Getreu seinem Motto "Der Weg ist das Ziel" erkundete Weltenradler Thomas Meixner Afrika. Von Kairo aus näherte sich der leidenschaftliche Pedalritter auf der Ostroute seinem Ziel: Kapstadt. Als er dort eintraf, hatte er über 27 000 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt. Manche Strapaze und viele unvergessliche Erlebnisse lagen da hinter dem gebürtigen Wolfener. Im "Dorfkrug" Nutha ließ er am Sonntag zahlreiche interessierte Zuhörer an seiner eindrucksvollen Reise teilhaben.

Nutha. In 15 Monaten durchquerte Thomas Meixner 25 Länder und legte 27 315 Kilometer zurück. Doch das sind nur die Eckdaten. "Mir geht‘s nicht um Rekorde. Ich nutze das Fahrrad, um Land und Leute kennenzulernen", wendet sich der 45-Jährige am Sonntag an die vielen vor ihm sitzenden Zuhörer. Zum zweiten Mal ist er im Nuthaer "Dorfkrug" zu Gast und wieder ist der Saal der Gaststätte völlig ausverkauft. Über 70 Frauen und Männer warten gespannt auf den Beginn der Dia-Show, die sie mitnehmen soll auf eine gut zweistündige Reise durch den Osten Afrikas.

Die Tour begann für Thomas Meixner in seinem heimischen Basislager, das er bei Bitterfeld im Bauernhaus eines Freundes errichtet hat. Dort schwang er sich in den Sattel. Seine Route führte den gelernten Elektroinstallateur mit dem ausgeprägten Fernweh zunächst durch Südosteuropa bis in die Türkei, die einen ebenso nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterließ wie Syrien und die Sinai-Halbinsel. Aus den dortigen Erlebnissen möchte er einen separaten Vortrag machen, verrät der Weltenradler. An diesem Nachmittag fasst er seine sechsmonatige Anreise bis Ägypten in einem kurzen Bilder-Potpourri zusammen.

Als Thomas Meixner den afrikanischen Kontinent erreichte, hatte er bereits die ersten 12 000 Kilometer hinter sich gelassen. Nun stürzte er sich in den "höllischen Verkehr" Kairos. Zwei Wochen blieb er in der 20 Millionen Einwohner-Metropole und sah sich alles genau an. Neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie den Pyramiden und den Ruinen von Memphis galt sein Augenmerk der Bevölkerung. Er beobachtete Männer beim Tee trinken und Wasserpfeife rauchen. Dazwischen fielen ihm jedoch immer wieder Menschen auf, die Müll transportierten. So entdeckte der gebürtige Wolfener abseits der Touristenpfade den Stadtteil der Müllsammler. Als riesiges Recyclinglager beschreibt der Pedalritter das Viertel, das ein säuerlicher Geruch durchzog. "Jede Medaille hat zwei Seiten", motiviert Thomas Meixner sein Publikum, sich nicht von einseitigem Glanz täuschen zu lassen. Gerade nicht in Afrika, das sich für ihn als Kontinent mit vielen Gegensätzen entpuppte.

Von der turbulenten Großstadt tauchte der Weltenradler ein in die angenehme Ruhe der Westsahara. Die Wüste passierte er auf einer Asphaltstraße, die ihn von Oase zu Oase brachte. Dann traf er den Russen Juri, der ganz spezielle Radlerhosen trug – seine Mutter hatte sie ihm aus der Bespannung von Regenschirmen genäht.

Die Beiden fuhren gemeinsam weiter. Zusammen wagten sie sich auf den "rostigen Seelenverkäufer" von einer Fähre, der sie über den Nasserstausee zum Wadi Halfa im Sudan bringen sollte. Nun mussten sie einen sandigen "Nilradweg" bewältigen. "Physisch war das enorm", gibt Thomas Meixner zu, der wenig später auf seinen von Reifenpannen geschlagenen Begleiter verzichten musste.

"Der Sudan war das schönste Land"

"Der Sudan war mit Abstand das schönste Land in Afrika", erinnert sich der 45-Jährige nur zu gern an die dort herrschende Gastfreundlichkeit. Aus einer Einladung zum Tee wurde erst ein Essen und schließlich eine Übernachtung. Ganz anders stellte sich die Situation in Äthiopien dar. "Dort ist man ständig umringt von Menschenmassen", schildert Thomas Meixner die unangenehme Erfahrung. Weil er selbst grundsätzlich nichts gibt, um die Leute nicht zum Betteln zu motivieren, flogen da schonmal die Steine. Zudem "ist es eine unsichere Gegend, weil noch viele Waffen im Umlauf sind", erläutert der sportliche Abenteurer. Er zeigt ärmlich gekleidete Sudanesen, die nicht einmal Schuhe besitzen, aber stolz eine blank polierte Kalaschnikow in Händen halten.

Gut 7000 Motive hat der passionierte Radler während seiner Afrika-Tour auf Celluloid gebannt. Einen Bruchteil der ausdrucksstarken Fotos präsentiert er bei der Dia-Show. Einige unterlegt er mit originalen Tonaufnahmen wie jene, die er an einem Freitagabend auf einem Friedhof in Khartoum machte, als er Derwischen bei ihren Ritualen zuschaute. In der sudanesischen Hauptstadt begegnete Thomas Meixner auch einem Landsmann, dem Sachsen Frank, der sich zu seiner Verblüffung ganz ohne Englischkenntnisse durchschlug und mit dem er bis Addis Abeba radelte. Frank war ebenfalls bei ihm, als er schwer stürzte und sich die Bänder am Schlüsselbein riss. Glücklicherweise ließen die Schmerzen in der Schulter bald nach. So konnte sich Thomas Meixner um ein wichtiges Anliegen kümmern, für das er vor seiner Reise 4500 Euro Spenden gesammelt hatte. Fließen sollte das Geld nun in zwei Grundschulen der äthiopischen Hauptstadt, für die sein Projektpartner Solomon weitere 7500 Euro zusammengetragen hatte. "Wir haben eine Bibliothek neu gebaut und die alte Aula renovieren lassen", berichtet der 45-Jährige. Außerdem konnten sie ein Wasserprojekt zu Ende bringen.

Als das alles abgeschlossen war, brach der Weltenradler wieder auf. Bei 35 bis 40 Grad im – nicht vorhandenen – Schatten kämpfte er sich über eine 500 Kilometer lange Sandpiste durch Kenia. Als der weiche Sand wich, stellten kindskopfgroße Steine Thomas Meixner vor die nächste Herausforderung und bescherten ihm eine Reifenpanne. In Nairobi erhielt er die Gelegenheit, einen Slum zu besuchen. Einen deutlichen Kontrast zu den provisorischen Wellblechhütten, in denen die Menschen unter katastrophalen Bedingungen auf engen Raum leben, bildete die zauberhafte Landschaft mit ihrer einzigartigen Tierwelt. Bilder von Elefanten, Löwen und Straußen projiziert der 45-Jährige genauso auf die Leinwand wie Fotos von Aids-Waisen.

Über Tansania, Malawi und Sambia näherte er sich schließlich Botswana und Namibia, bevor endlich der Tafelberg vor ihm auftauchte. Thomas Meixner hatte sein Ziel erreicht. Zweieinhalb Monate blieb er in Kapstadt. Eigentlich wollte er per Boot oder Schiff seinen Rückweg antreten. Doch das klappte nicht. So flog der Weltenradler nach München zurück, von wo aus er die restliche Strecke – natürlich – mit dem Fahrrad bewältigte.

www.thomasmeixner.de