Pulspforde - keine 200 Einwohner, aber eine Deutsche Meisterin darunter. Nadja Köhler, 16 Jahre jung, holte mit der Jugendkadermannschaft bei der Deutschen Meisterschaft im Westernreiten die Goldmedaille.

Pulspforde l Mitte September konnten die fünf jungen Damen, die zum Team gehörten, im bayerischen Kreuth, diesen Erfolg feiern. Zehn Tage dauerte das Unternehmen. "Es war sehr schön, aber anstrengend", so Nadja Köhler. Schön, dass die Mannschaft zusammen war und immer einen Ansprechpartner hatte, anstrengend, da viel trainiert wurde.

Die junge Pulspforderin hat ihre Sache gemeistert. Vier Disziplinen waren zu absolvieren, vier der Reiterinnen gingen an den Start, ein Mädchen war Ersatz. Nadja musste in der Disziplin Trail für ihre Mannschaft reiten. Ob Horsemanship oder Trail hatte sich erst kurzfristig geklärt, eine Trainerentscheidung. "Im Laufe der Saison war ich besser im Trail", blickt Nadja zurück.

Obwohl Sachsen-Anhalterin startete Nadja in der Mannschaft des Landesverbandes Sachsen. Seit diesem Jahr gehört sie zu diesem Auswahlteam. Seit 2010 ist sie bereits in der Auswahlmannschaft von Sachsen-Anhalt. Für die Deutsche Meisterschaft kam hier allerdings kein Team zusammen. "Es gibt einfach nicht genug Turnierreiter", erklärt es die Gymnasiastin, die die 10. Klasse im Zerbster Francisceum besucht.

Es bedarf einer Menge Ehrgeiz, Trainingsfleiß, Disziplin und Unterstützung, um soweit zu kommen. Nicht zu vergessen, kommen Talent und ein gutes Pferd als Partner ins Spiel. Nadja und ihr Wallach, den sie kurz "Blue" nennt, sind ein Herz und eine Seele. Eigentlich heißt das Pferd "Blue Eyed CD". Das "Blue Eyed" mag von dem einen blauen Auge herrühren, das der Wallach hat. Das "CD" wohl vom Vater, der den skurrilen Namen "FF play my CD" trägt.

Blue ist jetzt neun Jahre, kam einst aus dem Berlin-Brandenburger Raum nach Trüben, hatte nur eine Grundausbildung, sollte verkauft werden. Nadja konnte ihre Eltern überzeugen ... Heute ist Blue Deutscher Meister, wie seine Reiterin. Er steht in Trüben auf der Silent Corner Ranch. Sechsmal die Woche ist Nadja bei ihrem Freund Blue und kümmert sich um ihn.

"Ich trainiere jeden zweiten Tag", erklärt die Zehntklässlerin. An den anderen Tagen gehen die beiden spazieren. Ihr Training absolviert Nadja inzwischen selbständig. Ab und zu nimmt sie in Trüben eine Stunde bei Westernreitlehrerin Andrea Rongelraths-Ganzer. Zwei-, dreimal im Jahr stehen Kurse auf dem Programm. Dazu kommt das Kadertraining, zu dem sie eingeladen wird.

Pferde und Reiten sind die große Leidenschaft der 16-Jährigen. Wovon andere Mädchen nur träumen können, ging für sie in Erfüllung. Seit zehn Jahren geht sie dem Hobby nach. Warum Westernreiten und nicht die englische Art? "Wir sind immer zum Kindergarten nach Garitz in Trüben vorbeigefahren", erinnert sich Nadja. Das habe sich dann so ergeben, das lag am nächsten. Die Eltern unterstützten ihre Tochter, die anfänglich auch Ambitionen zum Turnen hatte, aber die Begeisterung für die Pferde überwiegte.

Seit 2010 nimmt Nadja aktiv an Turnieren teil. 2012 stellte sich mit einem Landesmeistertitel der erste große Erfolg ein. Meist ist sie zu Turnieren mit ihrem Vater unterwegs, den Hänger mit Blue an den Pkw gehängt. Eine Reihe Titel folgten inzwischen, und es sollen noch mehr werden.

"Im nächsten Jahr würde ich gerne wieder bei der Deutschen Meisterschaft dabei sein", hat Nadja ein Ziel vor den Augen. Und dann soll dabei nicht nur eine Finalteilnahme für sie herausspringen, sondern zwei Finals hat sie sich vorgenommen. In diesem Jahr war für die Reiterin aus Pulspforde, die seit fünf Jahren auch Mitglied der Ersten Westernreiter Union ist, der 14. Platz im Finale in der Disziplin Western Horsemanship von 61 Teilnehmern herausgesprungen.

Mit den Landesmeistertiteln Sachsen-Anhalt in den Disziplinen Pleasure, Horsemanship und Trail im vergangenen Jahr, wurde Nadja Köhler kürzlich als "Nachwuchssportlerin des Jahres 2014" vom Kreissportbund Anhalt-Bitterfeld geehrt. Wenn Klassenkameradinnen sich nach der Schule treffen, fährt Nadja lieber zu ihrem Pferd. Und sie würde sogar noch mehr Zeit mit Blue verbringen, wenn sie könnte. Um die Schule kümmert sie sich abends. "Das klappt schon", sagt sie, "auch wenn die Tage manchmal etwas länger und die Nächte dann kürzer werden."

Pferde und Reiten sollen auch nach der Schule weiter Hobby bleiben, wirft die junge Dame einen Blick in ihre Zukunft. Etwas mit Naturwissenschaften nach dem Abitur zu machen, kann sie sich vorstellen. Doch bis dahin sind noch einige Trails zu reiten ...