Nicht viele Wehren können von sich behaupten, dass ihre Mitgliederzahl steigt. In Güterglück ist es der Fall. Aber getreu dem Spruch "es ist nicht alles Gold, was glänzt", haben die Kameraden in Zukunft auch noch die eine oder andere Hürde zu überwinden.

Güterglück l Positive Zahlen verkünden nicht nur Politiker gern, sondern auch Wehrleiter. So auch Ralf Buchholz, oberster Feuerwehrmann in Güterglück. Bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Wochenende verkündete er einen Mitgliederzuwachs im Jahr 2014 von 36 auf 47. Davon sind 23 aktive Kameraden und 22 einsatzbereit. Der eine fehlende Kamerad ist noch nicht volljährig, somit zwar offiziell im aktiven Dienst, darf aber noch keine Einsätze fahren. Jedoch nimmt er an den Übungen "der Großen" teil. "Diese Zahl ist sehr beachtlich", lobte auch Tobias Möhsner, seines Zeichen Vorsitzender des Feuerwehrverbandes Köthen/Zerbst.

Probealarm in der Kritik

Auch mussten die Blauröcke zu sechs Einsätzen mehr ausrücken als noch 2013, darunter mehrere Feuerbekämpfungen. Für Aufsehen sorgte ein Alarm vom 9. November. An jenem Tag wurden die Feuerwehrleute alarmiert, kamen am Gerätehaus zusammen, erfuhren dann aber, dass es sich nur um einen Probealarm gehandelt hatte. "Eine etwas bessere Kommunikation hätte uns entgegenkommen können", monierte Ralf Buchholz noch immer in Richtung Landrat Uwe Schulz. In die gleiche Kerbe schlug Verbandschef Möhsner. "Auch wir sind ausgerückt", erinnerte er sich. "Später sagte mir der Landrat, er habe den Probealarm der Reichspogromnacht gewidmet." Raunen und Kopfschütteln bei den anwesenden Kameraden.

Problematisch ist die Platzsituation. "Uns fehlt ein richtiger Übungsplatz", hob Buchholz hervor. Man könne nur im Gerätehaus oder ab und an auf dem Sportplatz üben. "Da müssen wir noch etwas ändern", adressierte der Feuerwehrchef in Richtung der anwesenden stellvertretenden Ortsbürgermeisterin Katrin Sadurski. "Da können wir sicher auch als Ortschaft noch mehr machen", beruhigte sie die Kameraden. Nichtsdestotrotz könne man die technischen Dienste auch einmal nach außen verlagern, schlug Kamerad Matthias Miczka vor. "In der Tat sollten wir die Elbe und die Nuthe intensiver nutzen", räumte Christian Ganzer, stellvertretender Ortswehrleiter, ein.

Neben den fehlenden Plätzen, fehlt es auch an Haushaltsmitteln für eine Renovierung des Gerätehauses. "Wir würden auch gern anbauen, um mehr Platz - beispielsweise für die Kinder- und Jugendwehr - zu haben," erklärte Ralf Buchholz. Noch stehen dafür keine ausreichenden finanziellen Mittel im Stadthaushalt Zerbst zur Verfügung.

Neuer Maschinist soll ausgebildet werden

Ausreichend Geld sei aber für die Ausbildung eines weiteren Maschinisten vorhanden. "Die Stadt hat genug Geld, um einen Lkw-Führerschein zu bezahlen", verkündete der Wehrleiter strahlend. Dieser wird auch dringend benötigt, denn tagsüber seien von sechs vorhandenen Maschinisten zum Teil nur vier einsatzbereit. Im schlimmsten Fall könne man nicht mit voller Kraft ausrücken.

Damit diese Probleme in Zukunft erst gar nicht passieren, ist auch die Mitgliederwerbung im Nachwuchsbereich verbesseret worden. Einmal zählen dazu die Homepage, der Facebook-Auftritt und die App (siehe Beitrag unten). Aber auch die starke Jugendwehr. Sie ist ebenfalls gewachsen und habe bei zahlreichen Ausscheiden "keine schlechte Figur" gemacht, wie Benjamin Boer stellvertretend für Jugendwart Maximilian Will erklärte.

Letztgenannter gab am Wochenende zudem seinen Rücktritt bekannt. Die Zeit fehle einfach, ließ er mitteilen. Als dessen Nachfolger wurde prompt Benjamin Boer bestimmt.

Auch bei den ganz Kleinen gab es Zuwachs. Hatten sie im ersten Halbjahr 2014 gerade einmal zwei Mitglieder, sind es zum Ende immerhin schon acht gewesen.

 

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