Steutz l Ein interessiertes Publikum, das an die 40 Köpfe zählte, fand sich in der vergangenen Woche zum Vortragsabend in der Schauschmiede in Steutz ein. Der Verein Ländliches Leben Steutz/Steckby hatte Andreas Berbig von der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe, Referenzstelle Wolfsschutz, gewinnen können, über die Rückkehr der Wölfe in Sachsen-Anhalt zu referieren.

Seit dem Jahre 2008 nimmt die Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe die Aufgabe als Referenzstelle für Wolfsschutz im Land wahr. Dabei geht es um die Erfassung und Überprüfung von gemeldeten Wolfsbeobachtungen, um die Information von Nutztierhaltern über Maßnahmen zur Schadensvorbeugung sowie Voraussetzungen für einen Schadensausgleich. Es werden Maßnahmen zur Schadens-prävention begleitet, bei Verdacht auf Wolfsübergriff werden Rissgutachten erstellt. Dabei findet eine Zusammenarbeit mit den Unteren Naturschutzbehörden, dem Landesverwaltungsamt, den Veterinärämtern, mit ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie Verbänden und Vereinen statt.

Nachdem die Wölfe mehr als 100 Jahre lang in Deutschland ausgerottet waren, konnte Andreas Berbig nun von mindestens 26 Rudeln in Deutschland berichten. Vor über zehn Jahren wurden erstmals dauerhafte Ansiedlungen in der sächsischen Lausitz nachgewiesen. Seit 2008 sind sie auch in Sachsen-Anhalt wieder heimisch. Von einem Rudel auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow setzte die Besiedelung in Sachsen-Anhalt ein. Inzwischen sei von sechs Rudeln und einem territorialen Einzelwolf auszugehen. "Es gibt mehr Wölfe, als die Zahlen sagen", so Berbig.

Das freut die Wolfsbefürworter, schürt jedoch die Ängste eines Teils der Bevölkerung. Der Wolf ist und bleibt schließlich ein Raubtier. Immer wieder sind Übergriffe von Wölfen in den Schlagzeilen der Medien. Es sind Nutztiere, die dem Wolf zum Opfer fallen, zu 90 Prozent Schafe. Recht nahe kommt der Wolf bei solchen Vorfällen an Dörfer heran, an die Häuser der Menschen. Viele glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Mensch angefallen wird... "Die Ängste kann ich verstehen", erklärte Andreas Berbig. Doch bislang gibt es keinen Nachweis von Übergriffen des Wolfs auf Menschen. Wenn es Probleme gibt, wird man reagieren müssen. Irgendwann kommt vielleicht der Punkt, über die Bejagung nachzudenken.

Aber vorerst hat man sich die natürliche Wiederbesiedelung des Wolfs auf die Fahne geschrieben. Man betreibe ja keine aktive Ansiedelung, erklärte Berbig in der Pro- und Kontra-Diskussion mit dem Publikum, wo es die Meinung gab, dass die Gesellschaft eigentlich mit dem Wolf zurande kommen müsste. Allerdings sollte die Sache nicht auf dem Rücken der Schafzüchter ausgetragen werden.

Auch die Erläuterungen zu Schutzmaßnahmen für Tierhalter, Fördermöglichkeiten und Entschädigungszahlungen gehörten zum Vortrag. Mitglieder des Vereins Ländliches Leben sorgten derweil für das leibliche Wohl der Gäste.