Was soll man mit alten Kirchen machen, die nicht mehr gebraucht werden? Verfallen lassen? In Polenzko geht man andere Wege.

Polenzko l 18. Diese Zahl zeigt, wie viele Menschen in Polenzko noch Mitglieder der evangelischen Kirche sind. Dass sich für nur 18 Männer und Frauen keine ganze Kirche lohnt, dürfte auf der Hand liegen. Aber was macht man mit der Dorfkirche? Das Gebäude ist ja schließlich da.

Pfarrer Thomas Meyer hatte eine andere Idee. Er und seine Mitstreiter wollen die Kirchenräume anders nutzen. So gibt es seit 2012 die komplette Heilige Familie um Jesu Eltern, dem kleinen Jesu und den drei Weisen aus dem Morgenland aus Holz gefertigt.

"Horst Sommer hat die Figuren in freiwilliger Arbeit für uns erstellt", klärt der Pastor auf. Sommer ist ein Künstler aus Zerbst, der spät den Weg zum Glauben gefunden hat. So habe er nach seinem Kircheneintritt mit den Arbeiten an den Figuren begonnen, erinnert sich Meyer.

Mehrere Jahre benötigte der Künstler für seine Krippe, deren Figuren mehr als drei Meter hoch sind und rund 600 Kilogramm wiegen. "Als wir sie aufstellen wollten", blickt Pfarrer Meyer zurück, "haben wir Hilfe von der Feuerwehr gebraucht." Die Heilige Familie besteht in Polenzko aus Lindenholz. "Die Hölzer kommen aus dem Umland", weiß Meyer: "Die Eltern von Jesus stammen beispielsweise aus Dessau."

Dass die Kirche so genutzt wird, scheint auf dem ersten Blick eine gute Sache. Immerhin verfällt sie so nicht allzu schnell. Doch es gebe auch Widerstand in der Gemeinde. "Einige Leute haben noch gewisse Ängste, da die Kirche auch das ganze Jahr über rund um die Uhr offen ist", erklärt Meyer. Erst mit der Zeit verfliege diese Furcht.

Außerdem habe es bisher noch keine Diebstähle gegeben. "Und wir verdienen damit auch Geld", überrascht der Geistliche: "Die Leute kommen manchmal mit Bussen hierher und geben dann auch gern Spenden." Diese wiederum sollen in die Sanierung der Kirche fließen. Dazu seien mehr als 400 000 Euro nötig.

Damit die Weihnachtskirche in Polenzko voll und ganz dem Fest gewidmet ist, soll die Emporenbrüstung umgestaltet werden. "Der Kunstmaler Steffen Rogge aus Köthen wird die Felder der Brüstung abwechselnd mit Bildern und Texten zur Weihnachtsgeschichte nach Lukas schmücken", erläutert Meyer. Erste Teile sind bereits fertig. Die restlichen sollen alsbald folgen, hofft Thomas Meyer.

Wenn Weihnachten vorbei ist, geht es schon wieder auf Ostern zu. Auch zu diesem Fest gibt es eine besondere Kirche. In Trüben wurde eine Osterkirche begründet. Dort können die Besucher unter anderem mit Jesus Christus an einem Tisch sitzen.