Der Stadtrat Zerbst ist gefordert, die einzelnen Gestaltungsarbeiten im Schlossgarten zu sortieren. Zudem sollen die Zerbster Bürger dabei mitgenommen werden - ein Merkmal, dessen sich die Verwaltung und auch das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege bislang stets sicher wähnten.

Zerbst. Etwa 50 Zerbster Einwohner und Stadträte nutzten am Donnerstagabend die Chance, die denkmalpflegerische Rahmenkonzeption für den Zerbster Schlossgarten näher erläutert zu bekommen. Die Veranstaltung entsprach dem Appell, nicht zu polemisieren, litt jedoch unter der gewohnt schlechten Akustik im Zerbster Ratssaal, wenn auf Lautsprecher-Technik verzichtet wird.

Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer rief zu Beginn die Fakten ins Gedächtnis. Im April 2008 wurde der Plan beschlossen. Einstimmig. 18 der damaligen Stadträte sind dies noch heute. Im Dezember desselben Jahres wurde festgelegt, dass die 2009-er Vorhaben im Stadtrats-Fachausschuss erläutert werden sollten, was prompt und seither kontinuierlich geschah.

Uwe Merz, Landschaftsarchitekt aus Dessau und von der Stadt für das Gesamt-kapitel "Schlossgarten" unter Vertrag genommener Planer und Ausführungsbegleiter, gab einen Überblick zum bereits mehrfach öffentlich dargestellten Stand der Dinge.

Eine Reihe von Veränderungen

So habe der Glücksfall, gleich im Anschluss an die Plan-Beschlussfassung 2008 in eine Beschäftigungsmaßnahme mit zehn Teilnehmern eintreten zu können, zu einer Reihe von Veränderungen führen können: Eine Allee entlang des Corthums Weges entstand, gegenüber hat die Stadtmauer jetzt wieder Spalier und Rebstöcke, es gibt die nachempfundenen einstigen Teiche, die Grotte ist freigelegt, das Teehäuschen ebenso, die von Nordosten einst in den Schlossgarten fließende und zur Stadthalle drängende Nuthe ist als Trockengraben nachempfunden.

Dies mündete im Herbst 2010 in die ganz regulär und als unproblematisch empfundene Maßnahme, den "Mittelweg" zu entfernen, wie es der Plan vorsieht. Dies wurde nach Bürgerprotesten gestoppt, die zehn Helfer wurden zügig umorientiert auf den Weg am Rande der Wiese, im Zerbster Volksmund als "Koniferenweg" oder "Trockenmauerweg" bekannt. Er sollte anfangs behutsam freigeschnitten werden, um den Blick aufs neuerdings vor der Stadthalle befindliche Katharina-Denkmal zu eröffnen. Hieraus, und das bestätigte später vor allem Bau- und Stadtentwicklungsausschussvorsitzender Helmut Seidler, ergab sich die "logische Fortentwicklung des ersten Gedankens: Wir ziehen die Verlegung des Weges als Maßnahme nun in Gänze vor und nutzen so die noch verbleibende Zeit der Beschäftigungsmaßnahme."

Zugleich wurde auch das Teehäuschen von jahrzehntelang ungehindert wucherndem Gesträuch befreit, was dann, als die gesamte Böschung des einstigen Westflügels ebenfalls sämtliches Gewächs verlor, den Blick direkt auf die beiden Douglasien fallen ließ. Seidler äußerte ganz deutlich seine Position: Sie würden weiter wachsen, vielleicht 60 Meter hoch. Sie schränken den Blick auf die breite Stadthallen-Fassade ein, sie passen nicht zu den benachbarten ausgewachsenen Platanen. "Kein Gartenplaner würde diese Bäume an dieser Stelle anordnen", sagt Seidler und Merz nickt heftig. Allerdings: Ob Mittelweg und Douglasien nun entfernt werden oder bleiben, wird der Stadtrat zu entscheiden haben.

Heike Mortell vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle nahm die Gäste dann mit auf einen formellen Exkurs über denkmalpflegerische Rahmengestaltungspläne als solche. Wissenschaftliche Arbeit liege ihnen zugrunde, eine Auswahl letztlich zwischen den verschiedenen gestalterisch ablesbaren Epochen des betreffenden Gebietes sei stets erfolgt. Für den Zerbster Schlossgarten habe man eben nicht auf das Aussehen zu Zeiten des Barock zurückgegriffen, vielmehr auf seine Gestalt nach Umgestaltung zum Landschaftsgarten zur Zeit von Fürst Franz von Anhalt-Dessau. Der Zustand sei am besten dokumentiert und würde zugleich auch am ehesten heutige Nutzungsansprüche integrieren.

Die Diskussion zum Thema eröffnete Stadtrat Hans-Ulrich Müller (UWZ). Vieles sei wirklich schön geworden. Anderes sei weiter "misslich", sprach er die Tribüne an, die teils auf den Fundamenten des Schlossmittelflügels, teils dem einstigen Wassergraben Mitte des vorigen Jahrhunderts errichtet wurde und zu zwei bis drei Anlässen im Jahr spektakuläre Veranstaltungen auf der Schlosswiese gut verfolgen lässt.

Walter Tharan erklärte, die Zerbster hätten die gesamte Umgestaltung sehr interessiert verfolgt. Im letzten halben Jahr sei dies aber vor allem "massive Naturzerstörung" gewesen. "Es gibt eine allgemeine Unzufriedenheit mit Teilen des Planes", sagt er. Man sollte "nachdenken, ob man den Beschluss zurückholt". Allerdings seien durch die aktuellen Arbeiten bereits neue Fakten geschaffen worden - gestalterische (die Gewächse fehlen) und finanzielle (die weiteren Arbeiten kosten Geld). Tharan leidenschaftlich: "Die Douglasien verhindern, dass die Stadthalle völlig kahl vor einer tristen Fläche steht." Das Konzept möge variiert werden, damit es besser angenommen wird.

Matthias Crain erklärte, der Schlossgarten wäre an vielen Stellen "jetzt besser gepflegt". Die Douglasien anzuholzen, sei jedoch falsch. "Es geht hier doch nicht darum, dass Sie sich hier verewigen, sondern dass wir uns wohlfühlen!", wandte sich der Zerbster an Planer, Verwaltung und Denkmalpflege.

Andreas Dittmann, der Zerbster Kulturamtsleiter, verwies auf den Dissenz, den er von Beginn an zur denkmalpflegerischen Rahmenplanung hatte. "Ist der Park für die Wissenschaft da oder die Menschen?" Zwar sei vieles tatsächlich schön und mache die Geschichte des Parks sichtbar, jedoch würden Wasserläufe ohne Wasser nicht viel hermachen. Es sei dringend geboten, die bevorstehenden Maßnahmen zu sortieren, einer Prioritätensetzung zu unterziehen. "Und die Maßnahmen sollen vor allem auch die Zerbster Bürger mitnehmen."

Grundsatzfrage muss beantwortet werden

Eine Vielzahl von Wortmeldungen und Antworten dazu folgten. Heike Mortell betonte, es sei Sache der Stadt, in welcher Reihenfolge und ob überhaupt umgestaltende Einzelmaßnahmen erfolgen. Bislang jedoch sei mit dem "vergleichsweise unglaublich kleinen Budget von weniger als 10 000 Euro jährlich Erstaunliches und sehr Schönes geleistet worden". Sie hält die Sicherung der Orangerie-Ruine für das drängendste Problem. Und bekam dazu allgemeinen Zuspruch. Helmut Seidler findet, der Stadtrat müsse nun endlich die Grundsatzfrage beantworten: Was soll aus den Gebäuden und -resten im Schlossgarten werden?

Andreas Fischer nahm Seidlers Vorschlag, sich erneut zum Schlossgarten öffentlich auseinanderzusetzen, "gern auf". Günstiger Zeitpunkt wäre im August/September, wenn es um die Vorhaben für 2012 geht, die in den Haushaltsplan müssten. Er warb abschließend dafür, die Umgestaltung des Schlossgartens "wie ein Bühnenstück" zu betrachten.

"Das Geschehen läuft in einzelnen Akten ab. Es braucht Geduld und vielleicht auch Zugeständnisse über den Verlauf des Stücks hinweg."