Zerbst/Tornau l Ein frisch gerohdeter Streifen parallel zur B 184 zwischen Jütrichau und Tornau weckt seit Kurzem Spekulationen unter den vorbeikommenden Kraftfahrern. Dient der Kahlschlag womöglich als Vorarbeit, um einen weiteren Radweg anzulegen? Oder wird die Bundesstraße gar vierspurig ausgebaut? Beides verneint Jörg Amme vom Landesforstbetrieb Anhalt. Er kennt die Gerüchte aus Anfragen und weiß, dass es mancher bedauert, dass die Straße nicht verbreitert wird. "Die Maßnahme ist aus rein verkehrssicherungstechnischen Gründen erfolgt", erklärt er.

"Jedes Jahr mussten wir trockene Äste und Bäumen entfernen, die auf die Fahrbahn zu fallen drohten", erläutert der zuständige Revierleiter Frank Heyer nicht zuletzt im Hinblick auf starke Windböen und Stürme. Zumal die Bäume zur B 184, das heißt genauer zum Licht hin, wuchsen. Ein weiteres Problem resultierte aus den Roteichen und Kastanien, wie er schildert. Ihre herabfallenden Früchte lockten das Wild an, das somit direkt an der viel befahrenen Bundesstraße äste. Wildunfälle waren die Folge.

Aus diesen Aspekten heraus entschloss sich der Forstbetrieb in Abstimmung mit der Straßenmeisterei zur Schadensabwehr zu einer komplexeren Maßnahme. Auf einem durchschnittlich knapp zehn Meter breiten Streifen wurden die Bäume gerohdet - neben den schon erwähnten Eichen und Kastanien handelte es sich unter anderem um Birken und Robinien. Mitte Dezember begann die beauftragte Firma mit den Fällungen. Ganz abgeschlossen sind diese noch nicht. Einige "Problembäume" stehen noch aus, wie Frank Heyer erzählt. Diese sollen in Kürze beseitigt werden, wobei Kraftfahrer mit Einschränkungen rechnen müssen. "Der Verkehr wird in der Zeit mittels Ampel geregelt", bemerkt er.

Momentan wirkt die zwischen der Fahrbahn und dem Brandstreifen am Wald geschlagene Schneise recht trostlos. "Im nächsten Jahr sieht das schon wieder anders aus", sagt Jörg Amme. "Wir warten ab, was an Naturverjüngung passiert", erklärt Frank Heyer. An Stellen, an denen nichts Neues wächst, sind Nachpflanzungen angedacht. "Wahrscheinlich Nadelhölzer", nennt er als Beispiel die Douglasie. Auf keinen Fall werden erneut fruchttragende Baumarten wie Eiche, Kastanie oder Buche gepflanzt. "Wir wollen das Wild nicht unnötig an den Straßenkörper heranführen", begründet der Förster. Eine konkrete Entscheidung wird 2016 getroffen.