Pakendorf l Der 16. Januar 2014 ist Schäfer Rainer Frischbier im Gedächtnis geblieben. An diesem Morgen fand er seine Schafherde außerhalb des Zauns, drei Tiere tot und eines so schwer verletzt, dass ein Tierarzt es einschläfern musste. Die Sachverständigen waren sich einig: Wahrscheinlich hatte ein Wolf oder auch mehrere die Schafe gejagt und gerissen.

Was dann folgte, war für den Schäfer nervenaufreibend. Über verschiedene Gutachten und Protokolle beantragte er eine Entschädigung für die Tiere beim Landesverwaltungsamt in Halle. Nach Gutachterbesuchen konnte er den Antrag auf Entschädigung beim Amt im Oktober 2014 stellen, im März 2015 wurde dieser bewilligt - allerdings nur rund zur Hälfte. Von den beantragten 2440 Euro erhielt er 1330 Euro.

Der Grund: Schäfer Frischbiers Gutachten vom Fachtierarzt basierte auf den Zahlen der Tierseuchenkammer Nordrhein-Westfalen, die Zahlen des Landesverwaltungsamtes beziehen sich aber auf Zahlen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. "Für Sachsen-Anhalt gibt es derzeit keinen vergleichbaren Schätzrahmen, darum greifen wir auf die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen zurück. Diese berücksichtigen aktuelle Werte und dreimonatige Durchschnittspreise für Schafe und Lämmer", erklärt Gabriele Städter aus der Pressestelle des Landesverwaltungsamtes.

Zusätzlich hat das Amt auch die Kosten für die Bergung der toten Tiere und das Einschläfern des verletzten Schafes gestrichen. Laut eines Erlasses des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt sind diese einfach "nicht erstattungsfähig", der Schäfer bleibt auf diesen Folgekosten des Wolfsangriffs sitzen. "Ich kann nur hoffen, dass solche Angriffe nicht öfter vorkommen. Sonst muss ich am Ende noch den Schäferhut an den Nagel hängen", sagt Rainer Frischbier.