In Zerbst soll bald ein neues Hospiz eröffnen. Volksstimme-Redakteurin Ariane Amann sprach mit Dr. Anja Schneider und Dr. Günther Scheithaur von der Anhaltischen Hospiz- und Palliativgesellschaft gGmbH über Hospizarbeit und Palliativmedizin.

Volksstimme: Was macht die Hospizarbeit eigentlich so wichtig?

Dr. Anja Schneider: In den Hospizdiensten, ob ambulant oder stationär, werden schwerstkranke und sterbende Menschen betreut. Ziel ist es, diese Patienten so lange so möglich und so viel wie möglich am normalen Alltag teilhaben zu lassen.

Was gehört alles zur Hospizarbeit dazu?

Schneider: Vor allem geht es darum, die Familien gemeinsam zu begleiten und sich nicht ausschließlich um den kranken Menschen zu kümmern, sondern auch um die Angehörigen. Natürlich ist auch die Pflege des Patienten sehr wichtig, aber auch für die Familie sind wir da. Zum Beispiel helfen wir bei der Trauerarbeit, die nicht erst mit dem Tod des geliebten Menschen beginnt, sondern oft schon mit dem Erkennen der unheilbaren Krankheit.

Was muss bei der Hospizarbeit alles berücksichtigt werden?

Schneider: Wir versuchen selbstverständlich, die Wünsche der Patienten zu berücksichtigen. Viele Menschen wollen gern zu Hause sterben, wo sie sich wohlfühlen. Andere wollen das ihren Angehörigen nicht zumuten und fühlen sich in einem stationären Hospiz besser aufgehoben. All diese Möglichkeiten gibt es, die Wünsche des Patienten stehen dabei im Vordergrund. Oft spielen auch die Familienstrukturen eine Rolle, die bedacht werden müssen, denn die klassische Großfamilie gibt es meist nicht, in der jeder jedem immer helfen kann.

Welche Rolle spielt die Hospizbegleitung für die Angehörigen?

Schneider: Die Mitarbeiter des Hospizdienstes können die Angehörigen entlasten, die ihre Lieben oft jahrelang 24 Stunden am Tag pflegen. So wird es für die Angehörigen möglich, auch mal aus dem Alltag auszubrechen und Kraft zu schöpfen, während der Patient oder die Patientin trotzdem gut versorgt ist. Im Hospiz können sich die Patienten in guten Händen wissen, denn ein Krankenhausaufenthalt ist nicht immer die einzige Möglichkeit zur Betreuung, wenn die Familie ausfällt.

Die Palliativmedizin ist eine Stütze der Hospizarbeit. Was versteht man darunter?

Dr. Günther Scheithaur: Palliativ kommt vom lateinischen Pallium, was Mantel bedeutet. In der Palliativmedizin kümmern wir uns um das Wohlergehen und um das Lindern der Krankheitszeichen. In der Palliativmedizin kann zum Beispiel bei Krebs Übelkeit bekämpfen oder Atemnot. Es geht also vordergründig nicht um das Heilen der Krankheit, was meist nicht möglich ist, sondern um den würdevollen Umgang damit.

Was kann die Palliativmedizin noch leisten?

Scheithaur: Sie kann beim Beschaffen von praktischen Hilfsmitteln wie Pflegebetten, Wannenliftern und Rollstühlen helfen. All diese Dinge erleichtern sowohl den Patienten als auch den Angehörigen das Leben ungemein. Es geht um eine ganzheitliche Betreuung, in der nicht nur die Zeichen der Krankheit gesehen werden, sondern auch das familiäre Umfeld und die seelische Verfassung der Beteiligten.

Und wer kümmert sich um die seelische Verfassung der Betreuer im Hospizdienst?

Scheithaur: Dafür gibt es regelmäßige Besprechungen für unsere Mitarbeiter, zusätzlich auch nach Bedarf.