Beyendorfer Grund l Die Bürgerinitiative (BI) "Alternative Flugplatz Magdeburg-Süd" hat nach dem "Rechenfehler" der Stadt bei der Anzahl der Motorflüge in einem Gutachten zum Ausbaubedarf scharfe Kritik gebübt. "Das Gute ist: Es ist einigen Stadträten aufgefallen und die Volksstimme berichtete. Das Schlechte: Noch bevor und während die öffentliche Version dieser Vorlage in den Ausschüssen diskutiert wurde, haben Vertreter unserer Bürgerinitiative den Wirtschaftsbeigeordneten auf diesen und auf weitere Fehler hingewiesen und Korrekturen angemahnt", erklärte BI-Vorsitzender Wolfgang Richter.

Wie die Volksstimme berichtete, hatte die Magdeburger Stadtverwaltung einen Fehler in der Flugstatistik eingeräumt. Brisant: Die Zahlen waren in ein Flugplatzgutachten der Stadt eingeflossen. Darin wurde der seit Jahren heftig umstrittene mögliche Ausbau der Start- und Landebahn befürwortet.

In der Statistik war die Anzahl der Motorflüge innerhalb eines Jahres von rund 13 000 auf fast 32 000 im Jahr 2012 gestiegen und damit um mehr als das Doppelte. Landtagsabgeordneter und Grünen-Stadtrat Olaf Meister stellte angesichts des sprunghaften Anstiegs eine Anfrage beim Land, das selbst eine Flugstatistik führt. Dieses ging von einem "Rechenfehler" der Stadt aus. Tatsächlich sei die Zahl der Starts und Landungen von Motorflugzeugen auf rund 12 000 leicht zurückgegangen. Das bestätigte das Magdeburger Wirtschaftsdezernat auch. Die Bürgerinitiative der Ausbaugegner beklagt, dass die Zahlen unkorrigiert am 4. Juli 2013 im Stadtrat vorgelegt wurden, obwohl die Fehler dem Dezernat vorher bekannt gewesen seien.

BI-Vorsitzender Richter unterstellt der Stadt: "Hier wurde also vorsätzlich mit falschen Zahlen versucht, den Stadträten einen möglichen Flugplatzausbau schmackhaft zu machen." Das Wirtschaftsdezernat erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme den Fehler damit, dass in der Statistik für 2012 im Gegensatz zu den Vorjahren fälschlicherweise Ultraleichtflugzeuge mit in den Motorflugverkehr gezählt worden seien. Die Ultraleichtflieger seien jedoch den Sportgeräten zuzuordnen. Die Korrektur der Zahlen ändere jedoch nichts an der Grundaussage des Gutachtens, hieß es.

"Wirtschaftsdezernent Nitsche führt in der Analyse der ausbausuggerierenden Umfrage genau zehn Unternehmen an, die den Flugplatz in den letzten drei Jahren mindestens einmal genutzt hätten. Er hätte angesichts solcher marginalen Zahlen besser die Frage stellen müssen, wie viele dieser zehn Firmen auch andere Flugplätze, z.B. den in Cochstedt oder Leipzig/Halle hätten nutzen können", erklärte Wolfgang Richter von der BI "Alternative Flugplatz Magdeburg-Süd". Dem Dezernat könne er "nicht einen Meter über den Weg trauen", so Richter weiter. Das Gutachten bezeichnete er als "Beweis dafür, dass es bei der Umfrage nicht um Fakten ging, sondern um die Erfüllung der vom Steuerzahler zu tragenden Wunschträume der Ausbaubefürworter."

In ihrem Gutachten hatte das Wirtschaftsdezernat dargelegt, die aktuell 1000 Meter lange Start- und Landebahn genüge neuen europarechtlichen Auflagen nicht mehr. Um den Status quo als Geschäftsflughafen zu sichern, sei ein Ausbau auf 1400 oder besser noch 1800 Meter und eine Umverlegung der angrenzenden Landesstraße notwendig. Die Wirtschaft fordere ebenso den Erhalt des Geschäftsflugplatzes, hieß es weiter.

Während die Ausbaugegner dagegen protestieren, ist die Finanzierung eines möglichen Ausbaus völlig offen. Das Land lehnt bislang eine Förderung ab. Einen Ausbauantrag gibt es bisher im Stadtrat nicht.