Magdeburg l Der Gerstengrund-Feuerteufel hat wieder zugeschlagen. Seit mehr als einem Jahr terrorisiert er die Bewohner eines Wohnblocks. Obwohl es bereits sieben Mal brannte, hat der Vermieter noch nicht einmal Rauchmelder installieren lassen.

Gespenstig wirkt das Mehrfamilienhaus am Gerstengrund. Verrußte Wände, eine dicke schwarze Staubschicht auf den Fensterbrettern und in der Luft hängt beißender Brandgeruch. "Unvorstellbar, dass hier noch Leute wohnen", sagt ein Anwohner aus dem Nachbareingang.

Seit mehr als einem Jahr terrorisiert ein Feuerteufel die Bewohner des Hauses im Westen Magdeburgs. Am gestrigen Mittwoch brannte es schließlich zum siebenten Mal. Ein Schuhschrank wurde in den frühen Morgenstunden angesteckt. Die Feuerwehr weckte gegen sechs Uhr die Bewohner des Hauses. Verletzt wurde laut Polizei niemand.

"Ich wollte auf Toilette, da roch ich den Qualm", sagt ein Bewohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, der Volksstimme. Er war es auch, der die Einsatzkräfte alarmierte. Die Wohnung des Mannes liegt im obersten Stockwerk, direkt neben dem Brandherd. Seine Wohnungstür ist von einer Rußschicht überzogen. Auch in der Wohnung: beißender Brandgeruch. "Zum Glück habe ich das rechtzeitig gerochen. Sonst wären wir alle erstickt", sagt er. Der Magdeburger wohnt nach eigenen Angaben seit elf Jahren in dem Mehrfamilienhaus und überlegt, nun auszuziehen. "Niemand kümmert sich um uns. Wie oft muss es denn noch brennen", fragt er.

"Von Seiten des Vermieters ist leider noch nichts passiert."

Andreas von Koß, Polizeisprecher

Den Anfang nahm die Serie 2012 mit einem Kellerbrand. Mehrere Zehntausend Euro Schaden waren damals entstanden. Es folgten drei Pkw-Brände vor dem Haus. Im Dezember des vergangenen Jahres loderte ein Zeitungswagen im Keller des Hauses. Anfang Januar wurden die Türen zweier leerstehender Wohnungen mittels Brandbeschleuniger angezündet. Ein Spaziergänger, der die Flammen im Treppenaufgang bemerkte, hatte damals die Feuerwehr gerufen. Zum Tatzeitpunkt waren 13 Personen im Haus. Auch damals wurde wie durch ein Wunder niemand verletzt.

Die Gerstengrund-Ermittlungen werden von den Brandexperten der Kripo geführt. Mehrfach wurden Bewohner bereits befragt. "Es gibt allerdings noch keinen konkreten Tatverdacht", sagt Polizeisprecher Andreas von Koß. Ausschließen könne die Polizei derzeit nur, dass sich die Brandattacken gegen einen bestimmten Bewohner des Hauses richteten. Ob der Täter aus dem Bewohner-Umfeld komme - wie von den Mietern vermutet - sei reine Spekulation. Durchsuchungen in den Wohnungen hat es unterdessen noch nicht gegeben. Dafür wäre ein richterlicher Beschluss nötig.

Die Polizei habe sich auch mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt und Hilfe angeboten. "Da ist leider gar nichts passiert", sagt von Koß. In dem Haus seien nicht einmal Brandmelder installiert. Ein Umstand, den mehrere Bewohner auf Nachfrage be­stätigten.

Unterdessen ist die Angst in dem Mehrfamilienhaus so groß, dass gegenüber der Volksstimme niemand seinen Namen nennen möchte. Eine junge Frau, die mit ihrem Partner erst vor einem Jahr in das Haus gezogen ist, sagt: "Wir bekommen keine Informationen. Von niemandem. Wir können doch nicht schon wieder ausziehen", sagt sie. Offenbar ist der Feuer-Terror nicht die einzige Schikane, mit der die Bewohner um ihren Schlaf gebracht werden. In der Vergangenheit wurden Schlüssellöcher mit Sekundenkleber versiegelt, das Schloss der Eingangstür beschädigt.

"Wir werden das jetzt am Telefon nicht weiter ausführen."

Vermieter zur Volksstimme

Verwaltet wird das Objekt von der Neutecta Grundinvest Aktiengesellschaft aus Leipzig. Bereits Anfang des Jahres versuchte die Volksstimme telefonisch Kontakt aufzunehmen, bekam aber keine Auskunft. Erneute Nachfragen werden wieder nicht beantwortet. Eine Mitarbeiterin legt mitten im Gespräch gar den Telefonhörer auf. Nach weiteren Versuchen meldet sich eine andere Mitarbeiterin und sagt, dass man sich aufgrund der polizeilichen Ermittlungen derzeit nicht äußern werde. Auf die Frage, warum keine Rauchmelder in dem Haus installiert seien, bekommt die Volksstimme zur Antwort, dass man das am Telefon jetzt nicht näher ausführen werde.

Fest steht: In Sachsen-Anhalt gibt es seit Dezember 2009 eine Rauchmelder-Pflicht. Jedoch gilt für die sogenannten Bestandsbauten, die vor 2009 errichtet wurden, eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2015. "Es gäbe viele Dinge, die man jetzt unternehmen könnte. Die Polizei würde auch eine technische Beratung durchführen. Aber mehr, als es dem Vermieter anbieten, können wir nicht", so von Koß weiter.

 

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