Magdeburg l Der dominierende Vermieter im Quartier, die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Magdeburg, hat mit dem Abriss von Wohnblöcken ein etwa 30 000 Quadratmeter fassendes Areal in drei getrennten Abschnitten geschaffen, das künftig als Bauland für Reihenhäuser genutzt werden soll. Dafür sind etwa ein Drittel der 1200 Wohnungen im Quartier, die sich im Bestand der Wobau befinden, in Abstimmung mit der Stadt gewichen. Diese seien aufgrund des fehlenden Bedarfes nicht mehr vermietbar gewesen, so Wobau-Geschäftsführer Heinrich Sonsalla: "Bis auf zwei Häuser, für die Zuweisungen des Landes noch ausstehen, sind alle abgerissen." Die Maßnahmen wurden mit Mitteln aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost" umgesetzt.

Sobald die beiden bereits leergezogenen Blöcke mit 144 Wohnungen zurückgebaut sind, soll eine Neubebauung der Fläche, die sich zwischen der Astonstraße / Ferdinand-von-Schill-Straße befindet und bis zum Jugendclub "Münze" sowie einer Kleingartenanlage reicht, "so schnell wie möglich umgesetzt werden. Zeitlich sind wir durch den ausstehenden Abriss zurückgeworfen worden, obwohl die Reihenhausbebauung politisch gewollt ist." Kaufangebote von Investoren würden bereits vorliegen, eine Entscheidung über die Veräußerung der drei Abschnitte solle in den kommenden Monaten fallen.

Die Art der Bebauung soll sich an den Häusern im Bereich des Goetheparks orientieren. Ob und wie weit sich das Unternehmen an der Neubebauung beteiligt, sei noch offen, so der Geschäftsführer: "Fest steht, das ein Gros der Fläche an Dritte vergeben wird, die sie schnell bebauen werden. Wir sind keine Eigenheimentwickler." Einer der drei Abschnitte sei bereits baureif.

Eine Besonderheit in dem Gebiet sind sogenannte Restitutionsansprüche. Darunter ist in Zusammenhang mit der Regelung offener Vermögensfragen in den neuen Bundesländern der Anspruch eines früheren Eigentümers auf Rückübertragung der ihm entzogenen Vermögenswerte zu verstehen. Bis zum Dezember gab es Auseinandersetzungen speziell für drei Wohnblöcke, die juristisch geklärt wurden. So lange galt eine Verfügungssperre - Maßnahmen wie Abriss und Sanierung waren nicht möglich. Nun steht die Wobau vor der Entscheidung, wie sie die drei jeweils quer zur Astonstraße stehenden Doppelwohnblöcke (in den Bereichen Ernst-Toller-Straße, Tucholskystraße und Bundschuhstraße) nutzen wird. Für die Übernahme der Wohnblöcke im Bereich der Bundschuhstraße gebe es bereits einen Interessenten, so Sonsalla. Die beiden Wohnblöcke im Eckbereich Astonstraße / Ferdinand-von-Schill-Straße bleiben bestehen. Offen ist die Zukunft der Garagenanlage an der Astonstraße.

Bis zuletzt hatten einige der ehemaligen Bewohner, die im Zuge der Rückbaumaßnahmen umgezogen sind, gehofft, in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren zu können. Viele Jahre stand die Friedenshöhe nicht im Fokus, wenn es um das Thema "Weiterentwicklung und Sanierung" ging. Nach Auskunft der Wobau sind gegenwärtig über 600 Wohnungen des Bestandes im typischen Industriebaustil saniert worden. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands sind Ministerien aus diesem Gebiet weggezogen, seit Jahren wird es als Schrumpfungsgebiet eingestuft.

   

Bilder