Altstadt. Friedlich schlummern Jakob, Georg und Greta in ihrem übergroßen Wiegenbett. Die drei stellen seit fast vier Monaten das Leben ihrer Eltern Timo und Christina Stolarczyk auf den Kopf. Am 18. Oktober des vergangenen Jahres erblickten die Drillinge in der Universitätsfrauenklinik das Licht der Welt. Gestern wurden sie von Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper offiziell als Neu-Elbestädter begrüßt.

"Jetzt kommt er", flüstert Johanna, die große Schwester der Drillinge, als der OB an der Wohnung der auf einen Schlag sechsköpfigen Familie im Elbbahnhof klingelt. Mit im Gepäck hat er neben einem Blumenstrauß und seinen Glückwünschen auch 1400 Euro "Begrüßungsgeld". "Die kommen aber vom Bund, da müssen Sie sich bei Frau Merkel bedanken", stellt er klar.

Das Geld können sie auch gut gebrauchen. Ein Kinderwagen für die drei Kleinen kostet bereits so viel, erzählt Christina Stolarczyk. Auch ihr Auto, eigentlich bereits ein Siebensitzer, ist für Kind und Kegel zu klein. Ihre schicke Wohnung mit Elbblick, in die sie erst im vergangenen Jahr gezogen sind, wird wohl nur für kurze Zeit ihr Heim sein. "Wir haben nur zwei Kinderzimmer", sagt die Mama.

Die Vierfach-Eltern wirken beim OB-Besuch dennoch tiefenentspannt. "Meistens kümmert sich einer um die Drillinge und der andere um Johanna", erzählt die 31-jährige Mutter. Relativ früh hatten sie erfahren, dass gleich drei kleine Leben in ihrem Bauch heranwachsen. "Natürlich war es zuerst ein Schock", gibt sie zu. "Aber wir hatten genug Zeit, uns mit dem Gedanken anzufreunden", ergänzt ihr Mann Timo.

Der 36-Jährige arbeitet eigentlich als Richter am Sozialgericht in Dessau, ist jetzt aber gemeinsam mit seiner Frau in Elternzeit. "Bis Dezember", erklärt er. Denn weil er gleich dreimal Vater geworden ist, kann er länger als üblich zu Hause bleiben. Danach hofft er auf eine Versetzung in seine Heimatstadt.

Als wären die ersten Tage nach einer Drillingsgeburt nicht schon aufregend genug, gab es für die junge Familie zusätzlichen Stress. Nur fünf Tage nach ihrer Ankunft mussten alle drei Babys in das Klinikum Olvenstedt verlegt werden. Die Entschärfung der Bombe am Damaschkeplatz zwang sie dazu. Doch die drei ließen sich davon nicht weiter stören.

Nach mehrwöchiger Beobachtung durfte Georg, der Größte und Kräftigste, Anfang Dezember als Erster nach Hause. Wenige Tage später folgten auch seine beiden Geschwister, so dass die Familie gemeinsam den Geburtstag von Johanna und einen Tag später Weihnachten feiern konnte.

Sie wollte zwar ein Geschwisterchen. Dass es gleich so viele werden, hätte sie sich wohl nicht träumen lassen. Die Zweijährige kümmere sich aber bereits rührend um sie. "\'Ich hab dich lieb\' hat sie schon zu ihnen gesagt", berichtet Mama Christina stolz.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es wie bei den Stolarczyks auf natürlichem Weg zu einer Drillingsgeburt kommt, beträgt übrigens 1 zu 7000. In Magdeburg wurde im vergangenen Jahr nur ein weiteres Paar Eltern von Drillingen.