Zerbst l Mitten im Raum von der Decke herab hängen die Schicksale von 574 Menschen. Es sind die Opfer des Luftangriffes auf Zerbst am 16. April 1945. Die Faksimiles ihrer Sterbeurkunden bilden den eindrucksvollen Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Museum. Die unscheinbaren Dokumente erzählen vom sinnlosen Tod, der an jenem so schönen Frühlingsmorgen über die Stadt hereinbrach. "Insofern kann der Widerspruch nicht grausamer sein", blickt Bürgermeister Andreas Dittmann auf das Bombardement zurück, das Schutt und Asche hinterließ. Zu gut 80 Prozent wurde Zerbst zerstört.

70 Jahre ist das nun her. "Das scheint eine lange Zeit zu sein, in der Wunden heilen können. Dennoch sieht man der Stadt die Narben heute noch an", erklärt Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach. Die Ruinen von St. Bartholomäi, der Nicolai-Kirche und dem Schloss würden "mahnen, wie zerbrechlich unser Leben ist". Die Recherche, das Sichten der Quellen, der Bilder und handschriftlichen Erlebnisse, habe sie bedrückt gemacht. Wenn Stahlhelme und Gasmasken in ganz alltägliche Dinge umgestaltet werden, "fragt man sich, wieso es überhaupt dazu kam".

"Als Nachgeborene können wir das nicht nachempfinden", sagt Andreas Dittmann. Die gezeigten Fotos einer kaum mehr erkennbaren Stadt lassen das Ausmaß nur erahnen. Bei den Zeitzeugen rufen sie tiefe, aufwühlende Emotionen hervor, lassen Kindheits- und Jugenderinnerungen wieder lebendig werden. "Doch wir bleiben nicht 1945 stehen", bezieht sich der Bürgermeister auf den ebenfalls dargestellten Wiederaufbau von Zerbst. Er dankt jenen, die nicht resigniert, sondern zugepackt haben.

Agnes-Almuth Griesbach wünscht sich, dass die Ausstellung zum regen Austausch anregt. "Ich würde mich freuen, wenn viele kommen und etwas erzählen", hofft sie auf eine weiterführende Bearbeitung des so wichtigen Themas der Stadtgeschichte.

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