratmeter Pflaster ganz plötzlich absackt, weil ein Gang eingestürzt ist. Da muss dann auch die Zetieba möglichst schnell ran." Ratten? "Doch doch. Die Häuser haben warme Kellerwände durch die Fernheizung, und offenbar finden sie auch genug zum Fressen. Hier muss jedenfalls immer wieder mal die Schädlingsbekämpfung gerufen werden."

Wieder anders das Bild auf den Betonstraßen durch Zerbst-Nord. Ein erheblich weggesackter Regeneinlauf wird aufs Band gesprochen. Ein alter Bekannter, wie sich herausstellt. "Aber so kann das nicht bleiben."

Die beiden Kontrolleure haben verstärkt auch nach Winterschäden geschaut – immerhin ist der Schnee gerade erst ein paar Tage weg. "Größeren Schäden haben wir in der Lusoer Straße und der Dessauer Straße. Da wird demnächst mit Kalt-mischgut repariert. Für eine ordentliche, wirklich haltbare Reparatur müsste man heißes Bitumen einbauen, und das gibt es zur Zeit nicht. Die Mischwerke produzieren im Winter nicht", erklärt Köhler. Also bleibt es vorerst beim Reparieren, "aber das hält eben nicht lange".

Die Innenstadt-Kurverei ist nach einer Stunde zu Ende. Zwei Tage zuvor wurden die ersten Ortsteile befahren. "Da stehen wir noch am Anfang. Ein Bestandskataster wie für Zerbst gibt es für die Ortsteile noch nicht. Aber wir sind dran", verabschiedet sich Köhler.