Während die Einen sich am Grünen und Blühen erfreuen, leiden Andere unter dem stetig zunehmenden Pollenflug. Ein scheinbar längst in Vergessenheit geratenes Hausmittel ist Honig. Der Zerbster Imker Manfred Werner erklärt, was es mit dem leckeren Wundermittel auf sich hat.

Zerbst. Es kribbelt in der Nase und juckt in den Augen. Allergie-Geplagte kennen dieses Problem. Die ersten Gräser oder Bäume blühen und schon streikt das Immunsystem.

Die Wenigsten wollen gleich zu Medikamenten greifen. "Müssen sie auch nicht", sagt Manfred Werner, Vorsitzender des Zerbster Imkervereines. "Honig ist ein altbewährtes Heilmittel und kann auch zur Linderung von Pollenallergien verwendet werden."

Heimischer Honig enthalte nämlich Pollen-Spuren. Durch eine regelmäßige Einnahme dessen - empfohlen wird in der Regel ein Teelöffel täglich - können Antikörper gebildet werden. Sinnvoll sei es, Blütenhonig von nahegelegenen Bienenvölkern einzunehmen, weil diese normalerweise einen großen Teil des typischen Pollenspektrums der Vegetation des eigenen Lebensumfeldes abdecken.

Empfehlenswert sei eine Honigkur in der pollenarmen oder noch besser in der pollenfreien Zeit. So könne auch langfristig Linderung geschaffen werden. Honig aus den Supermärkten sei hierfür nicht geeignet. Vor allem nicht, wenn er (hochdruck)gefiltert ist. Dies bedeute, dass dem Honig natürliche Bestandteile, zum Beispiel der Blütenstaub, entzogen wurde, erklärt Manfred Werner.

"Früher wurde Honig auch zur Wundheilung verwendet."

Doch nicht nur bei Allergie ist Honig ein altbewährtes Heilmittel. Schon Hippokrates, Arzt der Antike, erkannte, dass Honig eine fiebersenkende Wirkung hat. Forscher gehen davon aus, dass Bienen bestimmte Enzyme in den Honig abgeben, die in der Lage seien, Mikroben abzutöten. Honig enthält ein breites antibakterielles Spektrum. Rund 180 Stoffe haben Experten nachweisen können, darunter das natürliche Antibiotikum Pinocembrin und entzündungshemmende Kaffeesäure. "Früher wurde Honig auch zur Wundheilung verwendet", weiß Manfred Werner. Man nutzte Honig auf Wundauflagen, um Bakterien abzutöten. Der enorm hohe Zuckeranteil habe Bakterien das überlebenswichtige Wasser entzogen. Zudem würden die Wunden unter geringer Narben- bildung heilen.

In medizinischer Fachliteratur wird zunehmend auch über positive Erfahrungen bei Schuppenflechte und Neurodermitis berichtet.

"Durch eine Wärmebehandlung verliert Honig entzündungshemmende Enzyme."

Eine Anwendung des Hausmittels, die noch nicht in Vergessenheit geraten ist, ist die positive Wirkung bei Darm- und Erkältungsbeschwerden. Siehe Großmutters immer noch beliebte "heiße Milch mit Honig".

"Hier sollte der Käufer allerdings darauf achten, dass der Honig nicht wärmebehandelt ist", erklärt Manfred Werner. Denn durch die Wärmebehandlung verliere er einen großen Teil der entzündungshemmenden Enzyme.

Übrigens: Auch die Verbraucherzentralen empfehlen, keinen billigen Discounterhonig zu kaufen, da dieser zumeist Importware aus Mexiko oder China ist und oft stark erhitzt wurde, um das Kristallisieren des Zuckers zu verhindern. Honig direkt vom Imker oder aus Reformhäusern hat eine Banderole mit dem DIB-Siegel des Deutschen Imkerbundes, der strenge Kontrollen gewährleistet. Nur dieser Honig darf sich Echter Deutscher Honig nennen.

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