Die Apothekerin Edith Seidler überraschte vorgestern die Kinder der Zerbster Kindertafel mit neuen Badminton-, Tischtennisschlägern und Bällen. Der andere Teil der 500-Euro-Spende ging per Scheck an die Einrichtungsleiterin Birgit Brandtscheit. Davon werden in Zukunft neue Möbel für die Tafel gekauft.

Zerbst. Die zum vierten Mal durchgeführte Kalenderaktion der Rats- und Stadtapotheke machte diese Spende erst möglich. Für 50 Cent wurden die Kalender für das Jahr 2010 verkauft, um sie dann der guten Sache zu spenden. " Ein ganz großes Dankeschön an die Patienten, die bereitwillig gespendet haben ", betont Überbringerin Edith Seidler. Die Idee, den Erlös der Zerbster Kindertafel zukommen zu lassen, ist im Kollegenkreis geboren. " Wir haben darüber diskutiert und seitdem es die Kindertafel gibt, war es eigentlich eindeutig, wohin wir spenden ", so die Apothekerin.

Freudestrahlend nahmen die Kinder am Dienstagnachmittag bei herrlichem Sonnenschein die Spielsachen entgegen, um auch gleich einige davon auszuprobieren. " Wir sind auf solche Spenden eben angewiesen und wie viel sie bewirken können, sieht man heute ", sagte die Einrichtungsleiterin der Zerbster Tafel, Birgit Brandtscheit.

Ein seltener Lichtblick am sonst dunklen Horizont für die Zerbster Tafel. " Unsere Lage ist im Moment schwierig, vor allem die Lebensmittelzufuhr ebbt immer weiter ab ", umreißt die Einrichtungsleiterin die momentane Situation. Die ansteigende Anzahl von notdürftigen Familien kann immer weniger aufgefangen werden. " Wir müssen schon immer kleinere Pakete zusammenstellen und werden dann sehr traurig angeguckt ", verdeutlicht Birgit Brandtscheit die missliche Lage.

Allerdings muss auch hier das Leben weitergehen und so lässt man sich in der Zerbster Kindertafel nicht unterkriegen. Für das kommende Jahr ist noch ein Ferienprojekt geplant, für jenes die Kindertafel gestern die Spielsachen bekam. Ein gefördertes Projekt, was aber die Mithilfe der Eltern verlangt. " Die Lebensmittel werden gestellt, aber kochen müssen die Eltern ", beschreibt Brandtscheit das Projekt. " Es wird immer wichtiger, die Eltern mit einzubeziehen, damit auch ihre Lebensfreude wieder steigt ", erklärt sie die Absicht dahinter und fügt hinzu : " Den Eltern muss klar werden, dass man für die Hilfe, die man bekommt, auch etwas leisten muss. "

Neben dem Ferienprojekt werden zwei weitere Räume für die Kinder saniert, auch unter Mithilfe der Eltern. Hier steht es in den nächsten Tagen an, neue Möbel zu besorgen. " Immer step bei step, man soll die Kinder auch nicht überfordern ", erklärt die Leiterin die Vorgehensweise.

Auch das Thema Freitische ( Volksstimme berichtete ), wobei Kinder aus sozial bedürftigen Familien kostenlos am Schulessen teilnehmen können, ist bei der Einrichtungsleiterin ein diskussionswürdiger Punkt. " Die Idee dahinter ist gut, aber wie sie umgesetzt wird, ist erschreckend ", erklärt sie. " Es reicht nicht mehr aus, Hartz IV-Empfänger zu sein, sondern gleichzeitig muss eine schwere Krankheit vorhanden sein und das kann es nicht sein ", redet sich Brandtscheit in Rage.

Dass diese Kinder möglicherweise in der Schule gebranntmarkt sein könnten, sieht die Leiterin keineswegs als Problem. " Es ist traurig, aber wahr, dass dieser Umstand heutzutage einfach normal ist und die Kinder in Sekundarschulen dann nichts mehr Außergewöhnliches darstellen, sondern einer von vielen sind ", erklärt sie.

Damit das Sommer-Feriencamp für jeden ein großer Spaß wird, sucht die wohltätige Einrichtung noch Schlafsäcke. " Für jede Spende ist die Zerbster Kindertafel mehr als dankbar ", sagt Einrichtungsleiterin Brandtscheit.